Trump kauft Diesel aus Russland: Wird Tanken in Deutschland billiger?

Könnte durch Trumps Deal auch der Diesel in Deutschland günstiger werden?
JIM WATSON/KRISTINA SOLOVYOVA/afpDonald Trump sorgt mit einem ungewöhnlichen Energiegeschäft für Aufsehen. Der US-Präsident hat am Freitag (9. Oktober) nach einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin angekündigt, große Mengen Diesel aus Russland auf den amerikanischen und internationalen Markt zu bringen.
Nach Trumps Angaben sollen zunächst mehr als 300.000 Tonnen Diesel bereitgestellt werden. Im November sollen weitere 500.000 Tonnen folgen, anschließend eine weitere Million Tonnen. Darüber hinaus stellte Trump zusätzliche Lieferungen von drei Millionen Tonnen in Aussicht.
Das Ziel: die weltweit hohen Dieselpreise senken. Um die Lieferungen zu ermöglichen, hat das US-Finanzministerium bestimmte Sanktionen gegen russischen Diesel vorübergehend gelockert. Die entsprechende Genehmigung gilt bis zum 7. April 2027.
Kann russischer Diesel nach Deutschland kommen?
Ein direkter Import von russischem Diesel nach Deutschland ist grundsätzlich nicht erlaubt. Die Europäische Union hat die Einfuhr russischer Erdölprodukte bereits 2023 weitgehend verboten. Anders als die USA hält die EU weiterhin an ihren Sanktionen gegen Moskau fest.
Auch Umwege über andere Länder sollen verhindert werden. Seit dem 21. Januar 2026 gelten zusätzliche EU-Beschränkungen für Erdölprodukte, die außerhalb Russlands aus russischem Rohöl hergestellt wurden. Für bestimmte Partnerländer und Sonderfälle bestehen allerdings Ausnahmen beziehungsweise besondere Nachweisregeln.
Ein einfacher Weiterverkauf russischen Diesels über die USA würde deshalb nicht ausreichen, um die europäischen Importverbote zu umgehen.
Trotzdem könnte sich Trumps Entscheidung auf den deutschen Kraftstoffmarkt auswirken – und zwar indirekt.
Warum Diesel in Deutschland trotzdem billiger werden könnte
Diesel wird international gehandelt. Die Preise an deutschen Tankstellen hängen deshalb nicht nur davon ab, wie viel Kraftstoff hierzulande produziert oder importiert wird. Entscheidend ist auch, wie viel Diesel weltweit verfügbar ist und wie hoch die Nachfrage ausfällt.
Wenn Russland zusätzliche Mengen auf den Weltmarkt bringt, könnte das Angebot steigen. Kaufen beispielsweise amerikanische oder asiatische Händler mehr russischen Diesel, benötigen sie möglicherweise weniger Kraftstoff aus anderen Herkunftsländern.
Diese Mengen könnten dann europäischen Abnehmern zur Verfügung stehen.
Ein solcher Effekt kann den Preisdruck auf den internationalen Märkten verringern, ohne dass Deutschland selbst russischen Diesel importieren muss.
Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied: Sinkende Großhandelspreise führen nicht automatisch zu entsprechend niedrigeren Tankstellenpreisen. Auch der Rohölpreis, der Euro-Dollar-Wechselkurs, Steuern, Logistikkosten und die Preisgestaltung der Mineralölunternehmen spielen eine Rolle.
Experten erwarten keinen großen Preisrutsch
Ob Trumps Dieselgeschäft tatsächlich für Entlastung sorgt, ist fraglich.
Energieanalysten halten die angekündigten Mengen für zu gering, um die angespannte Versorgungslage auf dem Weltmarkt grundlegend zu verändern.
Hinzu kommt, dass Russland selbst mit Problemen in seiner Ölindustrie zu kämpfen hat. Ukrainische Angriffe auf Raffinerien haben die russischen Verarbeitungskapazitäten beeinträchtigt. Deshalb ist unklar, ob die angekündigten Dieselmengen tatsächlich vollständig und wie geplant geliefert werden können.
Auch der Transport benötigt Zeit. Selbst wenn die Lieferungen kurzfristig beginnen, dürfte der zusätzliche Kraftstoff nicht sofort in größerem Umfang auf den internationalen Märkten verfügbar sein.
Gleichzeitig belasten die Konflikte im Nahen Osten die Energieversorgung. Sie haben zu steigenden Preisen und Unsicherheit an den Ölmärkten beigetragen.
Vor diesem Hintergrund dürfte der russische Diesel allein kaum ausreichen, um die Kraftstoffpreise deutlich zu drücken.
