Technologiekonzern in der Krise
: Stellenabbau, Werksschließungen Gewinneinbruch: Das sind die größten Baustellen von Bosch

Bosch verdient so wenig wie seit Jahren nicht. Insbesondere die horrenden Kosten für die Stellenabbau-Pläne belasten den Gewinn. Der Konzern steht unter hohem  Druck. Das sind die Ursachen.
Von
Julian Weber
Stuttgart
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Brennstoffzellen-Antriebssysteme von Bosch

Die Entwicklung von Zukunftstechnologien wie die Brennstoffzellen-Antriebssysteme kosten viel Geld. Doch bisher verdient Bosch kaum Geld damit

Marijan Murat/dpa
  • Bosch-Ebit fällt um gut 45 % auf 1,7 Mrd. €, Umsatz leicht auf 91 Mrd. € gestiegen.
  • 2025 wurden rund 2,7 Mrd. € für Stellenabbau und Abfindungen zurückgestellt.
  • Ende 2025: 412.400 Beschäftigte, 5.400 weniger; in Deutschland minus 6.500.
  • Ursachen: US-Zölle, Lieferengpässe bei Nexperia-Chips, stärkere China-Konkurrenz.
  • Werksschließungen, Verlagerungen; Zielrendite ≥7 % frühestens 2027, 2025: 1,9 %.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Milliardenkosten für den Abbau Tausender Stellen haben den Gewinn von Bosch deutlich schrumpfen lassen. Nach vorläufigen Zahlen ging das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um gut 45 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück, wie der Technologiekonzern aus Gerlingen bei Stuttgart mitteilte. Bereits im Vorjahr war der Wert um ein Drittel abgesackt.

Die Zahlen zeigen, unter welch hohem Druck der Konzern steht. Der Gewinn fällt so niedrig aus wie lange nicht. Selbst im Corona-Jahr 2020 hatte Bosch noch rund zwei Milliarden Euro operativen Gewinn erzielt. Immerhin: Rote Zahlen schreibt keiner der vier Geschäftsbereiche. Der Umsatz stieg im Vergleich zu 2024 leicht auf 91 Milliarden Euro.

„Die wirtschaftliche Realität spiegelt sich auch in unseren Ergebnissen wider. 2025 war ein schwieriges, teils auch schmerzhaftes Jahr für Bosch“, sagte Konzernchef Stefan Hartung. Die selbstgesteckten Umsatz- und Gewinnziele habe man nicht erreichen können. Aber woran lag das? Ein Überblick.

Folgen der Lieferengpässe von Nexperia-Chips

Der Stuttgarter Technologiekonzern bekommt die schwächelnde Weltkonjunktur zu spüren und die angespannte geopolitische Lage.  Hinzugekommen sind 2025 unter anderem die US-Zölle. Auch die Konkurrenz, gerade durch chinesische Anbieter, habe sich erheblich verschärft, sagte Hartung. Und das nicht nur in der Autoindustrie, die immer noch die Lieferengpässe bei Nexperia-Chips verdaut –und ohnehin weniger produziert, also noch vor ein paar Jahren.

Nach eigenen Angaben ist Bosch in vielen Bereichen mittlerweile nicht mehr wettbewerbsfähig. Soll heißen: Der Konzern kann im Vergleich zur Konkurrenz nicht mithalten. Der Anspruch ist aber ein anderer. In den wesentlichen Märkten will Bosch zu den drei führenden Anbietern gehören. Das erfordere derzeit vor allem niedrigere Kosten und nachfrageorientierte Kapazitäten. Hartung forderte von der Politik aber auch Local-Content-Regeln. Darunter versteht man staatliche Vorschriften oder Auflagen, die Unternehmen dazu verpflichten, einen bestimmten Anteil an Waren, oder Dienstleistungen aus dem jeweiligen Land zu verwenden, in dem sie produziert werden. Dadurch könnte ein derzeit verzerrter Wettbewerb wieder gerechter werden.

Stellenabbau kostet Milliarden

Bosch fährt angesichts der vielfältigen Probleme einen harten Sparkurs. Allein im Zulieferbereich geht es um Milliarden. „Wir arbeiten hart an unseren Sach- und Materialkosten, wir setzen KI noch intensiver ein, um unsere Produktivität zu erhöhen, und wir wägen jede Investition noch sorgfältiger ab“, sagte Hartung. Um Wettbewerbsfähigkeit und Investitionskraft dauerhaft zu sichern, müsse man die Organisation aber auch deutlich verschlanken - und dazu Personal abbauen. Dieser Schritt sei der Geschäftsführung persönlich schwergefallen. „Wir hoffen, dass wir das in der Größenordnung in den nächsten Jahren nicht mehr machen müssen“, sagte Hartung.

Im September hatte der Konzern angekündigt, rund 13.000 weitere Stellen zu streichen – zusätzlich zu laufenden Programmen. An mehreren Standorten wird darüber aktuell noch verhandelt. Klar ist aber schon: Der Stellenabbau kostet den Konzern eine immense Summe.

„Die Kosten für sozialverträgliche Lösungen belasten unser Ergebnis erheblich“, sagte Finanzchef Markus Forschner. 2025 wurden demnach rund 2,7 Milliarden Euro zur Seite gelegt – beispielsweise für Abfindungen. Gedrückt wurde der Gewinn unter anderem auch von den gestiegenen Zöllen.

Ende 2025 beschäftigte die Gruppe weltweit 412.400 Menschen, 5400 weniger als ein Jahr zuvor. Dabei zeigte sich eine Verschiebung von Europa in andere Weltregionen. Überproportional von der Entwicklung betroffen war Deutschland, wo knapp 30 Prozent der Beschäftigten arbeiten. Insgesamt waren es zuletzt rund 123.100 Menschen – und damit 6.500 oder fünf Prozent weniger als zum Ende des Vorjahres.

Zukunftsprojekte sind teuer und brauchen Zeit

Bosch investiert seit Jahren Milliarden in die Zukunft. E-Mobilität, Software für das automatisierten Fahren, Wasserstoff, Wärmepumpen, bestimmte Chips Zukunftsprojekte. In all diesen Bereichen wollen die Schwaben gut aufgestellt sein und künftig Geld verdienen. Bisher geht die Rechnung aber nicht auf. Die Zukunftsfelder müsse man nach wie vor erheblich vorfinanzieren, sagte Forschner. „Das zehrt an den Erträgen, zumal die Durststrecke mit der verzögerten Marktdurchdringung neuer Technologien länger ist als ursprünglich erwartet.“

Bosch hat also zahlreiche innovative Produkte im Schaufenster stehen. Aber es greifen weniger Kunden zu, als ursprünglich erwartet. Dazu gehören Produkte und Komponenten für E-Autos. Es gibt aber auch andere Beispiele: Bereits länger hat der Konzern einen Brennstoffzellen-Antrieb für Lastwagen im Angebot. Die Nachfrage ist nach der Pleite eines Hauptkunden aber überschaubar. Bis sich das System für Bosch auszahlt, dürften Jahre vergehen.

Kauflaune im Keller

Auch das Geschäft mit Haus- und Gartengeräten sowie Elektrowerkzeugen schwächelt. Viele Verbraucher halten sich mit Blick auf die unsichere politische und wirtschaftliche Lage mit Käufen zurück.  Die Konsumgüterindustrie sei von einer anhaltenden Marktschwäche geprägt, sagte Hartung. Es würden beispielsweise weniger und preiswertere Küchen gekauft. Die zwei deutsche Werke für Elektroherde seien nur noch bis zur Hälfte ausgelastet gewesen. Der Kern der Produktion sei aber eine Emaillierungsanlage, die sehr viel Energie benötige. „Wenn man die nur zur Hälfte betreibt, hat man gigantische Kosten“. Daher habe man sich dazu entschieden, eines der Werke zu schließen. Das sei bitter gewesen, sagte Hartung. Zu BSH gehören die Marken Bosch, Siemens, Neff und Gaggenau. In der Elektrowerkzeug-Sparte sind die Probleme ähnlich. Die Folge sind auch dort Werksschließungen in Deutschland, Stellenabbau und eine Verlagerung der Produktion ins Ausland.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern keine Entspannung. Eine konkrete Prognose gab Hartung nicht ab. Die soll im April folgen. Er rechnet aber mit deutlichen Fortschritten bei der Umsetzung der Sparmaßnahmen - und mit einer entsprechend besseren Ertragslage. Die für Zukunftsinvestitionen benötigte Zielrendite von mindestens sieben Prozent werde man allerdings frühestens 2027 erreichen können. 2025 waren es 1,9 Prozent.