Taylor-Swift-Effekt: Teure Zimmer wegen „Swifties“

Ganze Orte werden zu Swift-Städten gemacht wie hier Gelsenkirchen. Viele Fans brauchen eine Unterkunft, was die Hotellerie freut.
Bernd Thissen/dpaHunderttausende Fans wollen Popstar Taylor Swift bei ihren Konzerten in Deutschland sehen. Gerade erst fanden zwei Konzerte in München statt, 74.000 Fans waren im Olympiastadion, Tausende hörten daneben auf dem Olympiapark mit. Da viele der „Swifties“ genannten Fans aus dem In- und Ausland anreisen, machen Hotels und Vermieter von Unterkünften gute Geschäfte. Wie die Buchungsplattform Airbnb mitteilte, waren etwa Anfragen für München im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 600 Prozent gestiegen. In der kaum als touristisch bekannten Ruhrgebietsstadt Gelsenkirchen zogen die Suchanfragen für den Zeitraum rund um die drei Konzerte des Popstars Mitte Juli sogar um mehr als 7000 Prozent an, berichtet Airbnb. Die Anfragen seien von Interessierten aus aller Welt gekommen.
Auch die zuständigen Dehoga-Landesverbände in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und München hatten vor den Swift-Konzerten ein gestiegenes Interesse an Übernachtungen und steigende Preise beobachtet. So sei Gelsenkirchen schon Wochen vor dem ersten Konzert gut gebucht gewesen, sagte etwa ein Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands NRW.
Das schlägt sich auch auf die Preise nieder. Die Hotelpreise erhöhten sich während der Tour von durchschnittlich 150 bis 200 Euro auf 400 bis 500 Euro. Ferienwohnungsbetreiber schlugen zwischen 150 und 350 Prozent auf. „Diese Preissteigerungen könnten sich auch in Deutschland statistisch niederschlagen“, meint Felix Herrmann, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Aramea in Hamburg, im Magazin „Wirtschaftswoche“. Und zwar in der Inflationszahl. Allerdings sei Vorsicht geboten, denn viel könne auch durch Rundungseffekte aufgebauscht werden, weil die Inflationszahl nur mit einer Stelle hinterm Komma berichtet werde.
Ein Drittel der Buchungen aus den USA
Auf alle europäischen Städte der „Eras Tour“ gerechnet, hätten die Anfragen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum durchschnittlich um knapp 60 Prozent zugenommen, teilte Airbnb weiter mit. Die meisten Anfragen wurden demnach für Zimmer in London gestellt, gefolgt von Lissabon und Edinburgh. Airbnb hat dazu jeweils Suchanfragen für die Konzertdaten mit Suchanfragen aus dem Vorjahreszeitraum verglichen.
Auch über die Demografie der „Swifties“ lässt sich anhand der Airbnb-Daten einiges erfahren. 70 Prozent der Gäste, die während Swifts Europa-Tour Übernachtungen in den Tourstädten über Airbnb gebucht haben, sind weiblich. Ein Drittel der Buchungen wurde aus den USA getätigt. „Es gab eine verstärkte amerikanische Nachfrage auf dem Markt“, bestätigte auch eine Sprecherin des Dehoga in Hamburg.
Das Privatvermögen von Taylor Swift wird inzwischen auf über eine Milliarde Dollar geschätzt, vor allem wegen ihrer US-Tour im vergangenen Jahr. Dort hatten die Konzerte eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Veranstaltungsorte. Ihre Auftritte führten insgesamt zu Konsumausgaben von insgesamt 4,6 Milliarden Dollar. Im Jahr 2023 trugen Reisen mit Airbnb während der Tourdaten zu einer geschätzten wirtschaftlichen Auswirkung von über 77 Millionen US-Dollar bei, erklärt die Plattform.
Beim Arbeitsamt von Los Angeles haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laut ARD ausgerechnet, dass die sechs Konzerte von Taylor Swift dem Bezirk vor Ort 320 Millionen Dollar an Tourismus- und Steuereinnahmen einbrachten. Laut „Wirtschaftswoche“ rechnen Experten damit, dass in Deutschland bei den sieben Konzerten 330 Millionen Euro zusammenkommen könnten.
Event-Urlaub als neuer Reisetrend
Taylor Swift stehe an der Spitze eines neuen Reisetrends, berichtete Airbnb weiter. Sogenannte Event-Urlauber wiesen europaweit „auf einen starken Zusammenhang zwischen dem Kulturgeschehen und der Reiseplanung rund um Großveranstaltungen hin“. Letztes Jahr, so erklärt die Vermietungsplattform, hätten mehr als eine Viertelmillion Gäste in den Veranstaltungsorten Zimmer oder Wohnungen gebucht.