Berlin (dpa) - Vor dem Tarif-Auftakt bei der Deutschen Bahn an diesem Freitag um 10 Uhr  hat der Konzern die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zu einer ausgewogenen Lösung aufgerufen. Dies sei im Interesse der Reisenden und der Beschäftigten, betonte Personalvorstand Martin Seiler. Angesichts der Krise sei ein vernünftiger und bezahlbarer Abschluss notwendig. Die Forderungen der Gewerkschaft nannte die Bahn erneut maßlos und realitätsfern.
Die GDL will für die Beschäftigten 4,8 Prozent mehr Geld rückwirkend zum 1. März sowie eine Corona-Prämie von 1300 Euro. Als Bedingung für einen Abschluss verlangt sie Einschnitte bei den Erfolgsbeteiligungen mehrerer tausend Führungskräfte. „Millionen für Vorstände und Führungskräfte bei gleichzeitiger Wegnahme von Brotkrumen bei den operativen Eisenbahnern – das wird es mit uns nicht geben“, sagte Gewerkschaftschef Claus Weselsky.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte sich schon im September mit dem Konzern auf einen Abschluss geeinigt: Nach einer Nullrunde im laufenden Jahr erhalten die Beschäftigten ab 2022 1,5 Prozent mehr Geld. Dafür hat die Bahn eine Beschäftigungsgarantie ausgesprochen.
Die GDL steht unter Druck, denn die Bahn ist dabei, ein Gesetz umzusetzen, nach dem in einem Betrieb nur noch der Tarifvertrag mit der mitgliederstärksten Gewerkschaft gilt. Das ist in vielen Fällen nicht die GDL, sondern die größere EVG. Bahn-Vorstand Seiler sicherte der GDL zu, ihre Existenz stehe nicht in Frage. Ziel sei eine geregelte Koexistenz der beiden Gewerkschaften im Konzern.