Hoher Stromverbrauch?: Wie Sie Ihr Sparpotenzial bei den Stromkosten am besten nutzen

Der Tagespreis an der Leipziger Strombörse ist für Fritz Eberlein derzeit aufgrund des ständigen Auf und Abs nicht kalkulierbar.
Corinna Janßen- Dynamische Stromtarife können Hunderte Euro sparen, vor allem bei E-Auto oder Wärmepumpe.
- Börsenpreise schwanken: nachts oft günstig, tagsüber bei hoher Nachfrage teuer.
- Sparen klappt nur mit flexiblem Verbrauch – Smart Meter und Energie-Management helfen.
- Geringer Verbrauch ohne Verschiebungspotenzial bleibt mit festem Ökostromtarif meist besser.
- Wechsel ist einfach: Einige Großversorger bieten dynamische Tarife, Kündigungsfrist vier Wochen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Millionen Bundesbürger könnten – je nach Verbrauch – Hunderte Euro und mehr im Jahr sparen, wenn sie von ihren fixen auf variable Stromtarife umsteigen. Das geht seit dem vergangenen Jahr. Seitdem müssen Energieunternehmen solche Tarife eigentlich jedem Kunden anbieten. Eigentlich. Das tun bisher aber nur wenige, darunter immerhin viele überregional arbeitende Großversorger wie Eon, Vattenfall oder ENBW mit ihrer Tochter Yello.
Die Ausgangssituation: Die meisten sind Kunden eines Energieunternehmens und zahlen dafür aktuell im Schnitt 37 Cent pro Kilowattstunde Strom. Das ist der sogenannte Arbeitspreis. Hinzu kommt ein fixer Grundpreis von rund 20 Euro monatlich, unabhängig davon, ob und wie viel Strom verbraucht wird. Diese Preise werden einem oft für ein Jahr oder länger garantiert. Eine Familie in München mit 3000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt aktuell rund 1200 Euro bei 0,32 Euro pro Kilowattstunde und 150 Euro Grundpreis.
Günstige Preise in der Nacht nutzen
Strompreise werden generell an der Börse gehandelt und unterliegen starken Schwankungen. Wird vormittags oder am frühen Abend viel Strom verbraucht, sind die Preise hoch. Niedrig sind sie dagegen in der Nacht, wenn Privatleute und Betriebe nur wenig Energie brauchen und Windräder weiter Strom erzeugen. Wird davon deutlich mehr erzeugt als gebraucht, wird der Strom teilweise sogar ins Ausland verschenkt, um die Netze nicht zu überlasten.
Deswegen hat die Bundesregierung dynamische Stromtarife vorgeschrieben. Ziel ist, dass Kunden vermehrt günstigen Strom abnehmen, wenn genügend da ist und die Stromnetze gleichmäßiger ausgelastet werden. Und nicht vormittags, wenn zu wenig vorhanden ist und man teure Gas- und Kohlekraftwerke zuschalten muss. Was viele nicht wissen: Stehen Windräder an der Autobahn still, sind diese meist nicht defekt, sondern abgeschaltet, weil die Stromnetze die Energie nicht aufnehmen können.
„Von günstigem Strom profitieren aber nur die Kunden, die einen erheblichen Teil ihres Strombedarfs bewusst in jene Zeiten – etwa nachts – legen können, in denen die Energie reichlich vorhanden und deswegen wirklich billig ist“, sagt der Schondorfer Energieexperte David Rathke von Energieversum. Dazu zählen vor allem Verbraucher mit einer Wärmepumpe, einem E-Auto, einem Stromspeicher oder einem Whirlpool.
Für wen sich variable Tarife eher nicht lohnen
Kunden mit geringem Verbrauch und nur wenigen Möglichkeiten, ihren Strombedarf bewusst zeitlich zu verschieben, sollten lieber bei einem günstigen Ökostromanbieter mit festen Preisen und Preisgarantie bleiben. Wer den Strom überwiegend für die Beleuchtung, den Fernseher oder den Backofen braucht und höchstens die Waschmaschine und den Trockner zu anderen Zeiten anschalten könnte, ist mit den bisherigen Tarifen gut bedient.
Um mit dynamischen Tarifen zu sparen, braucht es einen Smart Meter, der die Verbrauchsdaten an den Netzbetreiber sendet. Den liefert der Energieversorger kostenlos bei einem Stromverbrauch von mehr als 6000 kWh oder beim Vorhandensein von Wallbox, Stromspeicher, Wärmepumpe oder einer Photovoltaikanlage mit mehr als sieben Kilowattpeak (kWp). Dieses System zeigt Zeiten an, in denen sich etwa ein E-Auto oder ein Stromspeicher mit günstigem Strom laden lässt.
Natürlich kann theoretisch jeder nachts selbst aufstehen und sein E-Auto oder seinen Stromspeicher mit billigem Strom laden. Ein Heim-Energie-Management-System nimmt einem diese Arbeit ab. Mehr noch: Es lernt, wann mit welchen Geräten wie viel Strom verbraucht wird, und optimiert das automatische Laden in günstigen Zeiten sowie die Versorgung der Technik mithilfe des Stromspeichers. Über eine App auf dem Handy lässt sich alles verfolgen und bei Bedarf steuernd eingreifen. Die App zeigt nicht nur Verbrauch und aktuelle Preise, sondern auch spätestens am Nachmittag die Börsenpreise von morgen.
Der Arbeitspreis ist hier dynamisch und richtet sich im Wesentlichen danach, wie hoch der Preis an der Strombörse zu den Zeiten ist, zu denen Strom in unterschiedlichen Mengen abgenommen wird. Daher kann auch kein Unternehmen sagen, was am Ende des Monats zu zahlen ist. Das kann viel sein, aber auch wenig.
Der dynamische Tarif setzt sich aus schwankenden Börsenpreisen, Steuern, Netzentgelten und einer Anbietergebühr zusammen. Durch die Verlagerung des Verbrauchs in günstige Zeiten lässt sich allerdings nur der schwankende Börsenpreis senken. Dieser macht rund 40 Prozent des Gesamtpreises aus. Der Rest bleibt gleich hoch. In der Nacht ist der Börsenpreis oft zehn Cent pro Kilowattstunde günstiger. Wer im Monat 400 Kilowattstunden in günstigen Zeitfenstern lädt, spart übers Jahr gerechnet 480 Euro.
Rascher Tarifwechsel ist möglich
Wer sparen und von einem fixen auf einen dynamischen Tarif umsteigen will, sollte zunächst prüfen, ob es ein solches Angebot beim bisherigen Anbieter gibt. Falls nicht, sollte man kündigen und anschließend zu einem der folgenden Unternehmen wechseln, die günstige dynamische Tarife mit Ökostrom anbieten: Lichtblick, Naturstrom, Ostrom oder Octopus. Die Kündigungsfrist beträgt hier nur vier Wochen, sodass man schnell zu fixen Tarifen zurückwechseln kann, falls sich die Erwartungen an die variablen Tarife nicht erfüllen.
