Baden-Württemberg: Drohen jetzt die nächsten Streiks im ÖPNV?

Der öffentliche Nahverkehr droht in mehreren Städten Baden-Württembergs bald stillzustehen. Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einer Urabstimmung über unbefristete Streiks auf.
Marijan Murat/dpaNachdem es bei der Deutschen Bahn und Lufthansa erneut zu Streiks kommt, drohen nun auch in Baden-Württemberg die nächsten Ausfälle im öffentlichen Nahverkehr. Die zuvor laufenden Tarifverhandlungen mit den kommunalen Nahverkehrsunternehmen wurden für gescheitert erklärt. Die Arbeitgeber legten am Sonntag laut Verdi ein neues Angebot vor. Dieses lehnte die Gewerkschaft nun ab. Welche Städte sind nun davon betroffen und wann droht dort ein Streik im ÖPNV?
ÖPNV in BW: Urabstimmung über unbefristete Streiks
Im Tarifstreit mit den kommunalen Nahverkehrsunternehmen in Baden-Württemberg lässt die Gewerkschaft Verdi ihre Mitglieder über unbefristete Streiks entscheiden. Die Urabstimmung beginne am 18. März und dauere vier Wochen, teilte der Verdi-Landesbezirk am Montag mit. Wenn 75 Prozent der Befragten zustimmten, seien auch unbefristete Streiks möglich.
Bisher keine Warnstreiks geplant
Für die kommenden Tage sind den Angaben zufolge keine Warnstreiks geplant. Für den Zeitraum der Urabstimmung schloss die Gewerkschaft weitere Ausstände aber nicht aus. Fahrgäste müssen also mit weiteren Einschränkungen rechnen.
Streik im ÖPNV: Diese Städte wären betroffen
Betroffen von der Auseinandersetzung ist der öffentliche Personennahverkehr in Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden-Baden, Esslingen und Konstanz. Der Arbeitskampf hatte den ÖPNV dort bereits mehrmals weitgehend lahmgelegt. Bus- und Straßenbahnfahrer in den sieben Städten traten seit Anfang Februar bislang an drei Tagen zeitgleich in den Ausstand. Hinzu kamen einzelne Warnstreiks in verschiedenen Städten.
Tarifverhandlungen im ÖPNV in fast allen Bundesländern
Verdi verhandelt mit den kommunalen Nahverkehrsbetrieben derzeit in fast allen Bundesländern über neue Manteltarifverträge. Die Forderungen unterscheiden sich: Im Südwesten tritt die Gewerkschaft für eine grundsätzliche Verkürzung der Wochenarbeitszeit sowie eine Schichtzulage im Fahrdienst ein. Darüber hinaus will Verdi erreichen, dass sich die Beschäftigten Verspätungen und bislang unbezahlte Wegzeiten vollständig als Arbeitszeit anrechnen lassen können.
Kritik von Nahverkehrsbetrieben
Die Nahverkehrsbetriebe werden vom Kommunalen Arbeitgeberverband Baden-Württemberg (KAV) vertreten. Dessen Hauptgeschäftsführerin Sylvana Donath hatte die Forderungen als maßlos und nicht finanzierbar kritisiert. Zuletzt warf sie Verdi einen verantwortungslosen Umgang mit dem Streikrecht vor.
Die Tarifverhandlungen begannen Ende Januar. Für Aufsehen während der dritten Runde in der vergangenen Woche sorgte ein zeitweiser Abbruch der Gespräche durch Verdi. Auslöser war nach Gewerkschaftsangaben, dass die Arbeitgeber ein schriftliches Angebot noch während der Verhandlungen an Presse und Belegschaft gegeben haben sollen. Verdi machte daraufhin ein neues Angebot zur Bedingung für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Der KAV zeigte sich irritiert von den Vorwürfen.
(Mit Material der dpa)

