Stiftung Warentest warnt Eltern: Vorsicht vor Deko- und Spielsand! Ein Drittel ist mit Asbest verseucht

Diese Sandprodukte für die Verwendung in Innenräumen enthalten laut Stiftung Warentest Asbest.
Stiftung Warentest- Stiftung Warentest fand Asbest in 6 von 18 Deko- und Spielsanden für Innenräume.
- Betroffen: u. a. Heku (dunkelblau), Eurosand (pink), idee, Sentosphère, Moses, Pei You Toy.
- Höchste Belastung bei Heku: Tremolit 1–5 %, Chrysotil 0–5 % je nach Probe.
- Empfehlung: sofort sichern, nicht nutzen; geöffneten Sand anfeuchten, doppelt als Sondermüll entsorgen.
- Anbieter nahmen Produkte aus dem Handel; laufende Tests und Rückrufe auf test.de/asbestsand.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wegen Asbestbelastung wurden und werden ganze Häuserkomplexe abgerissen. Aber nicht nur in alten Isolierungen oder Bodenbelägen findet sich das verbotene Material. Stiftung Warentest hat es nun in sechs Deko- und Spielsand-Produkten gefunden.
Die Verbraucherschützer hatten 18 bunte Spiel- und Bastelsande untersucht, ein Drittel davon war betroffen. Laut Stiftung Warentest „alles Produkte, die in kleinen Verpackungseinheiten zum Gebrauch in Innenräumen verkauft werden, zum Beispiel als Spielsand für Kinder oder als Dekosand, etwa zum Befüllen von Glasflaschen, Bekleben von Bildern oder als Füllung in dehnbaren Actionfiguren“. In sechs der getesteten Produkte fanden die Labore Asbest, eine Mineralfaser, die beim Einatmen Krebs erzeugen kann.
Welche Produkte sind betroffen?
- Dekosand dunkelblau von Heku
- Deco Farbsand pink der Eurosand GmbH
- Deko-Sand von idee Creativmarkt
- SabLimage Sandbilder Mini Tiere von Sentosphère
- Magischer Space Sand lila von Moses Verlag GmbH
- Pei You Toy Sand Painting
Die Produkte von Heku und Pei You Toy stammen aus China, der Sand von Eurosand laut Anbieter aus Deutschland und Italien. Die anderen drei Anbieter machen dazu keine Angaben.
Das Produkt von Heku ist am stärksten betroffen. Der Sand enthielt laut der Prüfer zwei Asbestarten: Tremolit mit etwa 1 bis 5 Prozent und Chrysotil mit sehr unterschiedlichem Massenanteil. Während es in einer Probe nicht nachweisbar war, betrug der Anteil in einer anderen Probe etwa 1 bis 5 Prozent. Bei den anderen fünf Produkten fand die Stiftung Warentest das Asbestmineral Tremolit mit einem Massenanteil von jeweils unter 1 Prozent.
Was bedeuten die gefundenen Massenanteile?
Die Verbraucherschützer rechnen das in einem Beispiel vor: Ein Massenanteil von 5 Prozent heiße, dass in 100 Gramm Sand rund 5 Gramm Asbest stecken – eine Menge, die viele Millionen einzelner Asbestfasern enthalten kann. „Selbst der auf den ersten Blick gering wirkende Anteil von unter 1 Prozent entspricht bei einer handelsüblichen Packung noch immer Millionen Fasern.“
Wie groß ist das Risiko durch Asbest?
Asbest ist seit Jahrzehnten in der EU verboten und gilt als krebserzeugend. Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ist Asbest eine verbreitete Ursache für Berufskrankheiten: Im Jahr 2023 wurden knapp 4500 Anzeigen auf Verdacht von Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs infolge einer übermäßigen Belastung durch Asbest gestellt. Damit ist Asbest der häufigste Grund für berufsbedingte Atemwegserkrankungen. Die eingeatmeten Fasern können laut dem Umweltbundesamt langfristig in der Lunge verbleiben und das Gewebe reizen. Die Asbestose, das heißt, die Lungenverhärtung durch dabei entstehendes Narbengewebe, wurde bereits 1936 als Berufskrankheit anerkannt.
Einen Schwellenwert, unterhalb dessen Asbest als unbedenklich gilt, gibt es laut Stiftung Warentest nicht. „Wie groß das Risiko im Einzelfall ist, hängt davon ab, wie viele Fasern über welchen Zeitraum eingeatmet werden – und davon, wie viele Fasern ein Produkt überhaupt freisetzt“, erklären die Experten. Trockene Sande seien dabei problematischer als feuchte: „Die Fasern gelangen leichter mit dem Staub in die Luft, wenn der Sand ausgeschüttet oder durchgewühlt wird“. Nach Einschätzung von Experten kann dann auch bei kleinen Sandmengen schnell der Richtwert für Innenraumluft von 500 Fasern pro Kubikmeter überschritten werden.
Was sollten Eltern jetzt tun?
„Wer einen der betroffenen Sande zu Hause hat, sollte ihn sofort sicher verschließen und nicht mehr anfassen“, sagt Reiner Metzger von der Stiftung Warentest. „Das Hantieren mit solchen Sanden im losen, trockenen Zustand setzt viele Asbestfasern frei. Also auf Nummer sicher gehen – noch dazu, wenn es sich um Produkte für Kinder handelt.“
Wer die Verpackung bereits geöffnet hat, sollte mit FFP2-Maske und Handschuhen arbeiten: „Den Sand leicht anfeuchten, damit er nicht staubt, dann doppelt eingetütet als Sondermüll entsorgen.“ Oberflächen feucht abwischen, keinesfalls staubsaugen. Auch die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt: „Wenn asbestbelastete Sandspielprodukte schon geöffnet und in Innenräumen verwendet wurden, sollten Reinigungsmaßnahmen ergriffen werden, bei denen kein Staub aufgewirbelt und eingeatmet wird.“
Gibt es noch weitere Erkenntnisse?
Laut der Verbraucherzentrale wurde auch in Australien und Neuseeland, aber auch in den Niederlanden und Belgien in zahlreichen Produkten Asbest nachgewiesen. Sie rät vorsorglich grundsätzlich davon ab, solche Sandspiel-Produkte für den Innenbereich zu verwenden, bis sicher geklärt ist, ob diese Asbest enthalten oder nicht. Normaler Spielsand für Sandkästen im Freien sei nicht betroffen.
Viele Produkte zurückgerufen
Stiftung Warentest hat die Anbieter der betroffenen Produkte informiert – alle haben reagiert und ihre Produkte aus dem Handel genommen. Ähnliche Funde aus Australien, Neuseeland und den Niederlanden hatten bereits vorab eine internationale Rückrufwelle ausgelöst, die auch in Deutschland verkaufte Produkte betrifft. Stiftung Warentest prüft laufend weitere Produkte und aktualisiert ihre Untersuchungen fortlaufend. Neue Ergebnisse und Hinweise zur sicheren Entsorgung finden sich unter www.test.de/asbestsand, eine aktuelle Übersicht aller Rückrufe unter www.test.de/asbest-rückruf.


