Standort wird modernisiert: Liebherr investiert dreistelligen Millionenbetrag

Die Turmdrehkrane von Liebherr kommen weltweit zum Einsatz. Aktuell im Rampenlicht stand das Liebherr-Produkt, als es in Barcelona das erste Kreuzelement der Gundelfinger Firma Josef Gartner in 162,91 Meter Höhe auf die Spitze des Turms Jesu Christiauf hievte – und damit die Sagrada Família das Ulmer Münster als Kirche mit dem höchsten Kirchturm ablöste.
Emilio Morenatti/AP/dpa- Liebherr investiert bis 2034 einen dreistelligen Millionenbetrag in die Modernisierung des Standorts Biberach.
- Ziel ist eine automatisierte Produktion für 500 Obendreherkrane, 200 Mobilbaukrane und 3000 Turmstücke jährlich.
- Der Umbau erfolgt in fünf Phasen, Mitarbeiter werden durch Qualifizierungsangebote unterstützt.
- Internationale Standorte wie Pamplona und Pune werden in die Produktion strategisch eingebunden.
- Liebherr produziert seit 1954 Krane in Biberach und erzielte 2022 einen Rekordumsatz von 14,6 Mrd. Euro.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In den vergangenen Monaten gehört der Standort Biberach zu den Sorgenkindern der Liebherr-Gruppe. Angesichts der Wirtschaftsflaute und der Krise am Bau stockte das Neugeschäft. Biberach gehörte zu den Liebherr-Standorten mit Kurzarbeit. Der Umsatz der Liebherr-Werk Biberach GmbH, einer der weltweit führenden Hersteller von Turmdreh- und Mobilbaukranen, die rund 1300 Menschen beschäftigt, sackte im vergangenen Jahr um 38 Prozent auf 315 Millionen Euro ab.
Nun vermeldet die Liebherr-Gruppe, die ihren Firmensitz im schweizerischen Bulle hat, dass sie bis zum Jahr 2034 einen dreistelligen Millionenbetrag in die umfassende Modernisierung ihres Standorts in Biberach an der Riß steckt. In der ersten Phase fließe eine zweistellige Millionensumme in den Um- und Neubau der Produktion. Damit bekenne sich Liebherr klar zum Standort und zu seinen hoch qualifizierten Mitarbeitenden in der Region.
„Das wird eine der modernsten Kranfabriken der Welt“
„Wir bauen hier in Biberach eine der modernsten Kranfabriken der Welt“, sagt Werner Seifried, Geschäftsführer für Technik und Produktion des Liebherr-Produktsegments Turmdrehkrane. „Der Markt verändert sich, der Wettbewerb wächst, und die Anforderungen unserer Kundinnen und Kunden steigen. Wir reagieren darauf mit Innovation und einem klaren Ziel: Liebherr Tower Cranes soll nachhaltiger Marktführer für modernste Hebelösungen werden – gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden und Partnern, die unsere größte Stärke sind“, wird Seifried in einer Pressemitteilung zitiert.

Blick auf den derzeitigen Liebherr-Turmdrehkran Standort an der Memminger Straße in Biberach (Riß).
LiebherrZiel ist nach seinen Worten eine hochautomatisierte Fertigung für rund 500 Obendreherkrane, über 200 Mobilbaukrane und 3000 Turmstücke pro Jahr. Die neuen Produktionsstrukturen sind so ausgelegt, dass Liebherr flexibel und effizient auf Veränderungen im Markt reagieren kann – und dabei die Auslastung der Werke langfristig sichert. Möglich wird das durch eine modular aufgebaute Fertigung, die auf die nächste Generation von Produkten ausgerichtet ist und Entwicklung, Produktion und Qualität künftig noch enger verzahnt. „Wir entwickeln einen neuen, zukunftsfähigen Standort – und das mitten im laufenden Betrieb“, sagt Seifried.
Kein Stellenabbau-Programm geplant
Der Umbau in Biberach erfolge in fünf Phasen. Um die Belegschaft beim Wandel zu begleiten, werde Liebherr gezielte Qualifizierungsangebote für Mitarbeitende anbieten und unterstreiche damit, dass die Investitionen nicht nur Maschinen und Infrastruktur gelten, sondern auch den Menschen, die für das Unternehmen tätig sind.
Die Geschäftsführung hatte die Mitarbeitenden zu Beginn der Woche über die Pläne informiert. Dabei gab auch der Geschäftsführer des baden-württembergischen Maschinenbauverbandes, Dietrich Birk, Einschätzungen zur Entwicklung der Branche. Ein großes Thema für den gesamten Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg: In den nächsten fünf bis zehn Jahren geht ein Viertel der Fachkräfte in Rente. Wie ein Liebherr-Sprecher sagte, sei mit den Investitionsplänen kein Stellenabbau-Programm verbunden. „Wir modernisieren die Fertigung und brauchen auch künftig hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagte er auf Anfrage.
Neues Zentrum für Vermietung und Reparatur
Auch die bestehenden, internationalen Liebherr-Turmdrehkran-Standorte werden strategisch eingebunden: Pamplona (Spanien) wird sich künftig auf die Produktion von Untendreherkranen konzentrieren, Pune (Indien) auf Obendreherkrane für preissensible Märkte. Liebherr trage Verantwortung gegenüber all seinen Standorten weltweit. Dazu gehöre auch, Fertigungskapazitäten so zu verteilen, dass sie optimal zusammenwirken und regionale Stärken bestmöglich genutzt werden.
Das Tower Crane Center wird von Bad Waldsee auf das Liebherr-Gelände in Bad Schussenried ziehen, wo unter anderem ein neues Zentrum für Vermietung und Reparatur, sowie ein Versuchsbereich entstehen wird. Die frei werdenden Flächen in Bad Waldsee dienen während der Umbauphase als Logistikstützpunkt.
Kran-Produktion seit 1954 in Biberach
Seit 1954 produziert Liebherr Krane in Biberach – das Produkt, mit dem Unternehmensgründer Hans Liebherr 1949 den Grundstein für die heutige Firmengruppe mit mehr als 150 Gesellschaften legte. Seither wurde der Standort den Angaben des Unternehmens zufolge weiterentwickelt, zuletzt durch ein neues Vertriebs- und Verwaltungsgebäude mit Betriebsrestaurant. Nun sollen die Produktionsstrukturen in der Memminger Straße in Biberach grundlegend modernisiert werden.
Der familiengeführte Mischkonzern Liebherr mit seinen 13 Produktbereichen hat im vergangenen Jahr den Umsatz um 4,1 Prozent auf den Rekordwert von 14,6 Milliarden Euro gesteigert. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 54.728 Frauen und Männer, davon rund 19.000 an den süddeutschen Standorten Ulm, Ehingen, Biberach, Ochsenhausen, Kirchdorf/Iller, Kempten, Lindenberg und Lindau.
