Spielemesse in Köln
: Diesmal ohne Nintendo: Was die Gamescom 2024 zu bieten hat

Das weltweit größte Gaming-Event verkündet zwar einen Ausstellerrekord, ihm fehlen aber manche große Hersteller. Ein Überblick, was geboten ist.
Von
Lea Irion
Köln
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Auf der Gamescom treffen sich jedes Jahr Abertausende von begeisterten Zockern. So auch vergangene Woche.

22.08.2018, Nordrhein-Westfalen, Köln: An einem Stand von EA Sports auf der Gamescom sind Stationen bereitgestellt, um das Videospiel Fifa 19 auszuprobieren. Zum zehnten Mal findet die Computer Spielemesse in Köln statt. Foto: Christophe Gateau/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Auf der Gamescom treffen sich jedes Jahr Tausende von begeisterten Gamerinnen und Gamer.

dpa

Wenn in wenigen Tagen die Tore der Kölnmesse öffnen und Hunderttausende Gamerinnen und Gamer in die nordrhein-westfälische Stadt reisen, ist es wieder so weit: Die Gamescom startet. Seit 2009 hat sich die Messe zum größten Gaming-Event der Welt entwickelt. Erst kürzlich verkündeten die Veranstalter einen Rekord: Mehr als 1400 Aussteller aus 64 Ländern werden auf 230.000 Quadratmetern ihre Produkte und Neuheiten präsentieren. Das sind rund 15 Prozent mehr Aussteller als noch im Jahr davor – und doch fehlen der Gamescom in diesem Jahr einige Big Player.

Schon 2023 blieben der Messe Hersteller wie etwa Sony Interactive fern, vor wenigen Monaten hatte auch Nintendo seine Teilnahme für die diesjährige Gamescom abgesagt. Damit geht der Messe ein weiterer Publikumsmagnet verloren, denn der Stand des japanischen Herstellers war nicht nur aufgrund des Spielangebots stark frequentiert, sondern auch wegen seines bunten Bühnenprogramms.

Große Stände kosten die Unternehmen Millionen

Sony Interactive nennt als Absagegrund lediglich, dass das Unternehmen derzeit „keine Pläne“ verfolge, auf der Gamescom 2024 auszustellen. Nintendo erklärt auf Anfrage, dass die Gamescom zwar ein zentrales Event im Veranstaltungskalender sei. „In diesem Jahr haben wir uns nach sorgfältiger Abwägung jedoch gegen eine Teilnahme in Köln entschieden“, sagt ein Sprecher. Man nehme stattdessen an anderen Events innerhalb Deutschlands teil.

Auf einer Messe auszustellen, kostet Spielehersteller viel Geld. Insbesondere durch Corona haben die Unternehmen stattdessen digitale Events für sich entdeckt: Große Spiele oder neue Konsolen werden heutzutage in eigens vorbereiteten Streams vorgestellt und bekanntgemacht. Das funktioniert offenbar so gut, dass es für die Big Player der Branche nicht mehr nötig ist, jedes Jahr Millionen für einen Stand auf der Gamescom auszugeben.

Zwar ist Super Mario überall auf der Gamescom, wie hier am Lego-Stand, vertreten. Den neusten Titel aus der Spielreihe sucht man aber vergebens.

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Das Unternehmen Lego wird dieses Jahr erneut auf der Gamescom vertreten sein.

Lea Irion

Gleichzeitig bietet es Chancen für diejenigen, die sich erst noch einen solchen Namen verschaffen müssen. Christoph Minnameier ist einer von ihnen: Er gilt in der Szene als Indie-Entwickler, ist also losgelöst von den großen Studios und macht sein eigenes Ding. 2022 erschien sein Spiel „Dungeons of Dreadrock“. Es spielt in einer nordischen Fantasiewelt, in der der Spieler in die Rolle einer jungen Frau schlüpft, die ihren Bruder aus dem namensgebenden Höhlensystem „Dungeons of Dreadrock“ rettet.

Minnameier landete damit einen Volltreffer: Das Spiel zählt bis dato drei Millionen Downloads. Auf der diesjährigen Gamescom will er die zweite Episode von „Dungeons of Dreadrock“ auf der Nintendo Switch präsentieren. „Die ‚Indie Arena Booth‘ findet weltweit Beachtung und bietet eine einmalige Möglichkeit, mit Journalisten ins Gespräch zu kommen“, erläutert der Entwickler. Die „Indie Arena Booth“ ist ein eigener Bereich auf der Gamescom, in dem ausschließlich die Werke von unabhängigen Entwicklerinnen und Entwicklern gezeigt werden.

Deutsche Unternehmen haben es auf dem Markt schwer

„Gerade als Indie ist es aber sehr schwer, alles von Aufbereitung über Standbetreuung und Orga bis zu den Kosten zu stemmen“, führt Minnameier aus. Ohne die Unterstützung von „Games Bavaria“ und des Staatsministeriums für Digitales hätte er es gar nicht auf die Gamescom geschafft.

Es zeigt außerdem auf, dass es der Gaming-Standort Deutschland innerhalb der Branche schwer hat: „Aktuell ist es für deutsche Games-Unternehmen herausfordernd, sich auf dem internationalen und hart umkämpften Games-Markt zu behaupten“, sagt Felix Falk, Geschäftsführer von „Game“, dem Verband der deutschen Games-Branche. Der Verband ist zugleich Mitveranstalter und ideeller Träger der Gamescom.

Einerseits erlebten die internationalen Games-Märkte nach dem starken Vorjahr aktuell eine kleine Wachstumsdelle. „Das sehen wir auch in Deutschland, wo der Umsatz mit Games, Spiele-Hardware und Gaming-Online-Services im ersten Halbjahr um rund 6 Prozent zurückgeht“, sagt Falk. Andererseits sei das internationale Investitionsklima erkaltet: In den vergangenen Monaten seien weltweit Stellen abgebaut worden, manche Studios mussten sogar ganz schließen.

Videospiele verbinden laut Verband drei Milliarden Menschen

„In Deutschland kommt erschwerend hinzu, dass seit Mai 2023 ein Antragstopp bei der Games-Förderung herrscht“, führt der „Game“-Geschäftsführer aus. Damit es hier eine Kehrtwende gibt, fordert der Verband ein klares Signal aus der Politik. „Erfolgreiche Standorte wie Kanada oder Großbritannien machen uns vor, wie es geht: Die Kombination aus einem Games-Fonds für kleinere Spiele-Projekte zusammen mit einer steuerlichen Förderung haben sich längst als erfolgreiche Strategie etabliert“, nennt Falk als Beispiel für eine gelungene staatliche Förderung.

Trotz allem will man sich auf der Gamescom 2024 auf das Positive fokussieren. Die diesjährige Ausgabe der Spielemesse findet unter dem Leitthema „Die größte Gemeinschaft der Welt“ statt. „Denn Games sind das sozialste Medium unserer Zeit“, erläutert Felix Falk die Entscheidung. Sei es das gemeinsame Spielen oder der Austausch darüber: Weltweit verbinden Computer- und Videospiele laut Game-Verband über drei Milliarden Menschen, Tendenz steigend. Deswegen, so Falk, seien Videospiele auch „das beste Mittel gegen Einsamkeit“.

Eckdaten zur Gamescom

2023 zählten die Veranstalter der Gamescom 320.000 Besucherinnen und Besucher. Damit war man zwar weit vom Rekord aus dem Jahr 2019 entfernt, in dem man 373.000 gezählt hatte. Im Jahr 2009, als die Messe erstmals unter dem Namen Gamescom in Köln firmierte, waren es noch 245.000 Besucher.

Die Ausstellungsfläche wuchs seither von 120.000 Quadratmetern auf nun 230.000 Quadratmeter innerhalb der Kölnmesse an. Laut Game-Geschäftsführer Felix Falk sind für manche Tage der Messe bereits alle Tickets vergriffen. Die Gamescom findet vom Mittwoch, 21. August, bis Sonntag, 25. August, statt. Ein Tagesticket kostete dieses Jahr 29,50 Euro.

Auch politisch will sich die Gamescom positionieren. Ein weiterer Trend ist in diesem Jahr deshalb „Spiele schützen die Demokratie“. „Rund um den Globus stehen Demokratien unter Druck und immer mehr gesellschaftliche Institutionen setzen auf Games, um demokratische Werte zu transportieren und sie zu verteidigen“, erklärt Falk. Hierzu gehören beispielsweise die Bundeszentrale für politische Bildung, der Verfassungsschutz, das Auswärtige Amt oder unterschiedlichste Gedenkstätten.

In Sachen Besucherzahlen erhofft man sich – trotz mancher fehlender Großunternehmen – solide Ticketverkäufe für 2024. Denn noch im Vorjahr zählten die Veranstalter rund 320.000 Besucherinnen und Besucher. Damit gab man sich nach außen zufrieden, doch die Zahlen reichten nicht annähernd an den Vor-Corona-Rekord heran: 373.000 Besucherinnen und Besucher waren es anno 2019.

Game-Geschäftsführer Felix Falk gibt sich dennoch optimistisch: „Für die Gamescom 2024 stehen die Vorzeichen auf Erfolg.“ Noch nie sei man so international gewesen und auch die Zahl der Aussteller sei bereits ein Rekord. Nicht zuletzt die Jahre während der Corona-Pandemie hätten dabei allerdings gezeigt, dass die genaue Anzahl der Gäste vor Ort nicht so entscheidend sei. „Für uns stehen die Aufenthaltsqualität auf dem Messegelände und die stark wachsende internationale, digitale Reichweite viel stärker im Fokus.“