Sparkurs
: Bahn will 30.000 Stellen streichen

Da kommen die Züge schon viel zu spät und nun auch noch das: Weil hohe Verluste in den Büchern stehen, will die Deutsche Bahn deutlich Personal einsparen.
Von
dpa
Berlin
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Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn verzeichnet erneut einen Milliardenverlust.

Christoph Soeder/dpa

Die Deutsche Bahn muss nach einem erneuten Milliardenverlust sparen und will deshalb vor allem in der Verwaltung Tausende Stellen streichen. „Wir wollen in den nächsten fünf Jahren den Personalbedarf um etwa 30.000 Vollzeitpersonale reduzieren“, sagte Finanzchef Levin Holle bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz.

„Die Gesamtzahl an Personalbedarfssenkung entspricht in etwa der natürlichen Fluktuation von zwei Jahren“, hieß es. Bereits in diesem Jahr sollen demnach 1500 Arbeitsplätze in der Verwaltung wegfallen. „Wir müssen in Zukunft mehr Bahn mit weniger Menschen schaffen“, betonte Holle. Besonders durch Digitalisierung und Automatisierung sollen etwa administrative Prozesse künftig von weniger Beschäftigten ausgeführt werden können.

Streiks, Extremwetter, Baustellen, miese Pünktlichkeit – die Probleme der Deutschen Bahn haben sich im ersten Halbjahr auch in der Zahl der Reisenden widergespiegelt. Im Fernverkehr verzeichnete der bundeseigene Konzern ein Minus an Fahrgästen von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie aus der Halbjahresbilanz hervorgeht. Die Pünktlichkeit im Fernverkehr lag im ersten Halbjahr bei nur noch 62,7 Prozent – rund sieben Prozentpunkte weniger als im ersten Halbjahr 2023. Auch finanziell lief das erste Halbjahr für den bundeseigenen Konzern nicht gut: Nach Zinsen und Ertragssteuern steht ein Verlust von 1,2 Milliarden Euro.

Infrastruktur bremst Züge aus

Spekulationen über eine Ausdünnung des Fernverkehrs erteilte Lutz eine Absage. „Es gibt weder konkrete noch andere Pläne, im Fernverkehr irgendwelche Verbindungen strukturell und nachhaltig auszudünnen“, sagte er. Für das kommende Jahr habe der Konzern „alles angemeldet, was wir gerade auch fahren“. Lutz sagte aber, dass derzeit aufgrund des hohen Baugeschehens der Verkehr an einigen Stellen reduziert worden sei.

Das kaputte Schienennetz ist wohl das größte Problem der Bahn. Die Infrastruktur sei „einfach zu alt, zu knapp, zu störanfällig“, sagte Lutz. „Wir müssen die Infrastruktur wieder so herrichten, dass sie auf Wachstum und Verkehrsverlagerung ausgerichtet ist.“

Viel Hoffnung steckt der Konzern in das Konzept der Generalsanierungen: Während einer monatelangen Vollsperrung soll dabei eine Strecke grundlegend modernisiert werden. Seit eineinhalb Wochen läuft auf der Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim die erste von 41 Generalsanierungen. Bis diese Großbaustellen Wirkung zeigen, wird es aber noch dauern: Die 41 Bauvorhaben sollen 2031 abgeschlossen sein.

Zu zusätzlichen Baumaßnahmen wird absehbar das Klima führen. Lutz sprach für das erste Halbjahr von einer „nicht gekannten Häufung von Extremwettereignissen“, die den Bahnverkehr beeinträchtigt hätten. „Wir werden uns darauf einstellen und bauliche Vorkehrungen treffen müssen, um die Folgen abzufedern“, sagte Lutz.

Pünktlichkeitsquote sinkt

Die marode Infrastruktur und die Unwetterfolgen belasteten die Pünktlichkeit der Bahn deutlich. „An Tagen mit Extremwetter haben wir bis zu 26 Prozentpunkte bei der Pünktlichkeit verloren“, sagte Lutz. Besonders schwierig war die Lage dem Konzern zufolge im Juni. In gleich mehreren Regionen kam es zu Überflutungen, Dammschäden und Hangrutschen, die sich auch auf den Bahnverkehr auswirkten. Fast jeder zweite Zug war verspätet, hatte also eine Verzögerung von mindestens sechs Minuten. Die Pünktlichkeitsquote im Juni lag bei 52,9 Prozent. Ausgerechnet in diesem Monat begann dann auch noch die Fußball-Europameisterschaft.

In der zweiten Jahreshälfte soll es nun etwas besser werden. Konkret sollen bis zum Jahresende insgesamt zwischen 63 und 67 Prozent der Fernzüge ohne größere Verzögerungen unterwegs gewesen sein. Dafür muss sich die Zuverlässigkeit in den kommenden Monaten deutlich verbessern.