Sozialabgaben von 50 Prozent: Schlechte Aussichten – immer weniger Geld zur Verfügung

Die Wirtschaft hat es derzeit schwer. Ein Mitarbeiter des Motorsägenherstellers Stihl fertigt in einem Werk Akkus.
Bernd Weißbrod/dpa- Wirtschaftsweise erwarten bis 2040 fast 50 Prozent Sozialbeiträge – netto sinkt, Kosten steigen.
- GKV und Pflege gelten als reformbedürftig, Prävention soll gestärkt werden.
- Vorschläge: weniger Krankenhaus- und Arzneimittelausgaben, Änderungen bei Pflegeleistungen.
- BIP wächst dieses Jahr laut Gutachten um 0,5 Prozent, getrieben durch Staatsausgaben.
- Inflation wird auf drei Prozent geschätzt, Energiepreise dämpfen Industrie und Investitionen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Arbeitnehmer und Unternehmen werden 2040 voraussichtlich gemeinsam fast 50 Prozent für Sozialversicherungen ausgeben. Zu dieser Prognose kommt der Sachverständigenrat Wirtschaft in seinem am Mittwoch vorgestellten Frühjahrsgutachten. Die Folge seien weniger Netto vom Bruttolohn und höhere Arbeitskosten für Unternehmer. „Um die Beitragssätze zu dämpfen, ist es entscheidend, den absehbaren Anstieg der Ausgaben in den Sozialversicherungen zu begrenzen, ohne ihre Schutzfunktion aufzugeben“, sagte der Wirtschaftsweise Martin Werding.
Die Sozialversicherungen bestehen aus Arbeitslosen-, Unfall-, Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Aufgrund der demografischen Entwicklung, also der Überalterung der deutschen Bevölkerung, werden in allen Versicherungen Anstiege erwartet. Der Sachverständigenrat rechnet mit einem Anstieg des Gesamtsozialversicherungsbeitrags auf 45,4 Prozent im Jahr 2030 und 49,7 Prozent bis zum Jahr 2040. Jüngere Geburtenjahrgänge müssten demnach immer mehr Sozialabgaben zahlen und seien im Generationenvergleich besonders belastet.
Die Sachverständigen dringen daher auf umfassende Reformen. So müssten die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung erheblich gesenkt werden. Entscheidende Stellschrauben seien die Krankenhausversorgung und die Kosten für Arzneimittel. Auch müsste die Gesundheitsprävention gestärkt werden. Gleichermaßen reformbedürftig sei die Pflegeversicherung. Hier brauche es angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung ein ganzes Bündel an Maßnahmen.
Bündel an Maßnahmen nötig
Zunächst müssten die Pflegeeinstufungen begrenzt werden. Der Leistungszuschlag bei stationärer Pflege und der Entlastungsbetrag, der pflegenden Angehörigen bei häuslicher Pflege zugute kommen soll, sollten abgeschafft und die Kapitaldeckung in der Pflege neu ausgerichtet werden. Während Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) einen Entwurf für die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung bereits vorgelegt hat, die im Kabinett beschlossen wurde, steht die Reform der Pflege noch aus.
Der Iran-Krieg bremst die ohnehin schwache wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland aus: Die Wirtschaftsweisen rechnen nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent in diesem Jahr. Das ist deutlich weniger als noch im Jahresgutachten vom November – damals hatten die Wirtschaftsweisen für 2026 einen BIP-Anstieg von 0,9 Prozent erwartet.
„Der Iran-Krieg und der dadurch ausgelöste starke Anstieg der Rohöl- und Gaspreise sowie die US-Handelspolitik belasten die konjunkturelle Entwicklung“, erklärte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seinem Frühjahrsgutachten. Dass die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr dennoch steige, sei insbesondere auf die staatlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur zurückzuführen.
Inflation steigt
Höher als zuvor erwartet fällt dem neuen Gutachten zufolge hingegen die Inflation aus: Die Teuerung der Verbraucherpreise werde in diesem Jahr voraussichtlich drei Prozent erreichen, erklärte der Sachverständigenrat – das wären 0,9 Prozentpunkte mehr als noch im Herbst 2025 prognostiziert. Die hohen Energiekosten belasten demnach auch die Unternehmen, „was die ohnehin rückläufige Industrieproduktion weiter verringert und die private Investitionstätigkeit hemmt“.
„Der absehbare Anstieg der Ausgaben in den Sozialversicherungen sollte verlangsamt werden“, erklärte die Sachverständigenratsvorsitzende Monika Schnitzer. Gleichzeitig gelte es, „die Einnahmenbasis und das Leistungsniveau der Sozialversicherungen zu stabilisieren“. Nötig ist nach Auffassung der Wirtschaftsweisen unter anderem, den Ausgabenanstieg „vor allem in der Krankenhausversorgung und für Arzneimittel“ zu dämpfen. Gleichzeitig solle die Gesundheitsprävention gestärkt und die Pflegeversicherung müsse „generationengerecht“ finanziert werden.
