Solarenergie speichern
: Lohnt sich der gefragte Batteriespeicher im Keller?

Wer eine Solaranlage auf dem Dach hat, hat immer häufiger auch einen Batteriespeicher im Keller. Worauf es dabei ankommt.
Von
Julia Kling,
dpa STATISTISCH
Düsseldorf, Ulm
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Montage einer Photovoltaikanlage: ILLUSTRATION - Wer die Installation einer Photovoltaik-Anlage plant, sollte sich von einem Fachbetrieb beraten lassen. (zu dpa: «Installation der Photovoltaik-Anlage planen - so geht's») Foto: Florian Schuh/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Wer sich für eine Solaranlage entscheidet, lässt sich immer häufiger auch einen Batteriespeicher in den Keller bauen.

Florian Schuh/dpa-tmn/dpa
  • Photovoltaikanlagen boomen: 580.000 neue Anlagen 2023, fast die Hälfte mit Batteriespeichern.
  • Batteriespeicher steigern Eigenverbrauch und Autarkie, sagt Verbraucherzentrale.
  • E-Mobilität und gesunkene Preise treiben Nachfrage nach Batteriespeichern.
  • Speicher sollten nicht zu groß gewählt werden, Lebensdauer 10-15 Jahre.
  • 75% Preisrückgang bei Speichern in den letzten 10 Jahren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Immer häufiger landet der auf Dächern generierte Solarstrom in Deutschland in Batteriespeichern im hauseigenen Keller – um dann zu einem späteren Zeitpunkt genutzt zu werden. Allein im vergangenen Jahr schätzt der Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW) ein Plus von 580.000 neuen Photovoltaikanlagen mit Solarstromspeichern. Zum Vergleich: im Jahr 2022 lag die Zahl laut BSW noch bei 213.000, 2013 bei 5000 Stück. Verbraucherschützer begrüßen das: „Der größte Vorteil eines Speichersystems: Sie können Ihren Eigenverbrauch und Autarkiegrad steigern“, heißt es bei der Verbraucherzentrale.

Auch finanziell lohne sich ein Batteriespeicher für Privathaushalte oft: „Durch die deutlich gesunkenen Preise ist so ein Speicher durchaus interessant“, sagt Energieexperte Thomas Zwingmann von der Verbraucherzentrale NRW. Rund 1,8 Millionen Heimspeicher waren Ende 2024 laut des Verbands bereits in Betrieb. Damit ist bei fast der Hälfte aller rund 3,8 Millionen Photovoltaikanlagen im sogenannten Heimsegment ein Batteriespeicher installiert.

E-Mobilität macht Speicher interessant

Der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES), der unter anderem Speicherhersteller vertritt, sieht mehrere Gründe für die starke Nachfrage. Neben der Nutzung günstig erzeugter Energie und der Optimierung der eigenen Energieversorgung sei die E-Mobilität ein besonderer Treiber. „Günstiger als mit Solarstrom vom eigenen Dach kann ein E-Auto nicht geladen werden“, sagt die BVES-Fachbereichsleiterin für Märkte und Technologien, Beatrice Schulz. In Verbindung mit einem Speicher sei das Laden dann sogar nachts möglich.

Bei der Kaufentscheidung sollten Verbraucher darauf achten, dass der heimische Speicher nicht zu groß ausfällt, betont Zwingmann. Es könne sonst sein, dass die Photovoltaikanlage den Speicher über weite Strecken nicht voll bekomme. „Das heißt, ich habe eine Kapazität im Keller stehen, die ich nicht nutzen kann.“ Zudem altere die Batterie eines Speichers, der oft zwischen halb voll und voll schwankt, schneller. Allerdings sei es möglich, den Speicher so anzuschließen, dass er auch Strom aus dem Netz beziehen könne. Bei der Nutzung von dynamischen Stromtarifen könne man dann Strom preiswert einkaufen und speichern. „Und ihn dann nutzen, wenn die Strompreise hoch sind“, sagt der Energieexperte. Die Verbraucherzentrale empfiehlt als Richtwert für die Speichergröße etwa 1 Kilowattstunde Batteriekapazität pro 1000 Kilowattstunden Jahresstromverbrauch. Laut BVES speichern die meisten Geräte zwischen 5 und 15 Kilowattstunden.

Zu beachten ist den Verbraucherschützern zufolge bei der Anschaffung auch die geringere Lebensdauer der Speicher im Vergleich zu den PV-Anlagen. „Während Solarmodule länger als 20 bis 30 Jahre sehr gute Leistung bringen können, haben Batteriespeicher eine erwartete Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren.“ Grund seien chemische Prozesse in den Batteriezellen, die zu einer Alterung des Materials und damit einhergehend zu einer sinkenden Speicherkapazität führen.

Für Lithiumbatterien etwa seien hohe oder sehr niedrige Umgebungstemperaturen und ein lang anhaltender hoher Ladezustand ungünstig. Deshalb seien die Batterien in einem trockenen Kellerraum am besten aufgehoben und sollten nur kurze Zeit vollgeladen sein. „Ideal ist, wenn die Batterie an einem sonnigen Tag bis zum Nachmittag volllädt, damit anschließend die Entladung durch den Stromverbrauch des Abends beginnt. Bis zum folgenden Morgen sollte die Batterie wieder größtenteils entladen sein“, so der Rat der Experten.

Verband: Speicherpreise sind um 75 Prozent gesunken

„Sinkende Preise und weitere Geschäftsmodelle für den Haushaltsspeicher sowie die Integration zusätzlicher Anwendungen lassen weiteres Wachstum bei der durchschnittlichen Speichergröße erwarten“, sagt Schulz. Auch der BSW sieht den Hauptgrund für die hohe Speichernachfrage in den gesunkenen Kosten. „In den letzten zehn Jahren sind die Preise für schlüsselfertig installierte Solarstromspeicher um 75 Prozent gesunken“, sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. 80 bis 90 Prozent aller neuen Solarstromanlagen hätten einen Batteriespeicher. „Kaum noch eine Solaranlage wird ohne Speicher installiert.“

Der Verband betont die Vorteile von Batteriespeichern: Könne man ohne Speicher nur etwa 20 Prozent des erzeugten Sonnenstroms unmittelbar selbst nutzen, könnten es mit einem Speicher bis zu 80 Prozent sein, sagt Körnig. Hinzu komme: „Ein intelligenter Speicherbetrieb spart nicht nur Stromkosten für die Betreiber, sondern entlastet auch die Netze und reduziert die Kosten der Energiewende.“

Der Energiespeicher-Branchenverband rechnet mit weiter starkem Wachstum. Speicher könnten nun auch verstärkt für das Gesamtsystem aktiviert werden, sagt Schulz vom BVES. „Dies wird durch kürzlich beschlossene Änderungen im Energierecht unterstützt: Statt die Anlage abzuregeln, kann der Speicher künftig einfacher ins Netz einspeisen.“

Fit für die Hochsaison

Laub, Schmutz, Moos, Vogeldreck oder auch Feuerwerkskörper können über die Wintermonate Solarmodule verschmutzen und somit die Leistungsfähigkeit der Solaranlage auf dem Dach mindern. Der Leistungsverlust kann laut dem Informationsprogramm Zukunft Altbau bis zu 15 Prozent betragen. Ob die Anlage den vollen Ertrag bringt, lasse sich etwa mithilfe der App, die die Anlage überwacht und den Stromertrag aufzeichnet, überprüfen. Liegen die aktuellen Werte unter den Soll-Erträgen, kann das ein Hinweis auf eine Verschmutzung oder Störung der Anlage sein. Sinnvoll sei auch, die aktuellen Zahlen mit den Vorjahreswerten zu vergleichen. 
Zusätzlich empfiehlt es sich, lokale Vergleichswerte im Internet zu recherchieren. Wichtig: Die Vorjahreserträge sollen bei ähnlicher Sonneneinstrahlung entstanden sein. Liegt der Ertrag deutlich unter den Vergleichswerten, sollten Besitzer jedoch nicht selbst aufs Dach steigen, rät Zukunft Altbau. Sinnvoller und sicherer sei es, die Solaranlage von einem Fachbetrieb überprüfen oder auch reinigen zu lassen. (jkl)