„Sexuell anregende“ Lebensmittel
: Vorsicht vor Potenz-Honig und Horny-Schokolade

Sex sells. Das gilt auch für Lebensmittel. Teilweise steckt der Viagra-Wirkstoff Sildenafil in Honigpasten. Doch anstatt die Libido zu steigern, entpuppen sich solche Lebensmittel als gefährlich.
Von
dpa
Karlsruhe
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Frankreichs Zoll beschlagnahmt über 13 Tonnen Potenzhonig: HANDOUT - 20.01.2025, Frankreich, Paris: Eine Zollbeamtin begutachtet eine beschlagnahmte Warensendung mit sogenanntem Potenzhonig. Der Zoll in Frankreich hat im vergangenen Jahr über 13 Tonnen an Honig beschlagnahmt, der verbotenerweise mit potenzfördernden Wirkstoffen versetzt ist. Foto: Douane Française/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

Eine französische Zollbeamtin begutachtet eine beschlagnahmte Warensendung mit sogenanntem Potenzhonig. Der Zoll in Frankreich hat im vergangenen Jahr mehr als 13 Tonnen an Honig beschlagnahmt, der verbotenerweise mit potenzfördernden Wirkstoffen versetzt ist.

Douane Française/dpa
  • Zoll beschlagnahmt 13 Tonnen potenzsteigernde Lebensmittel in Frankreich.
  • Produkte wie „Horny Performance Chocolate“ enthalten den Wirkstoff Sildenafil.
  • Verbraucher können sie nur online oder aus dem Ausland erwerben.
  • Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankte durch nicht deklarierte Inhalte.
  • Strengere Kontrollen gefordert, besonders für Importe aus der Türkei.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sie heißen „Horny Performance Chocolate“, „Jaguar Power“ oder „Secret Miracle Honey“ - und versprechen potenzsteigernde Wirkung. Der Zoll zieht immer öfter Lebensmittel mit nicht erlaubten Inhaltsstoffen aus dem Verkehr. Die Zollfahndungsämter München und Hamburg haben in der Vergangenheit beispielsweise mehr als 13 Tonnen potenzsteigernde Lebensmittel sichergestellt, teilte ein Sprecher der Generalzolldirektion mit. Das Phänomen sei beim Zoll erstmals 2022 aufgetaucht.

Bundesweite Zahlen zu sogenanntem Potenz-Honig und Co. gibt es nicht. Eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe, das in Baden-Württemberg landesweit für die Überprüfung der vom Zoll abgefangenen Produkte zuständig ist, berichtete beispielsweise, dass im vergangenen Jahr in 18 Fällen honigartige Pasten untersucht wurden. Im Jahr davor habe es nur drei Vorgänge gegeben.

Wirkstoffe Sildenafil und Tadalfil in honigartigen Pasten

„Alle Produkte enthielten den nicht deklarierten Wirkstoff Sildenafil (also der Wirktstoff in Viagra)  und/oder Tadalafil“, teilte die Sprecherin mit. Diese Stoffe würden zur Behandlung von Erektionsstörungen bei Männern angewendet. Sie dürften aber eigentlich nur nach Vorlage einer ärztlichen Verschreibung abgegeben werden.

Die Arzneimitteluntersuchungsstelle am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchte einem Sprecher zufolge seit 2023 im Auftrag der Arzneimittelüberwachung 56 Proben besagter Produkte, von denen 49 potenzsteigernde Wirkstoffe enthielten. In den Vorjahren seien lediglich vereinzelt solche Untersuchungen erbeten worden. Die Behörde habe die betroffenen Produkte als zulassungspflichtige Fertigarzneimittel eingestuft.

Häufig fehlten Angaben zur Dosierung, erklärte die Sprecherin des Karlsruher Regierungspräsidiums. „Damit ist die Einnahme auch mit einem erheblichen Risiko der Überdosierung verbunden.“ Die Inhaltsstoffe seien bei den Produkten regelmäßig nicht angegeben. „Dem Verbraucher bleibt die Zusammensetzung verborgen und er kann daher nicht wissen, mit welchen Nebenwirkungen und Risiken die Einnahme des Produktes verbunden ist.“

Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen am Herz-Kreislauf-System drohten ernste Probleme, hieß es. Auch die Kombination mit bestimmten anderen Arzneimitteln wie Nitraten und Ritonavir aus der Therapie von HIV-Infektionen und Aids sei wegen erheblicher Wechselwirkungen gefährlich.

Importe überwiegend aus der Türkei

Honig, Kräuterpasten und andere mit Potenzmitteln versetzte „Lebensmittel“ werden laut Generalzolldirektion überwiegend aus der Türkei nach Deutschland verbracht und stammen aus der Türkei, aus Staaten des Mittleren Ostens oder aus Malaysia.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete und Hobby-Imker Ralf Nentwich aus Baden-Württemberg forderte strengere Kontrollen. Zwar bestehe für Verbraucher keine Gefahr, aus Versehen solche Honige im Supermarkt zu kaufen, sagte er. Die müsse man schon von einer Reise in Ausland mitbringen oder im Internet bestellen. „Aber sie schädigen den Ruf des Honigs.“