Sanierung gescheitert: Schuhhändler Görtz erneut insolvent

Unklar ist, wie es nach der zweiten Insolvenz mit den 45 verbleibenden Filialen weitergeht.
Tobias Würth/swp- Schuhhändler Görtz meldet erneut Insolvenz an, Anwalt Gideon Böhm als Insolvenzverwalter bestellt.
- Erste Insolvenz vor zwei Jahren, Versuch der Rettung durch neuen Investor Bolko Kissling scheiterte.
- Homepage zeigt veraltete Informationen, Online-Shop deaktiviert, unklare Zukunft für Filialen.
- 650 Arbeitsplätze weiterhin unsicher, Räumungsklagen und Zahlungsrückstände sorgen für Unruhe.
- Umsatz für 2024 auf etwa 50 Millionen Euro geschätzt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Hinweis auf der Homepage ist etwas irritierend. Denn einen Shop, in dem man Schuhe kaufen kann, sucht man vergeblich. Es erscheint lediglich der Hinweis: „Damit Ihr Einkaufserlebnis noch schöner wird, drehen wir etwas an den Schrauben und entschuldigen uns schon jetzt für Lieferverzögerungen, die im Rahmen Ihrer Bestellung auftreten können. Wir bitten um Ihr Verständnis!“
Lieferverzögerungen ohne Bestellung? Dass da irgendwas nicht rund läuft, macht schon dieser Hinweis deutlich. Auch sind die Angaben auf der Homepage offenbar teilweise nicht mehr aktuell. Dort wird mit 70 Filialen und dem Online-Shop geworben, es ist keine einzige Mitteilung aus dem Jahr 2024 zu finden, an anderer Stelle heißt es, es gebe 45 Filialen. Andere Quellen gehen von 30 verbliebenen Filialen aus, eine Übersicht sucht man vergeblich. Klickt man auf den Filialfinder, wird wieder die bereits zitierte Fehlermeldung angezeigt.
Nun berichtet das Branchenmagazin Textilwirtschaft (TW), dass der Schuhhändler erneut Insolvenz beantragt hat. Am 20. Januar sei Rechtsanwalt Gideon Böhm aus Hamburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Görtz Retail GmbH bestellt worden, wie aus den Insolvenzbekanntmachungen hervorgehe. „Wir befinden uns in sehr kooperativen Gesprächen mit der Geschäftsleitung“, sagte Böhm der Deutschen Presse-Agentur. Die Beschäftigten würden kurzfristig in einer Betriebsversammlung informiert. Zur Sicherstellung der Gehälter habe er eine Insolvenzgeldvorfinanzierung angeregt, sagte Böhm, der sich nach eigenen Angaben einen Überblick über die Lage des Unternehmens verschaffen will.
Neuer Investor mit großen Ankündigungen
Schon im September 2022 hatte das Unternehmen diesen Schritt gehen müssen, im Juli 2023 allerdings verkündet, dass das Insolvenzverfahren beendet sei – „nach Bekanntgabe des neuen Investors und der rechtskräftig bestätigten Sanierungspläne“. Die Zukunft des Hamburger Traditionsunternehmens von 1875 sei somit gesichert. Nach mehrstufigen Sanierungsmaßnahmen und einem unumgänglichen Stellen- sowie Filialabbau könne Görtz sich zukunftssicher aufstellen und mit der CK Technology GmbH als neue Eigentümerin den Neustart fokussieren, hieß es damals.
Die Neuausrichtung sollte eine Optimierung der verbliebenen Filialen, die Forcierung des Eigenmarkenumsatzes sowie die Konzentration auf erfolgreiche Kernmarken umfassen, darüber hinaus sollten Service und Logistik verbessert werden. „Investor Bolko Kissling wird sich hierbei mit innovativen Konzepten unternehmensübergreifend einbringen“, hieß es. Der ließ sich noch mit dem Satz: „Nach vollumfänglichen Sanierungsmaßnahmen ist es an der Zeit wieder an einer erfolgreichen Zukunft für das traditionsreiche Unternehmen zu arbeiten“ zitieren. 650 Arbeitsplätze sollten erhalten bleiben.
Wie es mit denen nun weitergeht, steht in den Sternen. Laut TW sorgten in den letzten Wochen der abgeschaltete Online-Store, Räumungsklagen für einzelne Filialen und Zahlungsrückstände bei Lieferanten für Aufmerksamkeit. „Andere haben ihre Ware aus den Läden geholt, beziehungsweise ihr Geld bekommen, aber dennoch die Zusammenarbeit mit dem Retailer beendet“, ist zu lesen. Kissling habe viel angekündigt, aber nur wenig umgesetzt, so die Kritik. Den Umsatz für 2024 hatte er zuletzt im TW-Gespräch mit rund 50 Millionen Euro beziffert.
Zu Beginn des ersten Insolvenzverfahrens im September 2022 hatten die Ludwig Görtz GmbH und ihre Töchter laut dpa noch rund 1.800 Beschäftigte. Damals betrieb das Unternehmen rund 160 Filialen in Deutschland und Österreich. In der Folge musste das Unternehmen zahlreiche Standorte schließen. Oft ging es dabei um Mietschulden.


