Rindfleisch ist knapp und teuer: „Der Döner wird bald 10 Euro kosten“

Ein Mitarbeiter einer Dönerbude legt Fleisch auf einen Döner. Die Preise für Döner und Hamburger dürften auch in Zukunft weitersteigen. Denn Rindfleisch ist knapp, die Nachfrage größer als das Angebot.
Christoph Schmidt/dpa- Döner und Hamburger sind deutlich teurer geworden, Döner bald bei 10 Euro.
- Rinderangebot ist knapp, Nachfrage hoch; Fleischpreise steigen stark.
- McDonald's Standard-Burger stieg innerhalb von drei Jahren um 80 Prozent.
- Viele Bauern geben Rinderhaltung wegen wirtschaftlicher Probleme auf.
- Klimaschutzpolitik trägt zur Verknappung von Fleisch bei; Preise steigen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein knapperes Angebot an Rindfleisch schlägt auf Deutschlands Fast-Food-Branche durch: Sowohl Döner als auch Hamburger sind in den vergangenen drei Jahren sehr viel teurer geworden. Die Preise für Kalb- und Rindfleisch schießen in die Höhe, weil die Nachfrage nach Schlachttieren höher ist als das Angebot.
Nach Daten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sind die Erzeugerpreise alleine in diesem Jahr bei Kuh- und Jungbullenfleisch jeweils um etwa 15 bis 20 Prozent gestiegen. Viele Betriebsaufgaben und die Blauzungenerkrankung haben das Angebot stark reduziert, heißt es dort zur Begründung. Schon seit längerem sinkt nach Daten des Statistischen Bundesamts die Zahl der Rinder in Deutschland, seit 2014 um 17 Prozent auf 10,5 Millionen Tiere.
Die aktuelle Teuerungswelle setzte im Spätsommer ein, spürbar sind die Folgen unter anderem in der Fast Food-Branche: In München haben etliche Wirte den Kalbsdöner von der Speisekarte gestrichen. „Zu teuer“, sagt ein Dönerladenbesitzer. „Da müsste ich an die zehn Euro verlangen, das zahlt keiner.“ So gibt es nur noch Hühnchen und Pute.
Standard Hamburger kostet 2,29 Euro – statt 1,29 Euro
Auffallend ist auch die Entwicklung der Preisempfehlungen des Standard-Hamburgers bei McDonald‘s für die Franchise-Nehmer: Anfang 2022 noch 1,29 Euro, vor einem Jahr 1,99 Euro, heute 2,29 Euro. Das ist binnen drei Jahren ein Anstieg von fast 80 Prozent. Zu den Gründen will sich der Konzern nicht äußern. Bei größeren Burgern wie dem Big Mac ist die Teuerung seit 2022 mit weniger als 30 Prozent zwar erheblich niedriger, im Vergleich zur allgemeinen Inflation immer noch überdurchschnittlich.
Die Dönerhersteller sind alarmiert: „Experten prognostizieren, dass der Endpreis für Döner – als repräsentatives Produkt der Fleischverarbeitung – schon bald die 10-Euro-Grenze erreichen und mittelfristig überschreiten wird“, sagt Erdogan Koc, Sprecher des Verbands der Dönerproduzenten. Ursache der höhere Gastro-Preise ist nicht nur Rindfleisch, da Energie und andere Rohstoffe ebenfalls teurer geworden sind. Doch macht Fleisch einen großen Teil der Kosten aus.
Wer in diesen Tagen Döner oder Hamburger bestellt, bekommt den Strukturwandel in der Landwirtschaft am eigenen Geldbeutel zu spüren. Im Jahr 2014 gab es nach Daten des Statistischen Bundesamts noch 12,7 Millionen Rinder in Deutschland, 2024 waren es noch 10,5 Millionen, ein Minus von gut 17 Prozent. Derzeit ist das Angebot an Schlachttieren knapp.
Das sind die Gründe für die hohen Preise
Doch warum geben so viele Bauern die Rinderhaltung auf? „Das ist die schwierige wirtschaftliche Situation“, sagt Hortmann-Scholten. Derzeit sind die Preise hoch, doch der Agrarmarkt leidet seit jeher unter heftigen Preisschwankungen. Viele Landwirte wollten das nicht mehr mitmachen, sagt der Fachmann. „Die Tierschutzproblematik tut ihr Übriges.“ Der Arbeitskräftemangel spielt ebenfalls eine Rolle. „In Ostdeutschland hören manche Betriebe auf, weil sie keine Arbeitskräfte mehr finden. Dann werden ganze Rinderherden abgestoßen.“
Die Bürokratie ist auch in der Landwirtschaft ein Quell steten Ärgers: „Jedes Rind braucht zwei identische Ohrmarken“, sagt Hortmann-Scholten. „Wenn ein junges Rind mit einem Ohr im Zaun hängen bleibt und eine Ohrmarke verliert, müssen Sie die nachbestellen. Fällt eine fehlende Ohrmarke bei einer Überprüfung durch ein Landwirtschaftsamt auf, ist das ein Cross Compliance Verstoß und kann zu einer Kürzung der Prämien führen.“
Betrieben fehlt Geld zu Neuausrichtung
Der Verband der Dönerproduzenten macht die Klimaschutzpolitik verantwortlich: Die EU-Politik zur Reduzierung der CO₂-Emissionen habe in den vergangenen Jahren nicht nur in Deutschland zu weitreichenden Veränderungen in der Tierhaltung geführt, sondern auch in wichtigen Fleischproduktionsländern wie den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Polen. „Die dadurch bedingte Verknappung des Angebots führt in Kombination mit einer konstant hohen Nachfrage zu einem stetigen Preisdruck im Fleischsektor“, sagt Sprecher Koc.
Viele Landwirte sagen seit langem, sie seien weder Tierwohl- noch Klimaschutzgegner. Doch waren die Erzeugerpreise sowohl für Milch als auch für Fleisch jahrelang so niedrig, dass etlichen Betrieben das nötige Geld für den Bau tierfreundlicher Ställe und anderer Verbesserungen fehlte. So wird nun abermals deutlich, dass weder Klimaschutz noch Tierwohl zum Nulltarif zu haben sind.


