Reifen wechseln: Wann ist Zeit für Sommerreifen?

Beim Wechsel auf Sommerreifen sollte man nicht allein nach dem Kalender, sondern vor allem nach der Witterung gehen.
Markus Scholz/dpa-tmn/dpa- Der Wechsel auf Sommerreifen ist nicht gesetzlich vorgeschrieben; Winterreifenpflicht seit 2010.
- Sommerreifen bieten bessere Fahreigenschaften und kürzere Bremswege bei warmen Temperaturen.
- Reifenwechsel sollte bei Temperaturen über 10 Grad erfolgen, laut ADAC und Tüv Nord.
- Kosten für Reifenwechsel in Ulm zwischen 60 und 100 Euro, Auswuchten kostet extra.
- Ganzjahresreifen sind eine stressfreie Alternative; Absatz stieg 2024 um 11,6%.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der April ist launisch: Frühsommerliche Temperaturen wechseln sich mit eiskalten Nächten ab. Doch diese Woche zeichnet sich in Baden-Württemberg ein Trend in Richtung sonnige Frühlingstage ab. Laut dem Deutschen Wetterdienst kommt der nächtliche Frost in den kommenden Tagen nicht zurück. Aber ist es sinnvoll, deshalb schon früher auf Sommerreifen zu wechseln? Die Faustformel für den Reifenwechsel besagt, dass die ideale Zeit für Sommerreifen von Ostern bis Oktober ist. Doch die Witterung spielt eine entscheidende Rolle. Was gilt es zu beachten, wenn in den nächsten Wochen der Wechsel ansteht?
Warum überhaupt Sommerreifen?
Die Gummimischung der Winterreifen ist in der Regel deutlich weicher als die der Sommerreifen. Die Autofahrer, die bei hohen Temperaturen mit Winterreifen im Sommer unterwegs sind, riskieren nicht nur einen deutlich höheren Verschleiß, sondern nehmen auch schlechtere Fahreigenschaften und längere Bremswege in Kauf. Ein Winterreifen, der beim Bremsen zu stark nachgibt, rutscht über den warmen Asphalt, anstatt das Auto zum Stehen zu bringen. Laut eines ADAC-Reifentests ergibt sich bei einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde je nach Außentemperatur ein zusätzlicher Bremsweg von bis zu 16 Metern. Zudem bieten abgefahrene Winterreifen laut der Experten häufig keinen ausreichenden Schutz bei Aquaplaning, da die Profiltiefe für den Abtransport des überschüssigen Wassers nicht mehr ausreichend vorhanden ist. Die spezielle, etwas härtere Laufflächenmischung der Sommerreifen bieten hingegen mehr Grip und ermöglicht kürzere Bremswege.
Sind Sommerreifen Pflicht?
Der Wechsel auf Sommerreifen ist nicht verpflichtend. Der Gesetzgeber legt lediglich eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter fest. Autofahrern, die ihre Reifen im Sommer nicht wechseln, drohen keine Bußgelder. Im umgekehrten Fall sieht das aber anders aus. Seit Dezember 2010 gilt die Winterreifen-Pflicht.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für Sommerreifen?
Die Faustregel „von O bis O“ dient nur als Anhaltspunkt für den Reifenwechsel. Entscheidend ist die Witterung: „Denn erst, wenn das Thermometer mehrere Tage in Folge zweistellige Plusgrade anzeigt und auch die Wettervorhersage keinen Schnee oder Frost mehr prognostiziert, ist der Wechsel auf Reifen mit Sommerprofil sicher“, schreibt der ADAC. Der Tüv Nord wird konkreter: „Sommerreifen laufen bei Außentemperaturen zwischen 10 und 40 Grad Celsius optimal.“ Pkw-Besitzer sollten deshalb so lange mit dem Reifenwechsel warten, bis sich die Temperatur auf um die 10 Grad eingependelt hat, raten die Experten.
Was gilt es vor dem Reifenwechsel zu beachten?
Für den Räderwechsel müssen Autofahrer nicht unbedingt einen Termin in der Werkstatt vereinbaren – solange einige wichtige Punkte beachtet werden. Bevor die Sommerräder montiert werden, muss man zunächst die Pneus selbst und die Felgen auf Beschädigungen überprüfen. Gibt es hier keine Auffälligkeiten, gilt es, die Profiltiefe zu untersuchen: Der ADAC empfiehlt eine Mindestprofiltiefe von drei Millimeter, damit die Reifen genug Haftung und damit Sicherheit bei Trockenheit und Nässe bieten. Auch das Alter der Gummis spielt eine Rolle. Dieses lässt sich durch einen Blick auf die Dot-Nummer überprüfen. Die vierstellige Ziffernfolge auf der Flanke gibt an, in welcher Kalenderwoche und in welchem Jahr der Reifen produziert wurde. Nach spätestens acht bis zehn Jahren sollten die Reifen ersetzt werden.
Für den Wechsel der Räder brauchen Autofahrer das passende Werkzeug. Neben einem Drehmomentschlüssel und einem Wagenheber sind Unterstellbock, Radkreuz, Drahtbürste und Arbeitshandschuhe Must-haves. Besonders wichtig: ein ebener Untergrund für den Wagenheber. Bei der Reifenmontage gilt es außerdem zu beachten, die Radschrauben immer mit dem dafür vorgeschriebenen Drehmoment anzuziehen: Sitzen die Radschrauben zu locker, können sie sich während der Fahrt lösen. Sind die Radschrauben hingegen zu fest angezogen, belasten sie das Material der Felgen und Schrauben unnötig stark, so die Experten von Tüv Nord.
Und worauf kommt es nach dem Reifenwechsel an?
Zunächst muss der Luftdruck gemessen werden. Wie viel Fülldruck die Reifen jeweils benötigen, ist vom Autohersteller vorgegeben. Die nötigen Angaben können sich je nach Modell an verschiedenen Stellen am Auto befinden: zum Beispiel im Tankdeckel oder an der B-Säule bei geöffneter Fahrertür. Nachdem man etwa 50 Kilometer mit den Sommerreifen gefahren ist, empfiehlt der ADAC, die Verschraubung nochmals zu überprüfen und Schrauben gegebenenfalls nachzuziehen. Am besten ist es, den Luftdruck aller Reifen einmal im Monat zu kontrollieren.
Mit welchen Kosten müssen Autobesitzer rechnen?
Die Kosten für einen Reifenwechsel pro Set hängen von der Werkstatt und dem jeweiligen Stundensatz ab, können also variieren. In Ulm kostet der Wechsel eines vollständigen Sommerreifen-Sets im Schnitt derzeit zwischen 60 und 100 Euro. Kommt Auswuchten hinzu, müssen Autobesitzer etwa 20 Euro dazurechnen. Wer seine Winterreifen bei der Werkstatt einlagern will, zahlt nochmals um die 45 Euro pro Saison.
Die Preise für Sommerreifen steigen: Laut einer Untersuchung des Technikmagazins „Krafthand“ lag der Durchschnittspreis für einen Sommerreifen im Jahr 2020 noch bei 99 Euro, 2022 mussten Pkw-Besitzer mit Kosten von 122 Euro pro Reifen rechnen. Aus einem Vergleich des Nachrichtensender ntv geht hingegen hervor, dass die Preise für gängige Modelle aktuell zwischen 80 und 100 Euro pro Reifen, beziehungsweise zwischen 320 und 600 Euro pro Set liegen.
Einer Analyse der Vergleichsplattform idealo zufolge sind Sommerreifen im März übrigens am günstigsten. Im Vergleich kosten die Reifen im Frühjahr rund 12 Prozent weniger als im Dezember. Bei einem kompletten Reifenwechsel bedeutet das im Schnitt eine Ersparnis von etwa 60 Euro pro Set.
Ist der Ganzjahresreifen eine gute Alternative?
Wem der Räderwechsel zu stressig ist, kann auf Ganzjahresreifen zurückgreifen. Die Nachfrage steigt kontinuierlich und damit auch das Angebot. Ihr Absatz legte im vergangenen Jahr um 11,6 Prozent zu, berichtet der Bundesverband Reifenhandel. Mit mehr als 12 Millionen Stück wurden 2024 rund eine Million mehr Ganzjahres- als Sommerreifen verkauft.
Ganzjahresreifen sind mit ihren kleinen Lamellen und ausgeprägten Längsrillen rein optisch eine Mischung aus einem Winter- und einem Sommerreifen. Bei Ganzjahresreifen gilt: „Die Gummimischung muss so ausgelegt sein, dass sie bei Temperaturen zwischen minus 30 und plus 40 Grad funktionieren muss“, schreibt der Automobil-Club. Die Bestleistungen der spezialisierten Sommerreifen erreichen sie allerdings nicht.



