Umstellung auf Digitalradio
: Abschaltung von UKW beginnt

Schleswig-Holstein macht Ernst und nimmt nach und nach Sender aus der Ultrakurzwelle. 140 Millionen Geräte in Deutschland könnten reif für den Wertststoffhof werden.
Von
Thomas Veitinger
Ulm
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UKW-Radio: PRODUKTION - 31.01.2024, Bayern, München: Ein altes analoges Radio mit Empfangsmöglichkeiten auf UKW, Mittel- und Langwelle steht auf einem Tisch. (zu dpa: «Schleswig-Holstein schaltet bis 2031 alle UKW-Hörfunksender ab») Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein altes analoges Radio mit Empfangsmöglichkeiten auf UKW, Mittel- und Langwelle.

Sven Hoppe/dpa

Jetzt ist es so weit: Das erste Bundesland schaltet alle UKW-Hörfunksender ab. In Schleswig-Holstein werden im kommenden Jahr mehrere Privatsender vollständig auf das Digitalradio DAB+ umgestellt. Für DAB+ ist ein digitales Empfangsgerät nötig. In ganz Deutschland gibt es geschätzt 140 Millionen Radiogeräte, die nach einem UKW-Ausstieg nicht mehr funktionieren werden.

Auch der NDR wird seine UKW-Frequenzen aufgeben. Vorgesehen ist, dass er zunächst die Versorgung mit DAB+ in den Jahren 2025 und 2026 mit neuen Sendern verbessern wird. Die Umstellung von den analogen UKW-Sendern auf das Digitalradio DAB+ werde in dem nördlichen Bundesland 2025 starten und bis zum Jahr 2031 abgeschlossen sein, sagte der schleswig-holsteinische Staatskanzleichef Dirk Schrödter am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Besser für die Umwelt

Der CDU-Politiker, der in der schwarz-grünen Landesregierung für Medienpolitik verantwortlich ist, sagte, es sei ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll, die Doppelausstrahlung des Hörfunks auf UKW und DAB+ zu beenden. Das Digitalradio verbrauche deutlich weniger Strom und habe dadurch eine bessere Klimabilanz. In Baden-Württemberg gibt es laut eines Sprechers der Landesanstalt für Kommunikation keine Diskussion um eine Abschaltung.

UKW befindet sich deutschlandweit auf dem Rückzug, wenn auch noch auf einem sehr hohen Niveau. 2013 war ein Gerät mit Ultrakurzwelle noch in 78,6 Prozent der deutschen Haushalte der meistgenutzte Radioapparat. Im vergangenen Jahr war das nur noch in 53 Prozent der Haushalte der Fall. Das besagen die „Audiotrends 2023“ der Landesmedienanstalten.

Während öffentlich-rechtliche Sender wie der Deutschlandfunk sich seit Jahren für eine Beendigung des kostspieligen Doppelbetriebs von UKW und DAB+ starkmachen, sahen etliche private Hörfunkveranstalter eine Abschaltung der UKW-Sender kritisch. Sie befürchteten einen Rückgang ihrer Reichweite und sinkende Werbeeinnahmen.

Schweiz verabschiedet sich

Der öffentlich-rechtliche Schweizer Rundfunk wird ab 2025 nicht mehr über Ultrakurzwelle ausgestrahlt. Die dazu nötigen veralteten Rundfunk-Antennen würden Ende Dezember abgeschaltet, teilte die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft mit. Der Unterhalt sei zu teuer. In Norwegen ist UKW bis auf lokale Bereiche bereits abgeschaltet.

Lange Zeit wurde versucht, den UKW-Nachfolger DAB in die Wohnzimmer der Republik zu bringen – mit mäßigem Erfolg. Dessen Nachfolger DAB+ ist heute bei rund jedem dritten Radiohörer zu finden. Der digitale Empfang hat im Vergleich zu UKW Vorteile wie höhere Klangqualität, größere Programmvielfalt, Zusatzinformationen sowie höherer Energieeffizienz.