Lebensmittel, Blumen, Socken
: Shopping-Abos werden immer beliebter – Vorsicht vor Fallen!

Fast ein Viertel aller Online-Shopper lässt sich bestimmte Produkte im Abonnement schicken. Wie empfehlenswert ist das?
Von
Thomas Veitinger
Ulm
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Eine Seniorin arbeitet an ihrem Laptop: ILLUSTRATION - Formlose Mail genügt oft vorerst: Angehörige sollten Versicherungen schnell informieren, um keine Fristen zu verpassen. (zu dpa: «Todesfall: Welche Versicherungen enden, welche weiterlaufen») Foto: Christin Klose/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

23 Prozent der Online-Shopperinnen und -shopper haben Spar- oder Nachbestellabos laufen. Und zwar nicht nur ein einziges – im Schnitt sind drei Abos aktiv.

Christin Klose/dpa
  • 23 Prozent der Onlineshopper nutzen Spar- oder Nachbestellabos, Ø drei aktiv.
  • Vorteile: Komfort, teils Preisvorteile; Unternehmen planen Nachfrage besser (Bitkom).
  • Kritik: schwankende Preise, versteckte Gebühren, schwierige Kündigungen, falsche Lieferungen.
  • Verbraucherzentrale: Ärger v. a. bei untergeschobenen Abos; Windel-Abos teils sinnvoll.
  • Amazon Go: kassenlose Mini-Supermärkte werden geschlossen; Technik gilt als kostspielig.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist eine Zahl, die aufhorchen lässt: Fast ein Viertel der Online-Shopperinnen und -shopper soll sich via Abonnement regelmäßig Kosmetikartikel, Lebensmittel, Blumen und andere Produkte nach Hause schicken lassen. Das berichtet der Digitalverband Bitkom, dem 2200 Branchenunternehmen angehören. Nach einer von ihm in Auftrag gegebenen Untersuchung nutzen 23 Prozent Spar- oder Nachbestell-Abos. Und zwar nicht nur ein einziges – im Schnitt sind drei Abos aktiv. „Für einen Teil der Verbraucherinnen und Verbraucher gehören solche automatischen Nachbestellungen bereits zum Alltag“, stellt der Verband fest.

Bei einem Abo werden die immer gleichen Produkte zugeschickt. Vorteil: Es muss nicht mehr ans Nachkaufen gedacht werden und beim Versand gibt es unter Umständen keine Mindestbestellbeträge. Bei der ersten Lieferung kostet dies etwa bei Amazon noch Porto, danach nicht mehr. „Abo-Modelle bringen Vorteile für beide Seiten“, sagt Bitkom-Expertin Nastassja Hofmann. „Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren vom Komfort und oft auch von Preisvorteilen. Unternehmen können wiederkehrende Nachfrage besser planen, Prozesse effizienter gestalten und die Kundenbindung stärken.“

Kritik an versteckten Gebühren

Allerdings schwanken die Preise häufig und sind möglicherweise höher als im Einzelhandel, ständige Kontrolle ist also nötig, argumentieren Kritiker. „Wir behalten uns das Recht vor, den Rabatt zu ändern“, bestätigt Amazon. Mehr als die Hälfte aller Teilnehmer einer Umfrage des Podcasts für Investoren „Motley Fool Money“ in den USA glaubten 2024, dass sie für ihr Abo zu viel bezahlen, 40 Prozent finden, dass sie zu viele Dienste abonniert haben. Weitere Kritikpunkte aus US-Studien sind: versteckte Gebühren, unerwartete Abbuchungen und fehlende Möglichkeiten, Abos zu pausieren.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kennt Probleme mit Produkt-Abos ebenfalls. Aber: „Es kommt nicht allzu oft vor, dass sich jemand deshalb an uns wendet“, sagt Verbraucherrechtsexperte Oliver Buttler. „Ärger gibt es bei untergeschobenen Abos mit Unterhosen und Krawatten.“ Auch regelmäßige Lieferungen mit Süßigkeiten und Tierfutter zählen dazu: „Bei der ersten Lieferung sind noch die gewünschten Markenprodukte dabei. Danach gibt es diese anscheinend nicht mehr“, sagt Buttler. Im Kleingedruckten lässt sich nachlesen, dass Produkte je nach Verfügbarkeit verschickt werden – sehr zum Ärger der Kunden kommen so oft unpassende und billige Artikel.

Regelmäßig Windeln

„Bei Windel-Abos finde ich ein Sparabo dagegen gar nicht so schlecht“, sagt Buttler. Preislich attraktive Windeln kommen kostenlos ins Haus und seien immer vorrätig. Und die ökologischen Nachteile? „Die Zulieferer kommen oft sowieso in die Straße, man kann die Windeln beim Einkaufen nicht vergessen und muss dann nicht nochmal mit dem eigenen Auto zum Supermarkt losfahren.“ Auch die Verpackungsgröße habe sich bei Amazon in den vergangenen Jahren dem versendeten Produkt angepasst und sei nicht mehr so oft übertrieben groß.

Ärger kennt die Verbraucherzentrale dagegen mit Kochboxen-Versendern. Diese erschwerten Kündigungen, lieferten einfach weiter und buchten Geld ab. Preis, Portionsgröße, tatsächlicher Warenwert und Vertragsbedingungen sind ebenfalls immer wieder umstritten. Bitkom sieht generell Verbesserungsbedarf. „Damit der Abo-Commerce mehr Anhänger findet, braucht es vor allem transparente und verständliche Informationen – etwa zu günstigeren Preisen im Abo, flexiblen Laufzeiten und Kündigungsmöglichkeiten“, sagt Hofmann.

Neben zu viel gelieferten Produkten, weil der eigene Verbrauch falsch eingeschätzt wird, ist der fehlende Gesamtüberblick ein häufiges Problem von Abos: Automatisierung führt dazu, den Blick auf Ausgaben zu verlieren. Für Experten ist es eine „Bequemlichkeitsfalle“, die zu Dingen führt, die „gut genug“, aber selten „perfekt passend“ sind. Amazon wirbt bei Verkäufern mit der „langfristigen Kundenbindung“. „Kunden, die sich für ein Sparabo entscheiden, drohen nicht an die Konkurrenz abzuwandern und bleiben der eigenen Marke treu“, schreibt der weltgrößte Online-Händler.

Im Internet gibt es fragwürdige Tipps zu Amazons Sparabo. Wer sich gleichzeitig Produkte durch fünf Abos liefern lässt, bekommt 15 Prozent Rabatt statt nur fünf Prozent. Und dies auch, wenn vier Abos nur Cent-Produkte enthalten, wie Büroklammern oder Bleistiftspitzer. Diese Billigstprodukte könnten dann ja einfach weggeworfen werden – von Nachhaltigkeit keine Spur.

Schluss mit Läden ohne Kassen

Amazon schließt seine Mini-Supermärkte ohne Kassen. Die ersten Geschäfte unter der Marke Amazon Go, in denen Kunden einfach Produkte aus dem Regal greifen und rausgehen können, öffneten in den USA 2018. Gewichtssensoren in den Regalen und Kameras an der Decke sollten sicherstellen, dass die Einkäufe richtig zugeordnet und nachträglich abgebucht werden. Branchenkenner verweisen darauf, dass die Technik für den kassenlosen Einkauf aufwändig und dadurch kostspielig sei. Das mache es schwierig, sie auf größere Ladenflächen auszuweiten. dpa