Pokémon, Magic, Lorcana: Tausende Euro für rare Exemplare – kann man mit Sammelkarten wirklich Geld verdienen?

Wissen Sie wirklich, wieviel die Pokémon-Sammlung Ihres Kindes wert ist? Es kann sich durchaus lohnen, sich zu informieren.
Nestor Bachmann/dpa- Sammelkarten locken mit Rekordpreisen – etwa Millionenbeträge für seltene Pokémon und Magic.
- Wert hängt laut Warentest von Alter, Zustand und Seltenheit ab; bei Spielern zählt Stärke.
- Handel läuft vor allem online über Cardmarket, Ebay und Kleinanzeigen, Communitys liefern Wissen.
- Experten raten von Investments ab: hoher Aufwand, Fälschungsrisiko, Volatilität und Zusatzkosten.
- Häufige Fallen sind gewogene oder manipulierte Boosterboxen sowie als Neuware getarnte Rückläufer.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Beträge sind beeindruckend, allen voran der Rekord vom Beginn dieses Jahres. Da erzielte US-Influencer Logan Pauleine für eine Pokémon-Sammelkarte bei einer Versteigerung knapp 16,5 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 14,4 Millionen Euro. Aber auch zuvor gab es schon erstaunliche Summen zu verzeichnen: So wurde 2022 eine bestimmte Pokémon-Karte für 420.000 US-Dollar verkauft. Eine seltene Karte des Spiels „Magic“ erzielte bei Auktionen zwischen 500.000 und 3 Millionen US-Dollar.
Wie wertvoll manche Karten sind, zeigt auch ein Blick in die Polizeiberichte. Denn die Karten werden zu einem begehrten Diebesgut. So wollte erst vor wenigen Tagen in Neu-Ulm ein Besitzer einen Stapel Pokémon-Karten für einen niedrigen fünfstelligen Betrag verkaufen. Dabei wurde er niedergeschlagen und beraubt. In Nordrhein-Westfalen wurden jüngst hochwertige Sammelkarten aus einer Lagerhalle gestohlen. Der Schaden belief sich laut Polizei auf eine hohe fünfstellige Summe. Und auch in Bayern wurde aus einem Kellerabteil eine Sammlung im Wert von rund 15.000 Euro erbeutet.
Communitys bieten Insiderwissen
Doch welche Karten sind überhaupt wertvoll? Das hängt davon ab, an wen man sie verkaufen will. Laut Stiftung Warentest, die für ihr aktuelles Heft den Sammelkartenmarkt unter die Lupe genommen hat, hängt dieser Wert für Sammler von drei Faktoren ab: Alter, Zustand und Seltenheit. Auch schöne Bilder und der Nostalgie-Faktor beeinflussen die potenziellen Käufer. Bei Spielern wiederum spielen mächtige Karten eine wichtige Rolle, die sie im Spiel voranbringen. Denn die Karten von Pokémon, Magic und Lorcana sind nicht nur zum Sammeln da, sondern auch zum Spielen. Ganze Turniere werden dafür ausgerichtet.
Wer versuchen möchte, seine Karten zu verkaufen, sollte in jedem Fall ihren Wert kennen, erklären die Warentester. Den kann man online herausfinden oder in einem Kartenladen erfragen. „Gerade Eltern, die ihren Kindern häufiger Karten kaufen, können überrascht sein, wie viel manche Karten wert sind“, sagen die Experten der Stiftung Warentest.
Der Kartenhandel findet inzwischen auf eigenen Börsen, aber vor allem online statt. Neben Marktplätzen wie Ebay oder Kleinanzeigen spielt die spezialisierte Handelsplattform Cardmarket eine größere Rolle. Deren Geschäftsführer Robert Giel erklärte gegenüber Stiftung Warentest: „Schlagzeilen wie ,Black Lotus für 150 000 Euro verkauft‘ klingen aufregend. Solche Verkäufe machen aber in Wirklichkeit weniger als ein halbes Prozent der Transaktionen aus, die auf der Plattform stattfinden.“
Wer in den Handel einsteigen will, sollte nach dem Ratschlag von Matthias Hiller, Fachautor für Finanzen und Marktentwicklungen bei sparkasse.de, so vorgehen:
- Mit erschwinglichen Karten beginnen und so den Markt kennenlernen. Dazu Auktionen beobachten und Preisverläufe verfolgen.
- Nur in „gegradete“, also professionell eingestufte, Karten von bekannten Unternehmen wie PSA, BGS oder CGC investieren. Das Grading koste zwar etwas, schütze aber vor Fälschungen.
- Man sollte sich auf Ikonen und beliebte Charaktere konzentrieren. „Nischen-Karten mögen cool sein, haben aber deutlich kleinere Märkte“, sagt Hiller.
- Jeden Kauf mit Rechnung und Fotos dokumentieren. Das helfe bei Versicherung, Wiederverkauf und Steuererklärung.
- Vernetzung mit anderen Sammlern in Communitys auf Reddit, Discord oder spezialisierten Foren biete wertvolles Insiderwissen.
Markt hat Tücken
Doch sollte man wirklich in die Karten investieren? Stiftung Warentest rät eher ab. „Zwar locken extrem hohe Gewinne in kürzester Zeit viele Investoren an. Profite setzen aber ein tiefes Wissen um jedes einzelne Spiel und viel Glück voraus“, erklären die Experten. Der Markt für das jeweilige Kartenspiel sei dynamisch und den Entscheidungen des jeweiligen Herstellers unterworfen. „Auch hohe Verluste sind möglich. Wir raten daher von Investitionen in Sammelkarten ab.“
Auch Hiller äußert sich in dem Beitrag eher skeptisch: „So verlockend die Gewinnmöglichkeiten klingen, der Markt hat erhebliche Tücken.“ Die extreme Volatilität mache Trading Cards zu einem Hochrisiko-Investment. Preise könnten binnen Wochen um 50 Prozent schwanken. „Was heute gefragt ist, kann morgen aus der Mode sein.“ Außerdem brauche auch eine hochpreisige Karte den richtigen Käufer. „In Krisenzeiten kann der Markt praktisch einfrieren.“
Außerdem fallen Kosten für Lagerung und Versicherungen an. „Wertvolle Karten gehören idealerweise in klimatisierte Safes, benötigen spezielle Versicherungen und professionelles Grading – alles Kosten, die die Rendite schmälern“, erläutert Hiller. Als reines Finanzinvestment hält der Sparkassen-Experte die Karten für problematisch. „Die fehlende Regulierung, hohe Einstiegsbarrieren für Top-Karten und die Schwierigkeit, Fälschungen zu erkennen, machen sie für Laien riskant“, fasst er die Risiken zusammen
Einige Experten warnen seinen Worten nach, dass die aktuellen Preise durch Spekulation und Social-Media-Hype überhöht seien. „Nicht überraschend wäre, wenn Spielkarten eines Tages nur noch den bescheidenen Charme verströmen wie heute Zinnfiguren und Briefmarken.“ Aber: „Wer Freude am Sammeln hat, gerne recherchiert und den Nervenkitzel von spekulativen Investments mag, kann hier eine spannende Nische finden.“
Fallen beim Handel mit Sammelkarten
Beim Geschäft mit den Karten kann man auch in Fallen tappen. „So sind etwa gefälschte Karten oder Produkte für Laien oft schwer zu erkennen“, erklärt Stiftung Warentest. Ältere Päckchen (Booster) mit Pokémon-Karten könnten gewogen werden. „Ist die Packung schwerer, befindet sich darin meist eine wertvolle Karte. Sie wird dann herausgefischt.“ Bei einer verbreiteten Masche öffneten Betrüger Booster aus gekauften Boxen, bis sie die vorgegebene Anzahl an wertvollen Karten ziehen. Die restlichen Booster legen sie laut den Experten wieder in eine Box und versiegeln diese erneut, bevor sie sie als ungeöffnete Neuware auf Handelsplattformen anbieten.


