Pestizide im Studentenfutter
: Ültje, Aldi, Seeberger – welche Sorte ist wirklich gesund?

Studentenfutter gilt als gesund: stimmt das wirklich? Viele Produkte sind mit Pestiziden belastet. Öko-Test hat 29 Nuss-Rosinen-Mischungen untersucht.
Von
Caroline Strang
Ulm
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Studentenfutter steht auf einem Schreibtisch: ILLUSTRATION - Studentenfutter ist als Snack beliebt: Doch Mineralölbestandteile können über Maschinen, Verpackungen oder Transport in die Nussmischungen gelangen. (zu dpa: «Studentenfutter im «Öko-Test»: 6 rasseln durch, 6 sind 1a») Foto: Christin Klose/dpa-mag - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes dpa-Magazin +++ dpa-Magazin +++

Studentenfutter ist grundsätzlich gesund - aber man sollte einiges wissen.

Christin Klose/dpa-mag/dpa
  • Öko-Test prüfte 29 Studentenfutter: viele Pestizide, Mineralöl, teils zu viel Zucker.
  • Sechs Produkte „mangelhaft“/„ungenügend“; etwa die Hälfte „gut“/„sehr gut“.
  • „Ültje Studentenfutter Original“: neun Pestizide nachgewiesen.
  • MOAH im „Morgenland Bio Kerniges Studentenfutter“ – „ungenügend“.
  • Viele Bio-Marken gut; auch Lidl, Tegut; Aldi Süd, Norma, Netto fielen durch.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Hasel- und Walnusskerne, Cashews, manchmal Erd- oder Paranüsse. Und Rosinen für den Fruchtanteil. Das sind die klassischen Bestandteile des Studentenfutters. Es gibt aber auch Mischungen mit Cranberries, Mangostücken, Ananas oder Kokosraspeln. Die Produkte sind seit Langem als gesunder Snack beliebt, ob zwischendurch bei der Arbeit, abends vor dem Fernseher oder unterwegs.

Dabei wird der Mix nicht umsonst häufig als „Nervennahrung“ bezeichnet, da laut der Krankenkasse IKK das enthaltene Vitamin B die Konzentration steigert und Fruchtzucker sowie Kohlenhydrate die geistige Leistungsfähigkeit erhöhen. „Auch die in den Nüssen enthaltenen Omega-3-Fettsäuren wirken stärkend für das Gehirn“, so die Experten. Verschiedene Mineralstoffe sorgten zusätzlich für eine ausgewogene Ernährung.

Studentenfutter ist also grundsätzlich gesund – einige Dinge sind jedoch zu beachten.

Eine Einschränkung: „Neben vielen gesunden Inhalten verbergen sich darin auch zahlreiche Kalorien.“ Denn in Nüssen steckt viel Fett, in diesem Fall allerdings ungesättigte Fettsäuren.„ Diese wirken sich positiv auf den Cholesterinspiegel aus und helfen somit Herz- und Kreislauferkrankungen vorzubeugen.“ In Maßen ist Studentenfutter also eine empfehlenswerte Nascherei.

Ökotest findet in vielen Sorten Pestizide

Wenn es denn ein gutes ist. Öko-Test hat aktuell 29 Sorten Studentenfutter getestet und ist beileibe nicht mit allen zufrieden. Die Prüfer kritisieren etliche Pestizide, Mineralöl und zu viel Zucker. Sechs Studentenfutter fallen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Etwa die Hälfte bewerten die Verbraucherschützer hingegen mit „gut“ oder „sehr gut“ – darunter fast alle Bio-Marken.

Die konventionellen Mischungen sind laut Öko-Test fast alle mit Pestizidrückständen belastet. Einige von ihnen sind aus Sicht der Tester besonders bedenklich, wie etwa PFAS-Pestizide. PFAS, sogenannte Ewigkeitschemikalien, reichern sich in Menschen, Tieren und Umwelt an und bauen sich kaum wieder ab.

Laut dem Bundesumweltamt ist das Wissen über die Auswirkungen in komplexen Ökosystemen noch begrenzt. Im menschlichen Körper können manche PFAS laut der Experten an Proteine in Blut, Leber und Niere binden. Besonders kritisch sei auch die Weitergabe einiger PFAS von der Mutter zum Kind während der Schwangerschaft und Stillzeit. „Erhöhte Konzentrationen von PFOA und PFOS im menschlichen Blut können Wirkungen von Impfungen vermindern, die Neigung zu Infekten erhöhen, zu erhöhten Cholesterinwerten führen und bei Nachkommen ein verringertes Geburtsgewicht zur Folge haben“, ist zu lesen.

„Auch wenn die Spritzmittel in den gemessenen Gehalten nicht als akut giftig gelten, werten die Verbraucherschützer bei Mehrfachbelastungen ab, da unklar ist, zu welchen Wechselwirkungen mehrere Pestizidspuren führen können“, wie es in der Bewertung von Öko-Test heißt. Spitzenreiter in Sachen Pestizide sei das „Ültje Studentenfutter Original“ (3,29 Euro pro 200 Milligramm), in dem das Labor neun verschiedene Stoffe nachgewiesen hat.

Sechs Mischungen „mangelhaft“ oder „ungenügend“

Außerdem sind laut der Prüfer einige Testprodukte mit Mineralöl belastet. In drei Studentenfuttern wies das Labor gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) in einer Menge nach, die die Verbraucherschützer als „erhöht“ oder „stark erhöht“ einstufen. MOSH reichert sich mit noch unklaren Folgen im menschlichen Fettgewebe, in der Leber, in der Milz und in den Lymphknoten an.

Noch kritischer sieht Öko-Test den Fund von aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) im „Morgenland Bio Kerniges Studentenfutter“, das mit „ungenügend“ abschnitt. Unter MOAH können sich krebserregende Verbindungen befinden, erklären die Prüfer. Der gemessene Wert liege über dem Richtwert, der von der EU-Kommission als Höchstgehalt für MOAH vorgeschlagen wird. Auch die Produkte von Aldi Süd, Norma und Netto (alle 2,29 Euro) fielen durch.

Empfehlenswert fanden die Tester die übrigen Bio-Marken im Test, aber auch vier konventionelle Studentenfutter, darunter die Mischung von Lidl (2,29 Euro). Das Seeberger Studentenfutter (3,72 Euro) schnitt mit „befriedigend“ ab.

Laut der Gesellschaft für Konsumforschung wurden 2023 zwischen Januar und August in Deutschland mit salzigen Snacks insgesamt 2,9 Milliarden Euro umgesetzt, Tendenz steigend. Besonders umsatzstark war hierbei die Produktgruppe der Chips, Sticks, Flips und Tortilla-Chips. Diese Warengruppe kam auf einen Marktanteil von 42,1 Prozent. Dicht gefolgt von Nüssen, darunter viele in Form der bekannten Studentenfutter-Mischung. Nüsse machten insgesamt 41 Prozent des Umsatzes mit salzigen Snacks aus.

Dabei konsumierten deutsche Verbraucher im Jahr 2024/25 pro Kopf nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts durchschnittlich rund 5,8 Kilogramm Nüsse und Schalenfrüchte. Im Jahr 2010/11 lag der Pro-Kopf-Verbrauch noch bei 4,5 Kilogramm.

366.000 Tonnen Knabberartikel

In Deutschland werden jährlich über 366.000 Tonnen unterschiedlichste Knabberartikel produziert, der größte Teil entfällt dabei auf Nussmischungen, gefolgt von Kartoffelchips und -sticks. Zuletzt lag die Produktionsmenge von Chips bei rund 111.000 Tonnen. Bei den Nüssen, Samen und getrockneten Früchten war dabei Hersteller Ültje Favorit bei den Verbrauchern. Zudem spielen Handelsmarken bei Snacks eine relevante Rolle im Einzelhandel.