Alternativen zu Paypal: Diebe werden immer raffinierter

Eine Frau hält ein Smartphone mit dem Logo des Bezahldienst Paypal.
Sebastian Kahnert/dpa- PayPal-Ausfall störte den Zahlungsverkehr in Europa, besonders in Deutschland.
- Verbraucherzentralen fordern mehr Sicherheit und europäische Alternativen wie Wero.
- Deutsche Banken stoppten aus Sicherheitsgründen Milliarden-Lastschriften.
- Betrugsversuche im Online-Bereich nehmen zu; Cyber-Bedrohungslage bleibt hoch.
- Wero soll künftig auch für Online-Shopping nutzbar sein, bisher geringe Nutzerzahlen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der zeitweise Ausfall des Paypal-Sicherheitssystems, das Betrugsversuche erkennen und herausfiltern soll, habe sich erheblich auf den Zahlungsverkehr in ganz Europa und insbesondere in Deutschland ausgewirkt, meldet unter anderem der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Einige Kreditinstitute hatten in der vergangenen Woche aus Sicherheitsgründen Paypal-Lastschriften in Milliardenhöhe gestoppt.
Der entstandene Rückstand muss jetzt aufgearbeitet werden. In der Folge könnte sich auch die Lieferung bestellter Ware verzögern, weil Online-Händler ohne Zahlungseingang bestellte Ware nicht verschicken.
Entschuldigung von Paypal
Paypal selbst äußerte sich zunächst sparsam, schob dann aber eine Entschuldigung nach: Alle rechtmäßigen Transaktionen der Händlerinnen und Händler würden vollständig erstattet. Nach Angaben einer Sprecherin waren deutlich weniger als fünf Prozent der deutschen Kunden betroffen.
Verbraucherschützer verlangen Aufklärung zu den Ursachen. Außerdem rät der Bundesverband VZBV Kunden auch in den kommenden Tagen zu mehr Achtsamkeit und einen genauen Blick auf den Kontostand. Sollte PayPal unberechtigte Bearbeitungsgebühren verlangen, werde die Verbraucherzentrale den Klageweg prüfen. Die Volksbank empfiehlt weiterhin, Paypal-Umsätze zu prüfen und die europäische Bezahllieferung Wero zu nutzen.
Die Sparkassen weisen darauf hin, dass Bankkunden gegen eine unautorisierte Abbuchung Widerspruch einlegen können. Allerdings seien Fristen zu beachten. Der Vorfall sei den Aufsichtsbehörden in Luxemburg gemeldet worden, wo die Europatochter von Paypal ihren Sitz hat. Auf Seiten der Sparkassen-Finanzgruppe laufe der Zahlungsverkehr von und zu PayPal seit Dienstagmorgen wieder normal, stehe aber weiter unter Beobachtung.
Nach Interpretation der Verbraucherzentralen offenbaren die Vorkommnisse einmal mehr eine besorgniserregende Abhängigkeit von US-Zahlungsdienstleistern. Hier brauche es mehr europäische Alternativen auf dem Markt, verlangt die VZBV-Vorständin Ramona Pop.
Auch der deutsche Einzelhandel hofft auf mehr europäische Alternativen zu US-Zahlungsabwicklern. „Die US-amerikanischen Zahlungssysteme haben eine Marktrelevanz entwickelt, die aus Handelssicht zu hohen Kosten in der Abwicklung führt“, erklärte der Handelsverband Deutschland (HDE).
Wichtigster Online-Zahlungsdienst
Paypal ist der mit Abstand wichtigste Online-Zahlungsdienst auf dem deutschen Markt und hat hierzulande bei Online-Einkäufen nach eigenen Angaben einen Anteil von etwa 30 Prozent. Das börsennotierte Unternehmen, bis 2015 eine eBay-Tochter, ermöglicht es Einzelpersonen und Unternehmen, Geld online zu versenden oder zu empfangen. Wichtigste Paypal-Konkurrenten sind das schwedische Fintech Klarna mit einem Marktanteil von geschätzten 13 bis 15 Prozent und Apple Pay mit noch unter zehn Prozent.
Das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) warnt, Kunden sollten bei der Wahl des Dienstleisters die Sicherheit als Auswahlkriterium stärker berücksichtigen. Ein hilfreicher Indikator könnten Gütesiegel sein.
„Je größer der Marktanteil des nicht-funktionierenden Zahlungsdienstleisters ist, desto schwerwiegender sind die Auswirkungen eines Ausfalls und desto mehr Händler und Verbraucher sind betroffen“, mahnt der VZBV. Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin weist darauf hin, dass eine Konzentration auf wenige Anbieter die Auswirkungen von Cybervorfällen größer ausfallen lassen kann. Die europäische Verordnung über die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor (DORA), rücke kritische IT-Dienstleister noch stärker in den Fokus der Aufsicht. „Ab 2026 werden eigene Teams der europäischen Aufsichtsbehörden ausgewählte IT-Dienstleister überwachen, die systemrelevant für den europäischen Finanzmarkt sind und daher als kritisch eingestuft werden“.
Kreditwirtschaft verweist auf Wero
Die deutsche Kreditwirtschaft verweist auf den gemeinsam mit anderen europäischen Banken entwickelten Bezahldienst Wero. Sicherheitsexperten sehen in den jüngsten Vorfällen vor allem eine Bestätigung, dass Diebe im Internet immer raffinierter vorgehen und auf eine schnell wachsende Zahl potenzieller Opfer treffen. Immer mehr Menschen nutzen schließlich das bequeme Online-Angebot. Deshalb wird es für Betrüger immer attraktiver, Kundendaten auszuspähen und mit gefälschten Lastschriften Geld zu erbeuten.
Nach Einschätzung der BaFin ist die Cyber-Bedrohungslage in Deutschland ist unverändert hoch. Vor allem die Qualität der Angriffe steige. Bisher, so die BaFin, konnten Finanzunternehmen Angriffe jedoch in den meisten Fällen erfolgreich abwehren und dauerhafte Schäden vermeiden.
Auch nach Überzeugung der Verbraucherverbände zeige der Fall Paypal, dass das Betrugsmanagement einiger Banken gut funktioniert habe. „Zahlungen wurden richtigerweise nicht ausgeführt“. Allerdings hätten nicht alle Banken so gehandelt. Der VZBV fordert von allen Banken und Zahlungsdienstleistern robuste Sicherheitssysteme: „Der Vorfall Paypal zeigt wieder einmal, dass Banken ihre Kunden unterschiedlich gut vor Betrug schützen. Das muss sich ändern“.
Kein Shopping mit Wero
Wero heißt ein europaweites Echtzeit-Zahlungssystem, das von europäischen Banken entwickelt wird, darunter die Sparkassen-Finanzgruppe, die Volks- und Raiffeisenbanken, Deutsche Bank, Postbank, oder ING. Als digitales Zahlungssystem konkurriert Wero mit internationalen Zahldiensten wie PayPal, Apple Pay oder Klarna. Ziel ist eine europaweite Alternative zu amerikanischen Zahlungsdiensten aufzubauen. Bankkunden können bislang aber erst Geld in Echtzeit an Freunde senden – nur mit Telefonnummer oder E-Mail, zum Beispiel für eine geteilte Rechnung im Restaurant. In naher Zukunft sollen auch Zahlungen bei Online-Shops oder im Laden möglich sein. Für viele Beobachter ist das volumenstarke Onlinegeschäft Voraussetzung dafür, dass sich Wero am Markt etablieren kann. Denn bislang nutzen noch nicht besonders viele Menschen das neue Angebot: In Deutschland haben sich bislang etwa 1,8 Millionen Menschen registriert, europaweit sollen es etwa 43 Millionen sein. Vor allem in Frankreich und Belgien wird Wero bereits stärker genutzt.
