Neuer Eigentümer will investieren
: EBM-Papst soll erhalten bleiben

Mulfingen bleibt Hauptsitz des Ventilatorenspezialisten. Gesellschafterfamilien sehen den Verkauf als Wachstumschance.
Von
Thomas Veitinger
Mulfingen
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Der Lüfter-Spezialist EBM-Papst baut in Asien und Amerika regionale Lieferketten auf.

ARCHIV - 27.06.2017, Baden-Württemberg, Hollenbach: Ein Mitarbeiter des Herstellers von Ventilatoren und Elektromotoren, ebm-papst montiert einen Lüfter. Bei der deutschen Elektroindustrie wächst nach zuletzt zweistelligen Zuwächsen die Zuversicht für das Gesamtjahr 2021. (zu dpa: «Deutsche Elektroindustrie nach Zuwächsen optimistischer für 2021») Foto: picture alliance / Daniel Maurer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Lüfter-Spezialist EBM-Papst hat sein Geschäft mit Rechenzentren stark ausgebaut, die gekühlt werden müssen.

Daniel Maurer/dpa
  • EBM‑Papst wird für 4,78 Mrd. Euro an Madison Air verkauft – Behörden müssen noch zustimmen.
  • Mulfingen bleibt Hauptsitz. Die bisherigen Gesellschafterfamilien steigen aus.
  • Madison will Fertigung, Lieferketten und Kommerzialisierung ausbauen und Zugang zum US-Kapitalmarkt eröffnen.
  • Fokus bleibt auf Rechenzentren und Servicegeschäft, Potenzial bei KI-Infrastruktur gilt als groß.
  • Umsatz stieg auf rund 2,24 Mrd. Euro, Kerngeschäft legte zu. Abschluss der Übernahme wird Ende des Jahres erwartet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ziel von EBM-Papst war es immer, Luft und Bewegung effizient zu nutzen. Jetzt soll das Unternehmen einen gewaltigen Schub bekommen: Der Ventilatortenspezialist wird für 4,78 Milliarden Euro an das US-Unternehmen Madison Air verkauft, um laut Mitteilung „sein Wachstum zu beschleunigen“. Madison will das deutsche Familienunternehmen mit Sitz in Mulfingen (Hohenlohekreis) dabei „unterstützen, seine Fertigung, Lieferketten sowie die kommerzielle Umsetzung weiterzuentwickeln und den eingeschlagenen Wachstumskurs mit noch größerer Geschwindigkeit fortzusetzen“. Durch die Partnerschaft erhalte EBM‑Papst zudem einen Zugang zum US-Kapitalmarkt.

Der Chef von EBM-Papst, Klaus Geißdörfer, sagte, das große Potenzial für die Weiterentwicklung der Gruppe sei nicht ausgeschöpft. Mit Madison habe man einen Partner gefunden, der genau verstehe, was EBM-Papst ausmache und was man brauche, um die Marktführerschaft auszubauen. „EBM‑Papst steht heute so stark da wie nie zuvor“, sagte Geißdörfer. Der Vorstandschef hatte zuletzt vor allem das Geschäft mit Rechenzentren stark ausgebaut, die gekühlt werden müssen. Im Rahmen des Verkaufs wird das Familienunternehmen mit 5,1 Milliarden Euro bewertet. Der Verkauf muss allerdings noch von den Behörden genehmigt werden.

Madison Air sei fast nicht in Europa und Asien vertreten, sagte Geißdörfer. „Hier ist EBM-Papst gut aufgestellt. Deshalb ergänzen wir uns gegenseitig gut.“ Mithilfe des neuen Partners könne man unter anderem das Servicegeschäft besser ausbauen. „Dieser Aspekt wird immer wichtiger.“

Nachhaltige Unternehmensentwicklung

Madison Air ist auf Belüftungs-, Filtrations- und Kühlsysteme spezialisiert. Das Industrieunternehmen hat weltweit 9000 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug zuletzt 3,5 Milliarden US-Dollar. Die Gesellschafterfamilien des deutschen Anbieters für Luft-, Kälte- und Klimatechnologie sehen Madison als „idealen Partner“: Madison setze seit Jahrzehnten auf nachhaltige Unternehmensentwicklung. Der Konzern habe eine beeindruckende Aufstellung in der Luft- und Kühltechnologie sowie regional in den USA. Zudem seien die Perspektiven bei Rechenzentren und KI-Infrastruktur seien enorm.

Madison Air erwarte durch den Kauf 160 Millionen Dollar jährliche Kostensynergien innerhalb von drei Jahren, berichtet die Plattform Stocktitian.net. Die Transaktion solle mit Barmitteln, Schulden und Eigenkapital finanziert werden. Unicredit und Wells Fargo stellen laut „Handelsblatt“ Kredite dafür zur Verfügung. Der neue Eigentümer stehe bereit für Investitionen in die Gruppe und ihre Mitarbeitenden, heißt es laut Mitteilung. Wenn die Übernahme doch noch scheitern sollte, bekommen die EBM-Eigentümerfamilien 250 Millionen Euro Entschädigung, heißt es in einer Mitteilung an die US-Wertpapieraufsicht SEC. Die bisherigen Gesellschafterfamilien scheiden nach dem Verkauf aus.

EBM-Papst steigerte Umsatz

Der US-Konzern ist langjähriger Kunde des Familienunternehmens, das weltweit mehr als 13.000 Beschäftigte hat, davon 5800 in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2025/2026, das Ende März dieses Jahres endete, stieg der Umsatz von EBM-Papst um sechs Prozent auf rund 2,24 Milliarden Euro. Allerdings sei das Wachstum durch den Rückzug aus mehreren Geschäftsfeldern beeinflusst worden, im Kerngeschäft sei EBM-Papst um zwölf Prozent gewachsen, hieß es damals.

Das Unternehmen hatte sich aus den Geschäftsfeldern Automobiltechnik und Hausgeräte zurückgezogen. Als Grund wurden vor allem die schwachen Margen genannt. Der Bereich industrielle Antriebstechnik ging an Siemens. Die Erlöse in diesen Segmenten sanken um knapp 19 Prozent auf rund 275 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr rechnete das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum von mehr als zehn Prozent. Zum Gewinn macht EBM-Papst keine Angaben.

Mulfingen bleibt den Angaben zufolge auch bei einem Verkauf Hauptsitz von EBM-Papst. Der Vorstandschef von Madison Air, Jill Wyant sagte: „Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam auf dem bereits starken Fundament aufbauen können.“ Der Vollzug des Geschäfts wird Ende des Jahres erwartet. Larry Gies, Vorsitzender des Board of Directors und Gründer von Madison Air, sagte: „Die Kultur und das Erbe, das die Gesellschafterfamilien in Mulfingen und darüber hinaus aufgebaut haben, gehören zu den größten Stärken der Gruppe und wir werden beides bewahren.“

Energiesparende Motoren entwickelt

EBM-Papst wurde im Jahr 1963 von Gerhard Sturm und Heinz und Günther Ziehl (Söhne des Ziehl-Abegg-Gründers Emil Ziehl) mit 35 Mitarbeitern in Mulfingen als Elektrobau Mulfingen (EBM) gegründet. Das Familienunternehmen entwickelte sich zum weltweiten Hersteller von Ventilatoren und Antriebslösungen. Mit energiesparenden Motoren im Jahr 1975 setzte EBM-Papst wichtige technologische Maßstäbe. 1992 übernahm EBM den Wettbewerber Papst Motoren aus St. Georgen im Schwarzwald, 1997 folgte die Übernahme von Motoren Ventilatoren Landshut (MVL). Das Unternehmen expandierte international und erschloss zahlreiche Branchen – von Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik bis zur Automobilindustrie und zu Hausgeräten.