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: 7 Tipps für junge Frauen: So verhandelst du geschickt dein Einstiegsgehalt

Viele Frauen neigen in Gehaltsverhandlungen zu Bescheidenheit, sagen zwei Experten. Was es im Gespräch zu beachten gibt – und wie man selbstbewusst auftritt.
Von
Jessica Wolf
Blaustein/Düsseldorf
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Illustration Gehaltsverhandlung

Wie führt man eine Gehaltsverhandlung, damit am Ende beide Seiten zufrieden sind? Zwei Experten geben Tipps.

© Redvector/Adobe.Stock.com
  • Experten geben Tipps für Gehaltsverhandlungen für junge Frauen.
  • Frauen sollten selbstbewusst auftreten und ihre Stärken betonen.
  • Gute Vorbereitung ist entscheidend für den Erfolg.
  • Realistische Gehaltsvorstellungen sind wichtig; Kompromisse sollten in Betracht gezogen werden.
  • Wenn keine Einigung erzielt wird, sollte man überlegen, ob das Unternehmen passt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Bewerbungsgespräch läuft soweit gut – die Stimmung hat sich gelockert, alle Fragen wurden selbstsicher beantwortet und allmählich scheint ein Ende in Sicht. Dann aber stellt das Gegenüber die eine zentrale Frage, die für beide Seiten entscheidend sein könnte: „Was haben Sie sich gehaltstechnisch denn vorgestellt?“ Jetzt gilt es, geschickt zu antworten.

Damit die Verhandlung um das Einstiegsgehalt erfolgreich verläuft und beide Parteien zufrieden aus dem Gespräch gehen, gibt es einige Punkte, die man beachten sollte. Petra Bergmann, Leadership- und Strategy-Coachin aus Blaustein, sowie Oliver Meywirth, Geschäftsführer der Personalberatung „Capitalheads a Kienbaum Company“ aus Düsseldorf, geben sieben Tipps für junge Frauen, wie sich diese richtig vorbereiten, souverän argumentieren und selbstbewusst auftreten.

1. Mache dir bewusst, dass du als Frau gefragt bist

Frauen und insbesondere Berufseinsteigerinnen würden in vielen Fällen noch immer zurückhaltender und bescheidener auftreten als Männer, berichtet der Capitalheads-Geschäftsführer aus Erfahrung. Viele neigten dazu, sich und ihre Fähigkeiten schwächer einzuschätzen – ohne Grund, beobachten sowohl Meywirth als auch Bergmann. „Wir haben ganz tolle Bewerberinnen, die souverän und sehr angenehm auftreten“, erzählt er. „Sie sind extrem gefragt am Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen haben verstanden, dass Diversität wichtig ist.“ Sie suchten dementsprechend gezielt nach weiblichen Arbeitskräften, vor allem in technischen Branchen.

2. Gute Vorbereitung ist alles

In Deutschland ist es noch unüblich, einen Gehaltsrahmen bereits in der Stellenanzeige anzugeben, bemängelt Meywirth. Umso wichtiger ist es, das Einstiegsgehalt vorab gründlich zu recherchieren, um im Vorstellungsgespräch ein realistisches Wunschgehalt nennen zu können. Geeignete Quellen sind laut der Experten Internetportale, Tariftabellen und Gehaltsstatistiken. Die Recherche könne zumindest einen Richtwert liefern – das Gehalt schwanke aber je nach Unternehmensgröße, Abteilung, Bundesland und sogar Stadt. Bei der Vorbereitung auf das eigentliche Gespräch könne man etwa ChatGPT als Künstliche Intelligenz heranziehen, regt Bergmann an. Der Chatbot liste mögliche Fragen und passende Antworten auf.

3. Tritt selbstbewusst und professionell auf

Im persönlichen Gespräch mache man als Kandidatin Eindruck, wenn man Förmlichkeit und Professionalität ausstrahlt, sagt Meywirth. Er schlägt einen sicheren Händedruck vor, angemessene Kleidung und außerdem, sich ordentlich und aufrecht hinzusetzen. „Das zeigt den Vertreterinnen und Vertretern des Unternehmens, dass man das ernst nimmt und dass es einem wichtig ist“, erklärt er. Bergmann empfiehlt weiter einen angenehmen Blickkontakt. Man sollte präsent wirken und den Gesprächspartner ausreden lassen. Ruhige Gesten wirkten selbstbewusst, hektisches Fuchteln sollte man vermeiden.

Wenn es in der Verhandlung etwas hakt oder das Gegenüber versucht, einen aus der Reserve zu locken, sollte man nicht gekränkt oder eingeschnappt reagieren, sagt Meywirth. „Gerade da zeigt sich: Wer ist wirklich selbstbewusst und wer kann damit charmant umgehen? Man sollte versuchen, professionell und freundlich zu bleiben“, rät er und fasst zusammen: „Authentisch bleiben, sich nicht verstellen und gleichzeitig sachlich und auf der Höhe sein.“

Oliver Meywirth ist Geschäftsführer von Capitalheads a Kienbaum Company, ein Personalberatungsunternehmen aus Düsseldorf. Der Fokus von Capitalheads liegt auf dem Thema Young Professionals.

Oliver Meywirth ist Geschäftsführer von „Capitalheads a Kienbaum Company“, ein Personalberatungsunternehmen aus Düsseldorf. Der Fokus von Capitalheads liegt auf dem Thema Young Professionals.

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4. Übertreibe nicht mit deinem Wunschgehalt

Ein typischer Fehler sei, dass die Gehaltsvorstellung zu hoch oder zu niedrig angesetzt werde, schildert Meywirth. Seine Richtlinie: Eine Zahl nennen, mit der man sich wohlfühlt und die für beide Seiten fair erscheint. „Wenn man völlig überzieht, schürt man beim Gegenüber eine Erwartungshaltung, die gerade eine Berufseinsteigerin vielleicht gar nicht leisten kann. Genauso kann es nicht funktionieren, wenn ich am Monatsende auf meinen Gehaltszettel schaue und denke: ‚Eigentlich bin ich zehn Prozent mehr wert.‘“, erklärt er. Bergmann findet, man müsse sich eine zentrale Frage stellen: „Mit welchem Betrag fühle ich mich leistungsgerecht entlohnt?“

Sie tendiert dazu, in der Verhandlung eine etwas höhere Zahl zu nennen als die, die man erreichen möchte. „Weil die tendenziell immer etwas heruntergehandelt wird“, erklärt sie. So oder so: Es sei wichtig, eine Untergrenze festzulegen, da sind sich beide Experten einig. Alles darunter wird dann nicht akzeptiert.

5. Punkte mit deinen Stärken und Erfolgen

Die Gehaltsbänder seien bei Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern noch relativ eng gesteckt, sagt Meywirth. Daher zählen die richtigen Argumente, um das angestrebte Gehalt zu rechtfertigen. Auch Einsteigerinnen bringen bereits Qualitäten mit, betonen beide Experten. Eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium beispielsweise, genauso Gruppenarbeiten, Seminar- oder Hausarbeiten, Projekte, Praktika, Werkstudententätigkeiten, Nebenjobs oder Auslandsaufenthalte. „Auch das sind Erfolge, die ich darlegen sollte“, weiß der Capitalheads-Geschäftsführer.

Folgende Aspekte können sich laut Bergmann im Gehalt ebenfalls niederschlagen und entsprechend für die Argumentation genutzt werden: Wie viel Verantwortung man in der Position übernimmt, ob man als Trainee startet oder gar in einer Teamleitungsstelle, ob man in verschiedenen Schichten arbeitet oder auf Rufbereitschaft. Ihr Tipp: Die Argumentation so aufbauen, dass das stärkste Argument zuletzt kommt.

Petra Bergmann ist ausgebildeter Business Coach in Arbeits- und Organisationspsychologie sowie systemischer Organisationsentwicklung.

Petra Bergmann (BEMA Coaching) ist Leadership- und Strategy-Coachin. Ihr Büro ist in Blaustein.

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6. Überlege dir mögliche Kompromisse

Kommt es beim Jahresgehalt zu keiner Einigung, kann es sich auch lohnen, über Benefits zu verhandeln, sagt Bergmann. Etwa über einen Firmenwagen, flexible Arbeitskonditionen oder einen Jahresbonus. Oder man einigt sich auf einen Kompromiss, etwa: Erreicht man ein bestimmtes Ziel innerhalb von einem halben Jahr, gibt es eine Gehaltserhöhung. Lässt man sich darauf ein, sollte diese Zielvereinbarung detailliert schriftlich festgehalten werden, mit einem festgelegten Zeitrahmen, rät die Coachin.

7. Hinterfrage, ob das Unternehmen zu dir passt

Wenn die Verhandlung offenbar zu keinem Ergebnis führt, müsse man sich laut Meywirth eine Frage stellen: „Möchte ich dann da arbeiten?“ Vor allem, wenn man das Gefühl habe, dem Unternehmen sei die eigene Arbeitsleistung oder die Position, auf die man sich bewirbt, nicht genug wert. „Wenn ich zum Beispiel denke, meine Arbeitszeit ist 50.000 Euro im Jahr wert und das Unternehmen will aber nur 36.000 Euro zahlen, dann könnte man zwar versuchen, sich in der Mitte zu treffen“, erklärt er. „Man könnte aber auch akzeptieren, dass das vielleicht nicht der richtige Arbeitgeber für mich ist. Dann lieber ein paar Monate länger suchen und etwas finden, wobei man ein gutes Gefühl hat.“

Das verdienen Berufseinsteigerinnen und -einsteiger in Deutschland

Mit Berufserfahrung von weniger als einem Jahr liegt das Mediangehalt in Deutschland über alle Branchen hinweg bei 38.250 Euro. Kann man bereits Erfahrung von ein bis zwei Jahren vorweisen, liegt das Mediangehalt bei 40.000 Euro. Diese Angaben finden sich im Gehaltsreport 2024 des Jobportals Stepstone. Der „basiert auf einer der größten Gehaltsdatenbanken in Deutschland mit Einkommensangaben unter Berücksichtigung von Ort und Region, Berufsgruppe, Branche oder auch Berufserfahrung“, heißt es auf der Webseite.

In diesem Report werden Median- statt Durchschnittsgehälter aufgeführt. Der Median ist der Wert, der genau in der Mitte liegt, wenn alle Einkommen der Größe nach sortiert werden. Das heißt: Eine Hälfte der Einkommen liegt über und die andere Hälfte unter diesem Wert.

Laut Gehaltsreport ist das Mediangehalt für Menschen mit weniger als einem Jahr Berufserfahrung am höchsten in der Berufsgruppe der Ärztinnen und Ärzte. Das liegt bei 60.000 Euro. Danach folgt die Ingenieurwesen-Branche mit 50.750 Euro. Am niedrigsten ist das Mediangehalt mit geringer Berufserfahrung in der Gastronomie und Hotellerie. Wer hier weniger als ein Jahr vorweisen kann, den erwarten 30.750 Euro.