Nachhaltige Geldanlage
: Der Klimawandel als Rendite-Killer

Die Klimakrise ist auf der politischen Tagesordnung weit nach hinten gerutscht. Doch fehlender Klimaschutz bedroht nicht nur das Leben von Menschen, sondern auch das Geld von Anlegern.
Von
Jürgen Lutz
Ulm
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735031053 - Geld, Feuer, Brand, brennendes Geld, Hand. Download am 11.11.2024 für Alexander Bögelein, SWP, Wirtschaft, Online und Print. Foto: ©  K.-U. Häßler/adobe.stock.com

Nach einer Studie der Experten von Allianz Research werden auch Anlegerinnen und Anleger die Auswirkungen der Klimakrise zu spüren bekommen.

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  • Klimawandel gefährdet Renditen; Studie von Allianz Research: künftige Renditen sinken auf 4%.
  • Extremereignisse wie Überflutungen und Brände bremsen Wirtschaftswachstum.
  • Vermögensverwalter: Technologischer Fortschritt könnte negative Effekte mildern.
  • Nachhaltige Geldanlagen: Fokus auf klimaschonende Unternehmen und neue Technologien.
  • Vorsicht vor Greenwashing bei ESG-ETFs.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Weltklimakonferenz in Aserbaidschan fällt in eine schwierige Zeit für die knapp 200 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen. Das 2015 in Paris beschlossene Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, rückt angesichts einer Vielzahl von Krisen in weite Ferne. Die Entwicklungsländer fordern mehr Geld. China und die USA, die mit Abstand größten CO2-Emittenten, wollen nichts bezahlen.  Derweil wird immer häufiger deutlich, wie zuletzt in Spanien, wie der Klimawandel reguläre Wetterlagen verstärkt und aus starken, tödliche Regenfälle macht. Dabei ist unstrittig, dass nachhaltiges Verhalten nicht nur ökologisch und gesellschaftlich sinnvoll ist, sondern auch ökonomisch.

Rendite schmilzt auf vier Prozent pro Jahr

Nach einer Studie von Allianz Research werden Anleger bald nicht mal mehr halb so viel verdienen wie früher. Grund sei der Klimawandel, der die Erträge von Unternehmen und Aktien gehörig unter Druck setze. Seit 1980 sind Investoren mit einem klassischen Depot aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen in den USA als dem global lukrativsten Kapitalmarkt gut gefahren: Im Durchschnitt wurden sie mit Jahresrenditen von zehn Prozent verwöhnt. Doch wenn es stimmt, was die Allianz-Ökonomen in der aktuellen englischsprachigen Studie „Langfristige Erträge am Kapitalmarkt in Zeiten des Klimawandels“ behaupten, müssen Anleger bei ihren Rendite-Erwartungen in Zukunft abspecken: Zur Mitte dieses Jahrhunderts werden nach ihrer Einschätzung für ausgewogene Depots Renditen von nur noch vier Prozent drin sein.

Hinter der prognostizierten Halbierung der Renditen stehen der globale Klimawandel und seine ökonomischen Folgen. Die Allianz-Analysten rechnen damit, dass Extremereignisse wie Überflutungen, Brände oder Verwüstung das Wachstum der Wirtschaft spürbar bremsen werden. Diese Naturkatastrophen dürften nach ihrer Meinung durch Produktionsausfälle oder die Unterbrechung von Lieferketten die Erträge vieler Firmen und damit von Aktien negativ beeinflussen. Zudem müsse wegen der in Zukunft höheren Schwankungen am Aktienmarkt der Anteil von (Staats-)Anleihen im Depot spürbar erhöht werden. Außerdem werden laut Studie mittelfristig die Zinsen sinken, was sich ungünstig auf die Rendite ausgewogenen Depots auswirkt.

Praktiker in der Vermögensverwaltung sehen solche langfristigen Prognosen aber skeptisch. „Es gibt viele Faktoren, die sich mit der Zeit ändern können. Der Erfindungsreichtum der Menschheit, der sich auch im technischen Fortschritt ausdrückt, gehört dazu“, sagt Vermögensverwalter Andreas Enke. So könnten Unternehmen Lösungen für eine bessere Anpassung an den Klimawandel entwickeln, mit denen sich gutes Geld verdienen lasse. Zudem dürfte der Technologie-Sektor auch künftig für Produktivitätsschübe sorgen, von denen die Aktienmärkte profitieren werden. Vermögensverwalter Stefan Eberhardt erinnert daran, dass viele Langfrist-Prognosen nicht eingetroffen seien. Im Gegenzug hätten Ökonomen große Gefahren wie die Finanzkrise in den Jahren 2008/09 auch kurz vor dem Ausbruch nicht kommen sehen.

Auf Klimagewinner fokussieren

Vor diesem Hintergrund halten es Enke und Eberhardt für sinnvoll, dass sich Anleger zunehmend mit nachhaltigen Geldanlagen beschäftigen – aus ethischen Gründen sowie aus finanziellen Motiven. Zum einen seien in nachhaltigen Portfolios beziehungsweise Fonds und ETFs weniger oder keine Unternehmen aus Sektoren enthalten, deren Anlagen unter den Folgen des Klimawandels leiden könnten – etwa Schwerindustrie, Bergbau, Ölförderung. Durch diese engere Auswahl setzten Anleger automatisch verstärkt auf weniger gefährdete Wirtschaftssektoren. „Zum anderen haben nachhaltige Portfolios auch den Fokus auf Unternehmen, die neue, renditeträchtige Produkte und Dienstleistungen für die bessere Anpassung an den Klimawandel entwickeln“, sagt Eberhardt.

Einfache ESG-Fonds schneiden besser ab als Schwester-ETFs

Was aber ist mit Rendite-Rennern wie der Rüstungsindustrie, die bei der nachhaltigen Geldanlage keine Rolle spielt? Könnten nachhaltige ETFs so gegenüber den üblichen Finanzprodukten bei der Rendite ins Hintertreffen geraten? Andreas Enke hält das für unwahrscheinlich. Bereits einfache ESG-Indexfonds, also solche Investmentfonds, die in Übereinstimmung mit bestimmten Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG-Kriterien) investieren, haben nach seinen Worten im Vergleich zu den üblichen Schwester-ETFs in den vergangenen fünf Jahren etwa einen Prozentpunkt per anno mehr an Rendite erzielt. „Ich denke, dass sich dieser Trend mittelfristig fortsetzen wird,“ sagt Enke.

Vorsicht Greenwashing! Anleger müssen genau hinschauen

Das Etikett „nachhaltige Geldanlage“ wird oft nur als Kundenfang genutzt. Stichwort Greenwashing. Viele angeblich nachhaltige ETF entsprechen zu 90 bis 95 Prozent exakt dem nicht-nachhaltigen Index. So enthalte der MSCI Europe ESG Screened aktuell 384 der 416 Aktien, die sich auch im „normalen“ MSCI Europe befinden, sagt Vermögensverwalter Andreas Enke. Je laxer die Ausschlusskriterien des Indexanbieters seien, desto mehr Unternehmen bestünden das Screening.  So habe beispielsweise der MSCI Europe SRI deutliche strengere Kriterien. Er enthalte nur 113 Unternehmen statt 384 wie der ESG-Index. Anleger müssten daher genau hinschauen und dürften sich nicht von Worthülsen blenden lassen. Dennoch würden solche ESG-ETFs besser abschneiden als die ETFs auf die üblichen Indizes.