Müller, Aldi, Nivea, Hipp, dm
: Welche Sonnencreme Kinderhaut besonders gut schützt

Öko-Test hat auch in diesem Jahr wieder Kindersonnenmilch unter die Lupe genommen – mit überraschenden Ergebnissen.
Von
Caroline Strang
Berlin
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ILLUSTRATION - 26.06.2024, Berlin: Eine Mutter cremt ihr Kind mit Sonnenschutz ein. (zu dpa: «Sonnencreme-Mythen im Check: Was stimmt wirklich?») Foto: Annette Riedl/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Dass Sonnenschutz gerade auch für Kinder extrem wichtig ist, haben inzwischen viele Eltern verstanden. Sie sollten Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden.

dpa
  • Öko-Test prüfte Kindersonnencremes: viele Produkte schneiden sehr gut ab.
  • Kaum bedenkliche Stoffe, UV-Filter unkritisch, LSF-Angaben meist verlässlich.
  • Ausnahmen: Bevola Kids 50+ verfehlte den geforderten LSF 60 im Labor deutlich.
  • Günstig und top: Lacura Sun Kids 50+ von Aldi Süd; auch Müller, dm, Nivea, Hipp stark.
  • Kritik an Deklaration: „parfümfrei“ trotz Benzylalkohol, vage Umweltclaims, fehlende Warnhinweise.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Kriterien von Öko-Test gelten als ziemlich streng. Da überrascht es umso mehr, wenn ein Test so positiv ausfällt wie die aktuelle Prüfung von Sonnencreme für Kinder. „Weichmacher höchstens in Spuren, keine bedenklichen UV-Filter, kaum Abweichungen beim Lichtschutzfaktor“, fassen die Tester zusammen. Fast schon ein „blendendes Testergebnis“.

Aber eben nur fast. Denn ein paar Punkte gibt es bei der Auswahl des richtigen Sonnenschutzmittels für Kinderhaut doch zu beachten. Wobei die positive Zusammenfassung von Öko-Test-Biologin Christine Throl lautet: „Eltern brauchen bei Sonnenschutzmitteln für Kinder keine Kompromisse machen – die meisten Produkte im Test können wir empfehlen.“

So schnitten nur zwei der 22 getesteten Produkte lediglich mit „befriedigend“ ab. Die Eigenmarken-Creme von Kaufland beispielsweise, Bevola Kids Sonnenmilch 50+, blieb in den Messungen des Lichtschutzfaktors hinter den Erwartungen zurück. „Lobt ein Hersteller den LSF 50+ aus, muss das Produkt unter Laborbedingungen mindestens einen Wert von 60 erreichen“, erklärt Öko-Test dazu. Diesen habe das Bevola-Produkt jedoch in der Analyse um mehr als ein Viertel unterschritten. Was bedeutet, dass die Milch zwar immer noch einen hohen Lichtschutzfaktor aufweist, aber nicht den versprochenen.

Weichmacher kaum mehr auffindbar

Viele andere Cremes hingegen kamen mit einem „Sehr gut“ durch den Test, darunter die günstigste: Lacura Sun Kids Sonnenmilch 50+ von Aldi Süd (3,45 Euro pro 200 Milliliter). Aber auch Sonnenschutz von Müller, dm, Nivea oder Hipp überzeugte die Tester, hier liegen die Preise zwischen 4,25 Euro und 12,99 Euro. Auch die Kindersonnenschutzmittel aus dem Bereich Naturkosmetik, beispielsweise von Rossmann und dm, schnitten überwiegend sehr gut ab.

Die Ergebnisse waren nicht immer so positiv. Ein kurzer Rückblick: Vor zwei Jahren sahen die Ergebnisse noch deutlich problematischer aus (wir berichteten). Nachdem 2024 ein Abbauprodukt des verbotenen fortpflanzungsgefährdenden Weichmachers Di-n-hexylphthalat (DnHexP) in Urinproben von Kindern und Erwachsenen gefunden worden war, hatte Öko-Test die wahrscheinliche Quelle, den häufig eingesetzten UV-A-Filter Diethylaminohydroxybenzoylhexylbenzoat (DHHB), auch in einigen Sonnenschutzmitteln gefunden. Die gemessenen Gehalte waren dabei durchaus beachtlich und lagen bei bis zu 21 Milligramm DnHexP pro Kilogramm Sonnencreme.

Das hatte Folgen: Der Wissenschaftliche Ausschuss der EU-Kommission für Verbrauchersicherheit bewertete im vergangenen Jahr diesen UV-Filter neu und legte inzwischen eine Höchstmenge für die Verunreinigung dieses Filters mit DnHexP in der Kosmetikverordnung fest. „Ab Januar 2027 dürfen nur noch Sonnenschutzmittel in Verkehr gebracht werden, die diesen Wert einhalten“, erklären die Verbraucherschützer von Öko-Test.

Produkte unklar deklariert

Vielleicht ist der Grenzwert in diesem Fall aber gar nicht mehr so wichtig. Denn im aktuellen Test schaffen die Hersteller es bereits, den Stoff zu vermeiden. „Das Labor wies nur noch in einem einzigen Sonnenschutzmittel im Test, dem Apothekenprodukt La Roche-Posay Anthelios Dermo-Pediatrics hydratisierende Lotion 50+, Gehalte von deutlich weniger als einem Milligramm pro Kilogramm nach.“ In allen anderen Produkten sei DnHexP nicht nachweisbar gewesen.

Kritik üben die Tester teils an der Deklaration der Produkte. Zum einen halten sie Begriffe auf den Verpackungen wie „parfümfrei“ für problematisch, da das Produkt gleichzeitig Benzylalkohol enthält, der als Duftstoff gilt. Sie bemängeln auch pauschale Umweltaussagen wie „korallenfreundlich“ oder „sanft zur Umwelt“, die nicht belegt werden. Außerdem bemängeln sie, dass die sieben Anwendungs- und Warnhinweise, die der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW) formuliert hat und die laut Verband auf der Packung stehen sollten, beispielsweise bei Nivea fehlen.

Die Hinweise sind:

  • Intensive Mittagssonne vermeiden.
  • Sonnenschutz vor dem Sonnen auftragen.
  • Mehrfach auftragen, um den Lichtschutz aufrechtzuerhalten, insbesondere beim Schwitzen oder nach dem Schwimmen und Abtrocknen.
  • Sonnenschutzmittel großzügig auftragen. Geringe Auftragsmengen reduzieren die Schutzleistung.
  • Babys und Kleinkinder vor direkter Sonneneinstrahlung schützen.
  • Für Babys und Kleinkinder schützende Kleidung sowie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF größer als 25) verwenden.
  • Auch Sonnenschutzmittel mit hohen Lichtschutzfaktoren bieten keinen vollständigen Schutz vor UV-Strahlen.

Wie wichtig solche Hinweise sind, zeigt eine Umfrage des IKW. Dabei gab fast die Hälfte der Eltern von 7- bis 10-Jährigen an, dass ihr Kind schon einmal einen Sonnenbrand hatte. 31 Prozent der Befragten sagten, dass dies schon bei ihren Babys und Kleinkindern bis zu 3 Jahren vorkam. 30 Prozent der Eltern sagten sogar, dass das Kind im Sommer schon öfter einen Sonnenbrand hatte. Knapp ein Fünftel aller Eltern gaben zu, dass sie häufig vergessen, Sonnenschutz aufzutragen.

40 Millionen Euro Umsatz

Der Umsatz mit Sonnenschutz für Kinder ist in den vergangenen Jahren laut einer GfK-Studie stark angestiegen. Im Jahr 2023 lag er in Deutschland bei rund 40,5 Millionen Euro. Insgesamt verzeichnet der Markt für Sonnencreme in Deutschland in diesem Jahr laut Schätzungen einen Umsatz von etwa 257 Millionen Euro. Pro Kopf entspricht das rund 3 Euro. Der Umsatz steigt seit Jahren stetig – mit Ausnahme einer Corona-Delle 2020 und 2021.

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