Stihl Waiblingen: Motorsägen- und Gartengerätehersteller will Stellen streichen

Stihl verkündet gute Zahlen - und wird trotzdem weltweit 500 Stellen streichen.
Bernd Weißbrod/dpa- Stihl streicht weltweit 500 Stellen wegen der Wirtschaftslage.
- Fokus auf Verwaltung, sozialverträgliche Maßnahmen in Deutschland.
- Wandel zu Akku-Geräten könnte weitere Stellen kosten.
- Umsatz stieg 2024 um 1,1% auf 5,33 Milliarden Euro.
- Stihl investierte 349 Millionen Euro weltweit.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Motorsägen- und Gartengerätehersteller Stihl will wegen der schwierigen Wirtschaftslage weltweit rund 500 Stellen streichen. „Wir müssen natürlich die Kosten- und Personalstruktur den Gegebenheiten des Marktes anpassen. Das ist ganz klar“, sagte Personalvorstand Michael Prochaska in Waiblingen bei Stuttgart. Die Stellen sollen insbesondere in der Verwaltung abgebaut werden. „Der Anzug muss dem Kerl passen“.
In Deutschland sollen – wie bereits bekannt – Stellen im niedrigen dreistelligen Bereich wegfallen. Das soll sozialverträglich geschehen, unter anderem durch altersbedingte Austritte und ein Freiwilligenprogramm. Kündigungen seien nicht geplant. „Der Standort Deutschland bleibt für uns trotz widriger Rahmbedingungen von strategischer Bedeutung und die Region Waiblingen unsere Heimat“, sagte Traub. „Gleichzeitig stärken wir unsere Gruppe aber auch dadurch, dass wir wichtige Entscheidungskompetenzen in die Märkte verlagern und unseren globalen Fertigungsverbund weiter optimieren.“
Weltweit hatte Stihl Ende vergangenen Jahres gut 19.700 Beschäftigte und damit etwas weniger als Ende 2023. Mehr als 6000 Menschen arbeiteten am deutschen Stammhaus, zu dem mehrere Werke in der Region Stuttgart, aber auch im Landkreis Konstanz und in Weinsheim in Rheinland-Pfalz gehören.
Verbrenner-Jobs fallen weg
Während des coronabedingten Booms beschäftigte Stihl weltweit rund 21.600 Menschen. In einer gewissen Euphorie habe man zahlreiche Stellen aufgebaut und mit hohen Wachstumsraten gerechnet, sagte Stihl-Vorstandschef Michael Traub. Das erwartete Wachstum finde in dieser Form allerdings nicht statt.
In Zukunft könnte auch der Wandel hin zu Akku-Geräten zu einem Wegfall von Jobs führen. 2024 hatte ein Viertel der abgesetzten Produkte einen Akku, bis 2027 sollen es 35 Prozent sein. Beim Absatz liegt der Akku-Anteil in Deutschland und der Schweiz sogar schon bei um die 60 Prozent. „Die Transformation hin zu Akku-Produkten ist für uns ein entscheidender Schritt, um unsere Technologieführerschaft auch in Zukunft zu sichern“, sagte Traub dazu.
Aber hierzulande produziert das Unternehmen aber vor allem Geräte mit Verbrenner. „Wenn der Anteil unserer Benzingeräte am Gesamtabsatz geringer wird, ist die Beschäftigung in Deutschland geringer“, so Traub. Wie viel das genau sei, werde die Zeit zeigen. Den Verlust könne man aber nicht wettmachen, da die „Wettbewerbsbedingungen in Deutschland nicht gut genug sind, um hier Akkugeräte zu machen. Punkt.“
Deutlich mehr Geschäft als vor Corona
Nach einem Minus 2023 stieg der Umsatz des Mittelständlers im vergangenen Jahr wieder – um 1,1 Prozent auf 5,33 Milliarden Euro. Vom coronabedingten Umsatzrekord von 5,5 Milliarden Euro war Stihl aber noch ein Stück entfernt. Das Ergebnis sei zufriedenstellend: Mit „operative Stabilität trotz herausfordernder Rahmenbedingungen“, umschrieben die Verantwortlichen die Lage. Konkrete Angaben zum Gewinn macht das Familienunternehmen traditionell nicht. Allein das Stammhaus erwirtschaftete laut Stihl 2024 einen Umsatz von 1,63 Milliarden Euro.
Der Ausblick fiel verhalten aus: Stihl mache mehr als 90 Prozent seines Umsatzes im Ausland, sagte Traub. Deshalb sei man anfällig für die Schwankungen in der Welt. Der Manager rechnete für das laufenden und die kommenden Jahre mit einem Wachstum im niedrigen einstelligen Bereich.
Stihl – nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Motorsägen – hatte in der Corona-Pandemie stark davon profitiert, dass sich zahlreiche Menschen auf Eigenheim und Garten konzentrierten – und dafür viel Geld ausgaben. Im Vor-Pandemie-Jahr 2019 lag der Erlös des Unternehmens noch deutlich niedriger bei rund 3,9 Milliarden Euro.
Fast 350 Millionen Euro investiert
Der Hersteller investierte 2024 weltweit 349 Millionen Euro, darunter 133 Millionen Euro am Stammhaus in Deutschland, beispielweise in die EC-Motorenfertigung sowie ein neues Servicegebäude. International lagen Schwerpunkte laut Unternehmensangaben unter anderem auf dem Ausbau der Akku-Fertigung in den USA sowie einem neuen Werk im rumänischen Oradea mit einem Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro.
