Mobilität
: Wissenschaftler schockiert: So viel Sprit verbrauchen Plug-in-Hybride

Eine Studie zeigt bei Plug-in-Hybriden extreme Abweichungen im Kraftstoffverbrauch zwischen Theorie und Praxis. Nach Angaben des Fraunhofer ISI schlucken die Fahrzeuge im Alltagsbetrieb auf der Straße im Schnitt das Vierfache der Normverbräuche.
Von
Christof Rührmair
Karlsruhe
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Elektromobilität: ARCHIV - 16.04.2021, Berlin: Ein Auto mit Plug-in-Hybrid-Antrieb lädt in Berlin-Mitte an einer Ladesäule. (Archivbild) (zu dpa: «Genaue Förderbedingungen für Hybrid-Autos noch unklar») Foto: Christoph Soeder/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Auto mit Plug-in-Hybrid-Antrieb lädt in Berlin-Mitte an einer Ladesäule. Der Kraftstoffverbrauch dieser Fahrzeuge ist einer Untersuchung des Fraunhofer ISI deutlich höher als angegeben.

Christoph Soeder/dpa
  • Studie: Plug-in-Hybride verbrauchen im Alltag viermal mehr Sprit als angegeben.
  • Realdaten von knapp 1 Mio. Fahrzeugen, Baujahre 2021 bis 2023, ausgewertet.
  • Normverbrauch ca. 1,5 l/100 km, real etwa 6 l/100 km; CO₂ und Kosten steigen.
  • Auch im überwiegend elektrischen Modus Ø etwa 3 l pro Kilometer, laut SWR.
  • Forscher fordern EU-Regeln zu Verbrauchsmessung zu verschärfen; WLTP betroffen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Alltagsbetrieb sind Plug-in-Hybride sehr viel durstiger als auf dem Papier. Im Schnitt verbrauchen sie etwa das Vierfache des offiziellen Werts, wie eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und anderer Organisationen zeigt. Basis der Untersuchung sind Echtdaten von knapp einer Million Fahrzeuge verschiedener Hersteller mit den Baujahren 2021 bis 2023.

Dass Autos – auch anderer Antriebsarten – im Alltag vom im vorgegebenen WLTP-Zyklus gemessenen Normverbrauch abweichen, ist bekannt. Auch der Vorwurf, dass die Differenz bei Plug-in-Hybriden besonders hoch sein könnte, wird immer wieder vorgebracht. Der jetzt gemessene Unterschied ist allerdings extrem: Während der durchschnittliche Normverbrauch ungefähr bei 1,5 Litern auf 100 Kilometern lag, waren es den Realdaten zufolge um die 6 Liter pro 100 Kilometer. Entsprechend höher sind CO₂-Ausstoß und Spritkosten.

Bei neuen Plug-in-Hybriden könnte der Unterschied allerdings niedriger ausfallen. Die Regeln für die Verbrauchsmessung des Antriebstyps wurden zwischenzeitlich verschärft. Der WLTP gibt eine genaue Abfolge von Geschwindigkeiten und Beschleunigungen vor. Ziel ist es, vergleichbare Verbrauchswerte zu ermitteln.

Drei Liter Spritverbrauch selbst im Elektromodus

Zu der Diskrepanz trägt nach einem Bericht des SWR bei, dass die Autos im Alltag selbst im überwiegend elektrischen Entlademodus durchschnittlich etwa 3 Liter pro Kilometer verbrauchten – viel mehr als bisher gedacht. Dies sei ein Schock für alle beteiligten Wissenschaftler gewesen, sagt Studienleiter Patrick Plötz vom Fraunhofer ISI.

Aufgrund der neuen Ergebnisse fordern die Wissenschaftler, die EU-Regularien anzupassen. Die Lücke zwischen „theoretischem“ und „tatsächlichem“ Kraftstoffverbrauch sei viel zu groß. Diese müsse durch schärfere Vorgaben bei der Berechnung des Kraftstoffverbrauchs von Plug-in-Hybriden deutlich verkleinert werden.

Eine solche Anpassung hätte auch Auswirkungen für die Autohersteller, denn die Einhaltung der ihnen von der EU vorgegebenen CO2-Flottenwerte wird anhand der WLTP-Verbräuche berechnet.

Auch Plötz plädiert für eine Anpassung an die Realität auf der Straße: „Wir können heute, weil es jetzt die Daten und die Infrastruktur gibt, aufhören, Fahrzeuge nach ihrer Typgenehmigung zu bewerten, sondern können die Realdaten messen und sagen: Die Hersteller, die auf der Straße die Grenzwerte einhalten, die sind gut, und wer die auf der Straße nicht einhält, der muss vielleicht eine Strafzahlung leisten.“