Mercedes und Porsche
: Krise im Autoland Baden-Württemberg verschärft sich

Die beiden Stuttgarter Autokonzerne haben tiefe Bremsspuren in ihren Halbjahresbilanzen. Die Gewinne brechen dramatisch ein. Was die Probleme sind und wie Experten die Lage beurteilen.
Von
Alexander Bögelein
Stuttgart
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Mercedes-Benz: 29.07.2025, Baden-Württemberg, Stuttgart: Regentropfen sind auf einem Mercedes-Stern auf einem Fahrzeug zu sehen. (zu dpa: «Gewinn bei Mercedes-Benz bricht um mehr als die Hälfte ein») Foto: Markus Lenhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Regentropfen sind auf einem Mercedes-Stern auf einem Fahrzeug zu sehen.  Mercedes wie auch Porsche erleben derzeit wirtschaftlich stürmische Zeiten.

Markus Lenhardt/dpa
  • Mercedes und Porsche melden massive Gewinneinbrüche im ersten Halbjahr 2023.
  • Mercedes: Gewinneinbruch um 55,8 % auf 2,7 Mrd. Euro, Umsatz um 8,6 % gesunken.
  • Porsche: Gewinneinbruch um 71 %, Marktprobleme in China und USA belasten.
  • Zölle, E-Mobilitätskosten und fehlende Innovationen verschärfen die Krise.
  • Experten: Deutsche Autos in China zu teuer, chinesische Hersteller günstiger und innovativer.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Schwere Zeiten für das Autoland Baden-Württemberg: Die beiden ehemals erfolgsverwöhnten Flaggschiffe, Mercedes-Benz und Porsche, leiden extrem unter der geringen Nachfrage nach ihren Modellen. Das hinterlässt tiefe Bremsspuren in den Bilanzen der beiden Autobauer. Bei Mercedes-Benz ist der Gewinn im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 55,8 Prozent von rund 6,1 Milliarden Euro auf rund 2,7 Milliarden Euro eingebrochen, wie der Autobauer mitteilte. Als Gründe dafür führten die Stuttgarter unter anderem Zölle, geringere Absatzzahlen und Aufwendungen für Effizienzmaßnahmen an.

71 Prozent weniger Gewinn für POrsche

Noch schlechter ist die Entwicklung bei Porsche. Der Gewinn des Sport- und Geländewagenbauers Porsche ist im ersten Halbjahr um 71 Prozent auf 718 Millionen Euro eingebrochen. Die Situation hat sich damit weiter zugespitzt: Im ersten Quartal hatte Porsche noch einen Nachsteuergewinn von rund 518 Millionen Euro gemeldet – im Zeitraum von April bis Juni kamen nur 200 Millionen hinzu. Im Autogeschäft stürzte das operative Ergebnis im zweiten Quartal um 91 Prozent ab. Porsche-Vorstandschef Oliver Blume, der auch an der Spitze des Mutterkonzerns Volkswagen steht, spricht von erheblichen Herausforderungen. Es ist kein Unwetter, das vorüberzieht.“ Die Welt verändere sich massiv – und anders als vor einigen Jahren erwartet. Erst von 2026 an erwartet Blume wieder ein „positives wirtschaftliches Momentum“.

Porsche hat vor allem drei Problemfelder. In China schrumpft der Marktanteil zum einen wegen der stark aufkommenden Konkurrenz, zum anderen, weil der Automarkt im Reich der Mitte unter anderem in der Mittelklasse wächst und im Segment der  Hybrid-Fahrzeuge, letzteres sind Autos, die zwei Antriebsarten kombinieren. In beiden Segmenten ist Porsche nicht beziehungsweise kaum vertreten.

Auch im zweiten wichtigen Absatzmarkt läuft es alles andere als rund. Die USA haben angesichts der schleppenden Verkäufe als Absatzmarkt noch mehr an Bedeutung gewonnen als ohnehin schon. Doch belasten die verhängten Zölle das Geschäft. Im Gegensatz zu anderen deutschen Herstellern verfügt Porsche über keine Fabrik in den USA und ist daher den Einfuhrzöllen in vollem Umfang ausgesetzt.

Obendrein belasten den Sportwagenbauer die hohen Investitionen in die E-Mobilität, vor allem mit Blick auf den langsamen Hochlauf des E-Automarktes.  Daher ist Sparen angesagt: Die Strukturen sollen schrumpfen, bis 2029 will die Porsche-Führung rund 1900 Stellen in der Region Stuttgart streichen. Und ein weiteres Sparprogramm ist schon in Arbeit. Blume hatte die Belegschaft in der vergangenen Woche in einem Brief auf weitere Einschnitte vorbereitet.

US-Zölle belasten Mercedes in dreistelliger Millionenhöhe

Auch bei Mercedes kriselt es heftig. Bereits im Februar hatte der Konzern ein Sparpaket aufgelegt. Das Konzernergebnis schrumpfte im zweiten Quartal dennoch um  69 Prozent auf 957 Millionen Euro, damit beschleunigte sich auch bei Mercedes die negative Entwicklung seit Jahresbeginn.  Vorstandschef. Källenius verwies bei den Gründen auch auf den intensiven Wettbewerb in China – dem wichtigsten und größten Markt für Mercedes.

Finanzchef Harald Wilhelm bezifferte die Belastungen durch Zolleffekte im zweiten Quartal auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Diese dürften vor allem mit den US-Zöllen für Importe aus der EU zusammenhängen. Für Beschäftigte, die im Rahmen eines Sparprogramms Abfindungsangebote unterzeichnet hätten, seien 560 Millionen Euro zurückgestellt worden. Genaue Angaben zur Anzahl der Beschäftigten, die das Unternehmen in diesem Zusammenhang verlassen, machte Wilhelm nicht.

Im laufenden Geschäftsjahr rechnet Mercedes mit einem Konzernumsatz deutlich unter dem Vorjahresniveau. Die bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte soll 2025 nur noch zwischen vier und sechs Prozent liegen. Im ohnehin schon schwachen Vorjahr betrug sie 8,1 Prozent. Auch der Absatz werde deutlich niedriger ausfallen. Der Umsatz fiel im ersten Halbjahr um 8,6 Prozent von 72,6 Milliarden Euro auf rund 66,4 Milliarden Euro.

Experten sind sich einig: Zu teuer und zu wenig innovativ

Nach Ansicht von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer gelingt es den deutschen Herstellern bisher nicht, den stetigen Rückgang der Verkäufe in China zu stoppen. Der Hauptgrund sei, dass die deutschen E-Autos bei den chinesischen Kunden nicht gut ankommen.  Zudem belaste eine neue Luxussteuer, die auf hochpreisige Autos abzielt. Laut Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management aus Bergisch Gladbach sind die chinesischen Hersteller nicht nur innovativer, sondern auch günstiger. Die Deutschen könnten daher nicht mehr ihre hohen Preise durchzusetzen.