Gewinn bricht ein: Mercedes-Mitarbeiter werden vorzeitig in Weihnachtsurlaub geschickt

Mitarbeiter des Stuttgarter Autoherstellers Mercedes-Benz arbeiten in der Fertigung am Band von Oberklasse- und Luxusfahrzeugen. Der Dax-Konzern leidet unter der Absatzflaute in China und bei den Luxusmodellen
Bernd Weißbrod/dpa- Mercedes-Benz verzeichnete im dritten Quartal einen Umsatzrückgang von 6,7% auf 34,5 Milliarden Euro.
- Der Gewinn vor Zinsen und Steuern sank fast um die Hälfte auf 2,52 Milliarden Euro.
- Der Absatz in China und bei Luxusmodellen ging stark zurück, was das Geschäft stark belastet.
- Mitarbeiter in Sindelfingen werden ab dem 16. Dezember vorzeitig in den Weihnachtsurlaub geschickt.
- Anstrengungen zur Effizienzsteigerung und Kostenreduktion werden intensiviert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Absatz schrumpft. Diese Tatsache kennen die Verantwortlichen bei Mercedes-Benz aus einzelnen Quartalen in der jüngeren Vergangenheit. Doch solange Umsatz und Gewinn kletterten, konnten Vorstandschef Ola Källenius und das Topmanagement gut mit dem Absatzrückgang damit leben. Es hatte den Anschein: Die Luxusstrategie des Stuttgarter Autobauers und die Fokussierung auf eine maximale Umsatzrendite geht auf. Doch das ist Geschichte.
Mittlerweile hat es den Anschein, dass sich die Konzentration auf das China-Geschäft, das Luxus-Segment und E-Mobilität bitter rächt, die Källenius-Luxustrategie nicht nachhaltig funktioniert. In China stockt die Wirtschaft und die Immobilienkrise drückt die Kauflaune der Verbraucher. Das trifft den Autobauer doppelt. Zum einen ist das Reich der Mitte seit Jahren der größte Absatzmarkt von Mercedes-Benz. Zum anderen mit Abstand wichtigster Gewinnbringer im hochprofitablen Luxus-Segment. Doch der Glanz der Marke mit dem Stern scheint in China zu verblassen. Ob S-Klasse, GLS, die Maybach-Version der S-Klasse, AMG oder der EQS: Die Luxusmodelle werden von chinesischen Kunden deutlich weniger nachgefragt. Die Verkaufszahlen in den ersten neun Monaten 2004 liegen zwischen 11 und 56 Prozent unter den Vorjahreswerten, wie das Handelsblatt schreibt. Der Absatz der reinen E-Auto-Modelle EQ brach um mehr als 20 Prozent auf rund 136.000 ein. Auch im deutschen Heimatmarkt sank die Zahl der verkauften Mercedes-Fahrzeuge um 13 Prozent auf rund 150.000, gut lief es dagegen in den USA. Insgesamt sank der Absatz des Dax-Konzerns im Zeitraum von Juli bis September um 1,4 Prozent auf 503.600 Fahrzeuge
Gewinn bei Mercedes-Benz bricht ein
In Zahlen liest sich die heikle Lage von Mercedes-Benz so: Der Umsatz ging im dritten Quartal um 6,7 Prozent auf 34,5 Milliarden Euro zurück. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sackte im Jahresvergleich um fast die Hälfte auf 2,52 Milliarden Euro ab, wie der Dax-Konzern mitteilte. Der Konzerngewinn fiel um mehr als die Hälfte auf 1,72 Milliarden Euro. Von Januar bis September betrug der Gewinn 7,9 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Im dritten Quartal erzielten die Stuttgarter im Pkw-Geschäft nur noch eine um Sondereffekte bereinigte operative Gewinnmarge von 4,7 Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch 12,4 Prozent.
Das ist weit von den eigenen Ansprüchen entfernt, wie Finanzchef Harald Wilhelm in einer Telefonkonferenz sagte. Wilhelm kündigte an, dass Mercedes-Benz die Marktentwicklung aufmerksam beobachten werde. Gleichzeitig werde der Konzern seine Anstrengungen für weitere Effizienzsteigerungen und Kostenverbesserungen im gesamten Geschäftsmodell erhöhen. Für Zulieferer, die sich seit Jahren harten Forderungen der Stuttgarter Einkäufer in Verhandlungen gegenübersehen, bedeuten diese Worte nichts Gutes. Wächst der Kostendruck bei Mercedes-Benz, erhöht sich auch der Druck auf sie. Auch die Beschäftigten werden die von Wilhelm angekündigten Kostenverbesserungen zu spüren bekommen.
Vorzeitiger Weihnachtsurlaub
Informationen unserer Zeitungen aus Unternehmenskreisen zufolge wird Mercedes-Benz Teile seiner Belegschaft in Sindelfingen vorzeitig in den Weihnachtsurlaub schicken, und zwar bereits ab dem 16. Dezember. Das Werk in Sindelfingen ist nicht nur eines der größten Werke des Unternehmens weltweit, sondern auch ein zentrales Kompetenzzentrum für die Fertigung von Premiumfahrzeugen. Dort werden unter anderem die S-Klasse, die E-Klasse sowie verschiedene Modelle der Mercedes-Benz EQ-Reihe produziert. Zudem ist das Werk ein wichtiger Standort für Forschung und Entwicklung innerhalb des Konzerns. Auf schriftliche Anfrage dieser Zeitung äußerte sich der Dax-Konzern vorerst nicht.

