Marvecs-Chefin Katrin Wenzler
: „Mir hat geholfen, dass ich ein mutiger Mensch bin“

InterviewDie Ulmer Unternehmerin Katrin Wenzler hat Marvecs als Anbieter von externen Außendienstlösungen zu einer festen Größe in der Gesundheitsbranche gemacht. Rück- und Einblicke, wie so eine Karriere gelingt.
Von
Stefan Löffler
Ulm
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Karin Wenzler

Marvecs-Geschäftfsührerin Karin Wenzler.

Marc Hörger

Seit 25 Jahren arbeitet Katrin Wenzler für die Marvecs GmbH, die 650 Mitarbeiter beschäftigt, 40 davon am Firmensitz in Ulm. Seit mehr als 20 Jahren steht sie an der Spitze und gehört damit zu einer Minderheit. Nur etwa 16 Prozent der rund 3,8 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland werden nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums von Frauen geführt.

Die wenigsten davon dürften in ihren Branchen eine solche zentrale Rolle einnehmen wie Marvecs. Die Abkürzung steht für Marketing, Consulting, Vertrieb und Service – im Pharma- und Medizinsektor. Das Unternehmen ist eine feste Größe in der Branche und übernimmt beispielsweise den kompletten Vertrieb in bestimmten Region für seine Kunden. Je nach Konstellation sind die Beschäftigten auch bei Marvecs angestellt, arbeiten anderthalb bis vier Jahre für den Auftraggeber und werden dann gegebenenfalls von diesem übernommen. Ein Gespräch darüber, wie eine solche Karriere gelingt, welche Themen Katrin Wenzler unterschätzt hat und was sich ändern muss, damit mehr Frauen an die Spitze von Unternehmen aufsteigen.

Frau Wenzler, was hält Sie die vergangenen Monate in Atem?
Die Gesundheitsbranche ist in einer enormen Dynamik. Deshalb stellt sich für uns immer die Frage, wie entwickelt sich der Markt, was beschäftigt die Kunden? Und wir überlegen stets, welche Weichen wir stellen können. In der gesamten Healthcarebranche wird gerades vieles auf den Prüfstand gestellt und alte Zöpfe werden abgeschnitten – auch durch den Einsatz von KI.

Wie sehr hat sich die Ausrichtung von Marvecs seit der Gründung vor 26 Jahren geändert?
Boten wir früher eher einzelne Vertriebsleistungen an, so stehen wir heute als Serviceanbieter mit einer voll umfassenden Toolbox zur Verfügung. Da die Welt wesentlich komplexer geworden ist, blicken wir für unsere Kunden über den Tellerrand hinaus und bieten zum Beispiel flankierend zu den klassischen Vertriebsmaßnahmen, viel mehr Multi-Channel-Maßnahmen sowie ein spannendes Kundenmanagement-System an.

Was genau macht Marvecs?
Wir sind moderne Vertriebsspezialisten in der Gesundheitsbranche, die wichtiges Wissen über Therapie oder Medikationen in Arztpraxen, Apotheken und Kliniken vermitteln.

Welches Thema beschäftigt Sie beruflich am meisten?
Gute Lösungen für die Vermarktung von Produkten zu finden, treibt uns am meisten um. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gewinnung von guten Mitarbeitenden, für die wir auch zukünftig interessant und die uns langfristig treu bleiben sollen.

Sie selbst sind seit 25 Jahren bei Marvecs. Was kommt Ihnen beim Blick zurück als erstes in den Sinn?
Was wir heute machen, war damals noch richtige Pionierarbeit. Denn der Vertrieb war immer das Herzstück der Pharmaunternehmen und wir mussten schon viel Überzeugungsarbeit leisten, damit Unternehmen den Mut fassen konnten, diese Expertise extern zu vergeben. Aber das hat Spaß gemacht und wir sind stolz darauf, heute eine etablierte Größe im Markt zu sein. Aber das Wichtigste ist für mich die Dankbarkeit, die ich für mein gesamtes Team empfinde, auf das ich mich in all den Jahren verlassen konnte.

Sie sind von der Angestellten aufgestiegen zur Geschäftsführerin und 2017 zur geschäftsführenden Gesellschafterin. Wie gelingt so eine Karriere?
Ich bin sehr neugierig, habe viele Ideen sowie ein starkes Durchhaltevermögen, und das alles gepaart mit einer Extraportion Energie. Sicherlich hat mir auch geholfen, dass ich ein mutiger Mensch bin, der sich nicht scheut, Verantwortung zu übernehmen. Ich habe mir auch nie zu viele Gedanken gemacht, sondern habe immer geschaut, was sich hinter noch unbekannten offenen Türen verbirgt.

Warum gibt es vergleichsweise wenige Frauen, die an der Spitze von Unternehmen stehen?
Ich habe schon früh gelernt, dass man auch große Themen anpacken darf und es gleichzeitig wichtig ist, geerdet zu bleiben. Man muss auch Mut haben und sich bestimmte Dinge zutrauen. Manchmal stimmen in einem Unternehmen aber die Rahmenbedingungen nicht, um Karriere zu machen. Dazu zählt zum Beispiel die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ich persönlich fände es schön, wenn ganz viele Frauen diesen Weg einschlagen.

Was muss sich ändern?
Wir brauchen familienfreundliche Strukturen in den Unternehmen und wir benötigen Mentoren und Mentorinnen, die weibliche Talente explizit fördern. Erfolgreiche Frauen sollten außerdem mehr über ihre Arbeit sprechen, damit noch mehr Frauen motiviert werden und Spaß bekommen, selbst etwas zu bewegen.

Sie sind auch Präsidentin des Zonta-Clubs Ulm: Welche Themen diskutieren Sie hier?
In dieser weltweit aktiven Frauenorganisation setzen wir uns für soziale Projekte ein, die in erster Linie Frauen unterstützen. Sei es bei Altersarmut oder bei Unterdrückung. Zu unseren monatlichen Treffen laden wir immer wieder Rednerinnen ein, die über ungewöhnliche Wege in ihrem Leben berichten. Das ist sehr inspirierend, wenn man sich sozial engagieren möchte.

Welches Thema haben Sie in den vergangenen 25 Jahren unterschätzt?
Ich musste lernen, mir selbst gegenüber achtsamer zu sein. Denn nur, wenn ich fit bin, kann ich Stärke weitergeben. Außerdem ist es wichtig, sich ein Netzwerk aufzubauen und sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen.

Welche beruflichen Entscheidungen haben Sie bereut?
Eigentlich keine. Jeder darf Fehler machen, das ist klar. Wichtig ist mir, dass ich daraus etwas mitnehme.

Wie lautet ihr Lebensmotto?
Mutig vorangehen und Herausforderungen als Chance begreifen. Das Leben ist schön und sehr lebenswert, wenn man es aktiv gestaltet.

Wir halten Sie sich fit?
Ich reise sehr gerne, genieße die verschiedenen Eindrücke. Diese Inspirationen laden meine Akkus immer wieder auf. Zudem freue ich mich schon auf die nächste Skisaison. Ich finde es auch wundervoll, mit Freundinnen im Literaturkreis lebendig zu diskutieren.

Welches Thema beschäftigt Sie derzeit außerhalb der Firma am meisten?
Am liebsten meine Familie. In meiner Freizeit verbringe ich gerne Zeit mit meinen erwachsenen Kindern.

Woher schöpfen Sie Kraft?
Durch meinen Mann und durch gesellige Runden mit unseren Freunden.

Was bereitet Ihnen besonders Freude?
Erfolge im Team und wenn ich sehe, wie Mitarbeitende in ihren Aufgaben vorankommen. Es ist sehr motivierend, wenn man gerade jungen Kolleginnen und Kollegen die Chance geben kann, sich auch persönlich weiterzuentwickeln.