Mahle baut ab
: Werk zu – wegen asiatischer Konkurrenz

Für den Autozulieferer kann der Standort in Neustadt an der Donau nicht wirtschaftlich weiterbetrieben werden. Die IG Metall spricht von einem „Skandal“ und droht mit unbefristetem Streik.
Von
dpa
Stuttgart
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Automobilzulieferer Mahle

Konzernzentrale in Stuttgart. Mahle hat im vergangenen Jahr einen Umsatz- und Gewinnrückgang verzeichnet.

Bernd Weißbrod/dpa
  • Mahle schließt das Werk in Neustadt an der Donau mit rund 350 Beschäftigten.
  • Begründung: auslaufende Aufträge, rückläufige Märkte und Kostendruck durch asiatische Wettbewerber.
  • Ab Ende 2026 sinkt die Produktion schrittweise – endgültige Schließung im ersten Halbjahr 2027.
  • IG Metall und Betriebsrat widersprechen, nennen den Schritt „Skandal“ und drohen mit unbefristetem Streik.
  • Mahle meldete Umsatz- und Gewinnrückgang und streicht weltweit Stellen in der Verwaltung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Autozulieferer Mahle will seinen Standort im bayerischen Neustadt an der Donau mit rund 350 Beschäftigten schließen. Als Gründe nennt das Stuttgarter Unternehmen auslaufende Kundenaufträge, gleichzeitig rückläufige Marktentwicklungen sowie einen gestiegenen Kostendruck durch asiatische Wettbewerber in Europa, weshalb Mahle sein Umsatzniveau nicht mehr halten könne. „Das macht einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb unmöglich“, heißt es laut Mitteilung. IG Metall und Betriebsrat widersprechen.

Scharfe Kritik von IG Metall

Ab Ende 2026 sollen die Produktionslinien schrittweise heruntergefahren und die Belegschaft entsprechend reduziert werden. Vollständig geschlossen werden soll der Standort dann im ersten Halbjahr 2027. Das Unternehmen spreche mit Arbeitnehmervertretern über sozialverträgliche Lösungen, hieß es. In dem seit 1987 bestehenden Werk werden Firmenangaben zufolge hauptsächlich Klimageräte für Premium-Pkw produziert.

Die Gewerkschaft IG Metall kritisiert den Schritt: „Dass der Arbeitgeber den Beschäftigten nun offen die Schließung ihres Werks ankündigt, ist ein Skandal“, sagt der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg, Rico Irmischer.

Vorangegangen waren laut Gewerkschaft mehrere ergebnislose Verhandlungsrunden über die Zukunft des Werks und Warnstreiks. Auch am Dienstag hatte die IG Metall zu einem 24-stündigen Warnstreik aufgerufen. Rund 300 Mitarbeiter hätten sich beteiligt, hieß es. Dies zeige, „dass die Rechnung des Managements nicht aufgeht“, sagt Irmischer. „Das Werk steht komplett still – und die Beschäftigten werden sich mit aller Kraft gegen diese Schließungspläne wehren.“

Auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Mahle, Boris Schwürz, kritisierte die Schließungspläne. „Was hier in Neustadt passiert, ist ein Frontalangriff auf eine engagierte, leistungsfähige Belegschaft“, sagt er. „Die Geschlossenheit und Entschlossenheit, die wir heute hier sehen, sendet ein sehr klares Signal an die Konzernzentrale in Stuttgart.“

Unbefristeter Streik angedroht

Der Warnstreik sei eine letzte Warnung, sagt Irmischer. „Wenn das Management trotz Stillstand der Produktion und trotz dieses klaren Signals an seinen Schließungsplänen festhält, dann werden wir als nächstes unbefristet streiken. Die Beschäftigten sind entschlossen, diesen Kampf zu führen.“

Mahle hat im vergangenen Jahr einen Umsatz- und Gewinnrückgang verzeichnet. 2025 ging der Umsatz von 11,68 Milliarden Euro im Vorjahr auf rund 11,26 Milliarden Euro zurück. Das Konzernergebnis sank von 22 Millionen Euro auf 20 Millionen Euro. Damit hatte Mahle aber immerhin das dritte Jahr in Folge schwarze Zahlen geschrieben, nach zuvor mehreren Jahren mit Verlusten.

Wie andere Zulieferer oder Autohersteller spart auch Mahle. So hatte das Unternehmen Ende des vergangenen Jahres zum Beispiel angekündigt, in der Verwaltung weltweit 1000 Stellen zu streichen. Zum Ende des vergangenen Jahres beschäftigte Mahle weltweit 64.242 Menschen und damit 3466 weniger als im Vorjahr – ein Rückgang von gut fünf Prozent.