Künstliche Intelligenz: Macht mich KI arbeitslos oder meinen Job endlich einfacher?

Eine Frau nutzt den KI-Assistenten Microsoft Copilot auf iPad und dem Smartphone.
Nico Tapia/dpa- KI verändert Arbeit rasant – schneller, effizienter, kostengünstiger statt reiner „Jobkiller“.
- Experten: KI ergänzt Menschen; Fokus liegt auf Zusammenspiel und Verantwortung.
- Etwa 60% nutzen KI bereits im Alltag, oft ohne formale Einführung durch Arbeitgeber.
- Starke Effekte bei Datenarbeit, Texten, Recherchen; Druck v. a. bei Höherqualifizierten.
- Einbußen: Übersetzer/Werbetexter – −30% bei Übersetzungen, −40% bei Schreibhonoraren.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In den USA überbieten sich derzeit Top-Manager von Tech-Konzernen. Mustafa Suleman, der Chef von Microsoft AI, hat nun eine besonders steile These aufgestellt. Binnen zwölf bis 18 Monaten seien die meisten Angestellten-Jobs weggefallen und automatisiert. Ob das zwischen Februar 2027 und August 2027 so passiert sein wird, könnte die eine oder der andere bezweifeln.
Sicher ist KI verändert die Art des Arbeitens drastisch: Sie ist schnell, effizient und kostengünstig. „Künstliche Intelligenz“ klingt nach dem idealen Mitarbeiter. Aber ist sie das auch, oder ist sie vielleicht doch eher Unterstützung als Jobkiller?
Um das zu beurteilen, ist zunächst eine Definition nötig. Wenn von Künstlicher Intelligenz die Rede ist, sind Systeme gemeint, die viel mehr können, als Routinen zu automatisieren. „Wir reden hier von einer Technologie, die beispielsweise in großen Datenmengen Muster erkennen, Vorhersagen generieren oder Entscheidungsunterstützungen ableiten kann“, sagt Matthias Peissner, Leiter des Forschungsbereichs Mensch-Technik-Interaktion am Fraunhofer-Institut.
Kurzum: KI automatisiert keine Prozesse. Sie leistet etwas, das der Mensch nicht kann: Sie greift gleichzeitig auf unzählige Datensätze zu. Den Menschen braucht es aber trotzdem noch. „Anders als bei Technologien der Vergangenheit, liegt der Fokus viel stärker auf dem Zusammenspiel mit dem Menschen“, erläutert Melanie Arntz, Vizedirektorin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Professioneller dank KI-Booster
Etwa 60 Prozent der Arbeitnehmer nutzen laut einer IAB-Erhebung schon heute KI im Arbeitsalltag. Häufig, ohne dass die Systeme formal vom Arbeitgeber eingeführt wurden. „Die Arbeitnehmer machen das zum Teil selbst motiviert, weil sie sehen, dass es Vorteile haben kann, KI-unterstützt zu arbeiten“, sagt Arntz.
KI – an den richtigen Stellen eingesetzt – steigert die Produktivität. „Zum Beispiel kann sie Menschen mit wenig Berufserfahrung dahingehend unterstützen, dass sie ihre Tätigkeit ähnlich gut wie Berufserfahrene ausführen können“, sagt Arntz.
Besonders starke Auswirkungen hat die Technologie auf Tätigkeiten, die mit Daten zu tun haben, so Matthias Peissner. Aber auch im Verfassen von Texten, Recherchieren, Rechnen, Planen und Entscheiden sind KI-Systeme stark. Der Veränderungsdruck sei insbesondere bei höherqualifizierten Berufsgruppen stark angestiegen, erklärt Melanie Arntz. Das ist aber nicht mit dem Risiko von Jobverlusten gleichzusetzen. „Es bedeutet, dass diese Berufsgruppen sich stärker darauf einstellen müssen, dass sich ihre Arbeitsweise mit der Technologie verändert“, sagt die Expertin.
KI wird künftig Diagnosen stellen
Wie positiv das sein kann, zeigt ein Beispiel aus der Medizin. Anders als der Arzt, kann KI jederzeit auf das gesammelte Wissen der aktuellen Forschung zugreifen, sagt Peissner. Also Daten oder Studien suchen, bei der Forschung unterstützen. „Für die individuelle Betreuung der Patienten ist natürlich weiterhin der medizinische Experte als Mensch gefordert“, so der Wissenschaftler. Idealerweise ist dafür dank KI dann mehr Zeit.
Auch in vielen anderen Bereichen können die Systeme Entlastung schaffen. „Denken wir etwa an Programmierer, hier kann die KI standardisierte Prozesse inzwischen schon gut allein bewerkstelligen“, sagt Arntz. So bleibe mehr Zeit, um sich mit komplexeren IT-Prozessen und deren Gestaltung zu beschäftigen.
Apropos Gestaltung: Auch kreative Tätigkeiten wie beispielsweise die des Grafikdesigners verändern sich voraussichtlich stark, sagt Peissner. Möglicherweise gehen dadurch zwar klassische Aufträge verloren. Gefordert sind umso mehr: persönlicher Geschmack, ein Gespür für Trends und die Fähigkeit, strategische Beratungen anzubieten.
Das kann KI nicht
Was die KI nicht übernehmen kann: Verantwortung. „Dazu braucht es viel Fachwissen. Ich muss die Entscheidungsvorgabe der KI beurteilen können“, so Arntz. Dieses Wissen in Kombination mit ethischem Urteilsvermögen und kommunikativen Fähigkeiten werde auch in der Zukunft eine wichtige Basis der Arbeit sein.
Die Beurteilung der KI und die Fähigkeit einzuschätzen, wo man sie gewinnbringend einsetzen kann, setzen einen guten Überblick voraus sowie die Fähigkeit, vernetzt zu denken. Statt des Ausführens der eigentlichen Tätigkeit verschiebt sich die Kompetenz der Mitarbeiter künftig wahrscheinlich eher in Richtung Instruieren und Überwachen, sagt Peissner.
Was könnten Arbeitnehmer also tun, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Ganz klar: Die Scheu vor der neuen Technologie ablegen, so Arntz. „KI-Kompetenzen zu haben, ist etwas, das einem in nächster Zeit sicher Türen öffnen wird“, sagt sie. Denn: Erst wer sich mit den Chancen und den Möglichkeiten der Technologie beschäftigt, wird mit Kollege KI zum eingespielten Team.
Texter und Übersetzer haben schon jetzt Einbußen
Angaben von Forschern der Universität Oxford zufolge, zeigen sich schon heute die Effekte auf dem Arbeitsmarkt am stärksten, wo KI menschliche Arbeit weitgehend ersetzt. So seien bei Übersetzern und Werbetextern die Einkommen spürbar gesunken. Einer Studie von Forschern der Universitäten Singapur, Rochester und Tsinghua zufolge verdienten Freelancer für Übersetzungen im Schnitt fast 30 Prozent weniger als früher. Bei professionellen Schreibarbeiten insgesamt seien die Honorare sogar um rund 40 Prozent zurückgegangen. Grundlage der Analyse waren nach einem Bericht des „Handelsblatt“ rund drei Millionen Ausschreibungen, die vor und nach dem Durchbruch generativer KI veröffentlicht wurden
