Konkurrenz zu Temu und Shein: Amazons Schnäppchen-Portal „Haul“ ist nun auch in Deutschland online

Das Amazon-Schnäppchenportal Haul ähnelt optisch den Seiten der chinesischen Billig-Konkurrenz.
Elisa Schu/dpa- Amazons neues Schnäppchenportal „Haul“ ist nun in Deutschland verfügbar.
- Tausende Artikel unter 20 Euro; viele Produkte für unter 10 Euro.
- Seite ähnelt optisch Temu und Shein; bunt und unübersichtlich.
- Beta-Version für ausgewählte Kunden; bald für alle verfügbar.
- Amazon will damit gegen die wachsende Konkurrenz aus China ankämpfen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Gibt man in der Suchfunktion der Amazon-App auf dem Smartphone den Begriff „Haul“ ein, öffnet sich eine neue Seite. „Haul beta“ steht darüber, unterstrichen mit dem typischen Amazon-Pfeil-Logo. „Hier findest du krass günstige Preise“, verkünden einige Smileys mit heraushängenden Zungen, ein durchlaufendes Werbeband verspricht kostenlosen Versand ab 25 Euro und Mengenrabatte.
Darunter auf der Startseite folgt eine unübersichtliche Fülle an günstigen Artikeln wie Mützen, Schnürsenkeln und Taschen. Sie sind nicht nach Kategorien geordnet, sondern folgen scheinbar willkürlich einer eigenen Reihenfolge. Dabei werden sie mit Begriffen wie „heißbegehrt“, „krass günstig“ oder „Bestseller“ beworben. Die Seite ist bunt, sie blinkt, vieles ist in Bewegung – und sie erinnert stark an die Seiten von Billig-Anbietern aus Fernost wie Temu oder Shein.
Tausende Produkte aus Kategorien wie Fashion, Wohnen, Lifestyle und anderen für 20 Euro oder weniger, die meisten unter 10 Euro, einige sogar für nur 1 Euro, verspricht Amazon in einer Pressemitteilung dazu. „Nach dem Start von Amazon Haul in den USA und Großbritannien bringen wir jetzt Amazon Haul auch nach Deutschland“, verkünden die Verantwortlichen darin.
Bald für alle Kunden verfügbar
Amazon „Haul “ist den Angaben zufolge jetzt in einer Beta-Version für ausgewählte Kundinnen und Kunden in Deutschland verfügbar, wenn sie ihre Amazon Shopping-App aktualisieren. Zu finden ist die Seite, indem man im Suchfeld „Haul“ eingibt oder über das Symbol im Hauptmenü zu Haul navigiert. In den kommenden Wochen soll es dann auch für alle anderen Kunden bereitgestellt werden.
Amazon verspricht: So können „Kundinnen und Kunden beim Shopping einen wirklich guten Fang (englisch: Haul) machen“. Die App verfügt dabei über eine eigene Suche und einen eigenen Warenkorb, wirkt damit also abgekoppelt von der großen Schwester Amazon. Geliefert werden soll nach der Bestellung innerhalb von zwei Wochen – von einer Lieferung am darauffolgenden Tag wie bei vielen Amazon-Produkten ist hier allerdings nicht die Rede.
„Unsere Innovationen werden von Kundenwünschen bestimmt, und wir wissen, dass es für Kundinnen und Kunden in Deutschland wichtig ist, tolle Produkte zu sehr niedrigen Preisen zu finden“, sagt Rocco Bräuniger, Country Manager Amazon Deutschland, zum Start der App hierzulande. Er verspricht auch für „Haul“ das nach seinen Worten bekannt zuverlässige Einkaufserlebnis von Amazon und den entsprechenden Kundenservice. Auch die Kundenrezensionen soll es dort geben.
„Die Haul-Produkte durchlaufen alle erforderlichen Amazon-Kontrollen, sodass sich Kundinnen und Kunden darauf verlassen können Produkte zu erhalten, die sicher sind und allen geltenden Vorschriften und den Amazon-Richtlinien entsprechen“, heißt es in der Mitteilung auch. Und Kunden könnten Artikel kostenlos zurückgeben, wenn sie dies innerhalb von 15 Tagen nach Lieferung anfragen.
Konkurrenz aus China gewinnt Marktanteile
Aber warum gibt es nun diese Billig-Initiative des Branchenriesen? Gegen Amazon sind Temu und Shein kleine Lichter. Zumindest bisher. Amazon liefert in Deutschland durchschnittlich täglich 12 Millionen Pakete aus. Schätzungen zufolge werden etwa 400.000 Pakete pro Tag von Temu und Shein nach Deutschland geliefert.
Auch die Umsatzzahlen zeigen den Unterschied. Der Umsatz von Amazon belief sich 2024 auf rund 40,9 Milliarden US-Dollar, ein klares Wachstum zu Vorjahr. Weltweit erwirtschaftete Amazon knapp 638 Milliarden US-Dollar. Shein erzielte 2023 weltweit einen Umsatz von 32,5 Milliarden US-Dollar, PDD Holdings, wozu Temu und eine weitere E-Commerce-Plattform gehören, verzeichnete 2024 einen Umsatz von knapp 54 Milliarden US-Dollar.
Andererseits kamen gerade in Deutschland Anbieter wie Shein oder Temu quasi erst vor kurzer Zeit aus dem Nichts und erkämpften sich innerhalb weniger Monate ernstzunehmende Marktanteile. Die starke Position von Amazon erreicht Temu dabei nicht ansatzweise. Aber der chinesische Anbieter bewegt sich bereits in Bereichen wie Otto und Ebay.
Einem weiteren Wachstum will Amazon mit seinem ähnlich günstigen Angebot, das auch ähnlich schrill daherkommt, entgegenwirken. E-Commerce-Experte Alexander Graf von Spryker analysierte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Überall, wo Temu erfolgreich ist, braucht Amazon eine Antwort – das soll ‚Haul ‘sein.“ Und auch Oliver Buttler, Internetexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, erklärt auf Anfrage: „Amazon versucht, seine Marktmacht gegenüber Temu und Co. zu erhalten“.
Laut Branchenexperten hat die US-Plattform dabei vor allem einen großen Vorteil: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland vertrauen Amazon, das auch durch einen häufig reibungslos funktionierenden Service bekannt ist. Temu und Shein hingegen stehen häufig wegen Produkten schlechter Qualität, den Direktlieferungen aus China und ihren Werbe-Druckmitteln in der Kritik.
Genau hinschauen
Verbraucherschützer Oliver Buttler rät, sich die „Haul“-Produkte genau anzusehen. Klar sei, dass Amazon damit in das Billigsegment eindringen wolle. „Qualität hat aber meistens ihren Preis, also kann man von der Qualität von solchen Billig-Produkten häufig nicht so viel erwarten.“ Die Plattform sei darauf ausgelegt, dass Menschen zum Shoppen animiert werden. Es gehe um Konsum, nicht um nachhaltiges Einkaufen.


