Konjunktur: Deutsche Wirtschaft läuft überraschend gut

Blick in die Reinraumfertigung von Medikamenten: Die Pharmaindustrie hat ihre Exporte zu Jahresbeginn deutlich gesteigert.
Silas Stein/dpa- Deutsche Wirtschaft wächst im ersten Quartal um 0,4 % statt erwarteter 0,2 %.
- Anstieg durch starke Exporte von Pharma- und Autoindustrie.
- BIP-Korrektur wegen guter Konjunktur im März; Exporte stiegen um 3,2 %.
- Ifo-Index steigt im Mai zum fünften Mal in Folge.
- Trotz Aufschwung droht 2025 Stagnation; Prognosen für 2026 erwarten 1 % Wachstum.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Wirtschaftsleistung Deutschlands ist im ersten Quartal stärker gewachsen, als das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung Ende April angenommen hatte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), also die Summe aller erzeugten Waren und Dienstleistungen, legte um 0,4 Prozent. Zuvor waren die Statistiker von 0,2 Prozent ausgegangen. Grund für die Korrektur nach oben sei die „überraschend gute konjunkturelle Entwicklung im März“.
„Vor allem die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe sowie die Exporte entwickelten sich besser als zunächst angenommen“, erklärte die Präsidentin des Statistikamts, Ruth Brand. Bei den Exporten gab es demnach einen Anstieg um 3,2 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2024.
Starker Anstieg der Pharma- und Autoexporte
Die Statistiker verwiesen auf besonders starke Anstiege der Ausfuhren pharmazeutischer Erzeugnisse sowie von Produkten der Autoindustrie. „Beides sind bedeutende Exportgüter für den US-Markt“, führten sie aus. Es sei daher davon auszugehen, dass der „schwelende Handelskonflikt mit den USA“ zu der guten Entwicklung beigetragen habe, weil US-Importeure in Erwartung hoher Zölle Käufe vorzogen.
Allerdings stiegen auch die privaten Konsumausgaben und die Investitionen, etwa in Bauten und Ausrüstung, stärker als in den Vorquartalen. Nach zuletzt vier Rückgängen in Folge war die Bruttowertschöpfung 0,6 Prozent höher als im Vorquartal.
„Sowohl das Baugewerbe (plus 0,9 Prozent) als auch das Verarbeitende Gewerbe (plus 1 Prozent) konnten ihre Wirtschaftsleistung nach Rückgängen in den Vorquartalen steigern“, erklärte das Statistikamt. Innerhalb der Industrie hob es gute Entwicklungen in der chemischen Industrie, im Maschinenbau und in der Autoindustrie hervor.
Zuletzt hatten sich die positiven Nachrichten zur deutschen Wirtschaft gemehrt. In der Industrie sorgen steigende Auftragszahlen für etwas mehr Zuversicht und die Stimmung in der Wirtschaft hellte sich auf: Im Mai stieg der Ifo-Index den fünften Monat in Folge. Nach Einschätzung von Ifo-Präsident Clemens Fuest fasst die deutsche Wirtschaft langsam wieder Tritt.
Den zarten Aufschwung zu Jahresbeginn hatten viele Ökonomen erwartet. Mit der sprunghaften Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump haben sich die Aussichten für die exportstarke deutsche Industrie jedoch deutlich verschlechtert. Trotz des Hoffnungsschimmers zum Jahresbeginn droht der deutschen Wirtschaft 2025 somit das dritte Jahr ohne Wachstum in Folge – das gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik.
Zwar hat Trump manche Aufschläge auf Importe in die USA vorerst ausgesetzt. Doch mit dem allgemeinen Basiszoll von zehn Prozent bleibt das Niveau hoch, zudem haben die USA Einfuhren etwa von Autos und Stahl verteuert.
2025 allenfalls Stagnation erwartet
Die Prognosen für die deutsche Wirtschaft wurden zuletzt reihenweise gesenkt. Der Sachverständigenrat („Wirtschaftsweise“) erwartet 2025 nur noch eine Stagnation der heimischen Wirtschaft – ebenso wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU-Kommission.
2026 könnte wieder etwas Wachstum bringen: Der Sachverständigenrat rechnet dann mit einem Plus von einem Prozent. Die geplanten Milliardenausgaben des Bundes für Verteidigung und Infrastruktur dürften nach Einschätzung von Ökonomen die Wirtschaft ankurbeln.

