Krebserregend?
: Fast alle Kindertattoos fallen im Test durch

Kinder lieben sie, aber in vielen Fällen sind Klebetattoos nicht unbedenklich. Zu diesem Ergebnis kommt Öko Test. Doch es gibt auch Produkte ohne problematische Stoffe.
Von
Julia Kling
Frankfurt/Main
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Klebetattoos für Kinder: ARCHIV - Kinder lieben sie - doch in fast allen Klebetattoos, die die Zeitschrift «Öko-Test» untersucht hat, stecken bedenkliche Inhaltsstoffe. (zu dpa: ««Öko-Test»: Fast alle Kindertattoos bekommen eine Sechs») Foto: Karolin Krämer/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Kinder lieben sie - doch in fast allen Klebetattoos, die die Zeitschrift „Öko-Test“ untersucht hat, stecken bedenkliche Inhaltsstoffe.

Karolin Krämer/dpa-tmn/dpa
  • Öko-Test fand in fast allen Kindertattoos bedenkliche Inhaltsstoffe, viele teils krebserregend.
  • 13 von 15 getesteten Produkten erhielten die Note „ungenügend“.
  • Zwei Produkte von Namaki Cosmetics und Lutz Mauder Verlag schnitten „sehr gut“ ab.
  • Eltern sollten Klebetattoos als Ausnahme betrachten, nicht dauerhaft nutzen.
  • Herkömmliches Speiseöl hilft, hartnäckige Tattoos zu entfernen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein Schmetterling, ein Dinosaurier oder glitzernde Sterne: Die meisten Kinder lieben abwaschbare Tattoos. Sie sind auch schnell auf die Haut gebracht: Das ausgeschnittene Motiv auf die Haut legen, mit einem feuchten Tuch betupfen, vorsichtig abziehen: Schon hat das Kind ein buntes Bildchen auf der Haut. Doch mit den lustigen Motiven können auch Stoffe auf die Kinderhaut gelangen, die dort nichts verloren haben. Das zeigt eine Untersuchung der Zeitschrift „Öko-Test“ (Ausgabe 2/2025).

15 abwaschbare Kindertattoos haben die Testerinnen und Tester unter anderem in Spielzeugläden, Drogerien oder im Internet eingekauft und im Labor untersuchen lassen. Stecken bedenkliche Inhaltsstoffe drin? In fast allen Fällen lautet die Antwort: ja.

Inhaltsstoffe teils krebserregend

13 der getesteten Produkte fallen mit der Note „ungenügend“ durch. Bei neun dieser Produkte ist der Inhaltsstoff Talkum (zu erkennen an der Bezeichnung „Talc“) das Problem. Er wird in Produkten als Füllstoff oder Trennmittel eingesetzt. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat ihn im vergangenen Jahr als „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“ eingestuft. Auch auf EU-Ebene soll voraussichtlich Ende 2025 über die Neueinordnung von Talkum als krebserregenden Gefahrstoff abgestimmt werden. Kommt es zu dieser Einstufung, dürfte Talkum in Kosmetika nicht mehr verwendet werden.

Neben Talkum entdeckten die Testerinnen und Tester aber noch weitere problematische Stoffe in besagten neun Tattoos. Darunter: das Antioxidationsmittel BHT (Butylhydroxytoluol), das im Verdacht steht, wie ein Umwelthormon zu wirken.

Was ist mit den anderen Tattoos, die durchfielen? In drei Produkten konnte „Öko-Test“ Naphthalin nachweisen, das als vermutlich krebserregend gilt. Und ein Tattoo enthielt den krebserregenden Stoff Benzol. Er ist in Kosmetik grundsätzlich verboten. In dem Tattoo war er in einer Menge enthalten, die auch den EU-Grenzwert für Spielzeug überschritt. Daneben wurde auch Vinylacetat nachgewiesen, das Öko Test zufolge im Verdacht steht, Krebs zu verursachen.

Zwei Produkte überzeugen

Es gibt allerdings zwei Ausreißer, die mit der Bestnote „sehr gut“ glänzen, weil sie ganz ohne problematische Stoffe auskommen. Dabei handelt es sich um die „Namaki Abziehtattoos, Weltall, 2 Bögen“ (Namaki Cosmetics) sowie die „Lutz Mauder Tattoos Baustellenfahrzeuge 2 Art.- Nr.: 44669, 1 Bogen“ (Lutz Mauder Verlag).

Von letzteren gibt es allerdings allenfalls noch Restbestände zu kaufen. Auf „Öko-Test“-Anfrage teilte der Hersteller mit, dass die Produktion in der Zwischenzeit von Taiwan nach Deutschland umgezogen sei. Damit sollen sich auch die Inhaltsstoffe geändert haben.

Spielzeug oder Kosmetikprodukt?

Als was die Klebebildchen gelten – als Spielzeug oder doch als Kosmetikprodukt, ist nicht abschließend definiert. Die Hersteller verfolgen bei der Einordnung ihrer Produkte unterschiedliche Ansätze, viele legen jedoch laut „Öko-Test“ beide Maßstäbe an. 2016 ordneten demnach Sachverständige der Länder und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in einer Stellungnahme „Erzeugnisse auf einer Trägerfolie, bei denen ausschließlich Farbstoffe und Farbstoffe in Stoffgemischen auf die Haut übertragen werden“ als kosmetische Mittel ein. Alle anderen Produkte unterlägen einer Einzelfallprüfung.

Produkte, die darüber hinaus einen „spielerischen Zweitnutzen“ haben, müssten „sowohl kosmetikrechtliche Anforderungen als auch die der Spielzeugrichtlinie erfüllen und seien mit einer CE-Kennzeichnung zu versehen“.

Die Tester hatten entschieden, bei der Bewertung der Produkte sowohl die Maßstäbe für Kosmetikprodukte als auch die für Spielzeug anzulegen, „da es sich um ein Produkt für Kinder handelt, wo problematische Stoffe generell vermieden werden sollten“.

Was sollen Eltern tun?

Doch wie gehen Eltern nun am besten damit um, wenn das Kind sich ein buntes Bildchen auf der Haut wünscht? Das „Öko-Test“-Fazit: „Klebetattoos sollten Kinderhaut nicht dauerhaft zieren, sondern wenn überhaupt besser eine Ausnahme bleiben.“

Und wer sich fragt, wie sich die teils hartnäckigen Klebebilder wieder von der Haut entfernen lassen: Die Tester empfehlen herkömmliches Speiseöl.

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