Kinderfahrradhelme im Test: Keiner überzeugt komplett – aber der billigste ist am besten

Guter Sitz und gutes Vorbild: Damit er Kinder optimal schützen kann, muss der Fahrradhelm gut passen. Und auch, wenn die getesten Fahrradhelme nur zwischen befriedigend und ausreichend sind, ist wichtig, dass Kinder überhaupt einen Helm tragen.
Zacharie Scheurer/dpa- Stiftung Warentest und ADAC testeten 18 Kinderhelme: keiner besser als „befriedigend“.
- Testsieger war der 15-Euro-Helm von Lidl: guter Unfallschutz, leicht, sichtbar im Dunkeln.
- Handhabung und Tragekomfort oft schwach – Kinder kritisierten den Lidl-Helm als „wackelig“.
- Specialized bot neben Lidl guten Unfallschutz; Poc, Abus und Melon schnitten hier schlecht ab.
- Kaufhinweise: Anprobe, richtige Größe, CE/GS-Siegel und EU-Normen prüfen, kein Secondhand.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Urteil der Tester ist eindeutig: Es gibt keinen guten Fahrradhelm für Kinder. „Befriedigend“ lautet die Note für den Großteil der 18 getesteten Helme für Radlerinnen und Radler zwischen drei und zwölf Jahren. Selbst der Testsieger wurde von Stiftung Warentest und ADAC nur mit einer 2,6 bewertet. Er ist zudem der billigste der überprüften Helme. Rund 15 Euro kostet der Crivit-Kinderfahrradhelm von Lidl, der guten Unfallschutz bietet, nicht viel wiegt und im Dunkeln gut sichtbar ist.
In der Handhabung ist er allerdings nur befriedigend, und der Tragekomfort sogar nur ausreichend. Das Urteil der Kinder für den Lidl-Helm lautete: „Wackelig“. Das sei ärgerlich, da Eltern ihre Kinder oft überzeugen müssten, überhaupt einen Fahrradhelm zu tragen. Der sollte dann zumindest bequem und einfach zu handhaben sein, schreibt die Stiftung Warentest. In diesem Punkt schnitten aber nur die vier Helme der Marken Cratoni, Ked, Giro und Prophete gut ab.
Teuerster Helm schützt Schläfen schlecht
Am schlechtesten zu handhaben ist laut Verbraucherorganisation der Shuffle 2 LED von Specialized. Dafür bietet er neben dem Testsieger von Lidl als einziger Helm guten Unfallschutz. Dieses Kriterium haben ADAC und Stiftung Warentest getestet, indem sie die Helme an sechs Punkten mit knapp 20 Kilometern pro Stunde auf einer geraden und mit 22 Kilometern pro Stunde auf einer schrägen Fläche haben aufschlagen lassen.
Dabei kam heraus, dass selbst Marken-Exemplare ausgerechnet bei der Sicherheit deutliche Defizite haben: Beim teuersten getesteten Helm, dem Pocito Omne MIPS der Marke Poc für 100 Euro, seien die Schläfen bei einem Sturz nicht gut genug geschützt. Auch der YouDrop von Abus und der Urban Active von Melon bieten keinen guten Unfallschutz. Mit „ausreichend“ schneiden sie im Gesamtbild am schlechtesten ab. Sie dämpfen Stöße zwar ab, doch „ihre seitlichen Riemen sowie der Kinnriemen können sich während der Fahrt deutlich lockern“, lautet das Fazit der Stiftung. Im schlimmsten Fall führe das dazu, dass der Helm bei einem Sturz verrutscht.
Auch wichtig für den Unfallschutz ist, ob die Helme im Dunkeln zu sehen sind. Der Helm Oyo von der Marke Uvex landet insgesamt zwar auf Platz drei, bleibe bei Dunkelheit aber quasi unsichtbar. Das kritisiert die Verbraucherorganisation auch an den Produkten von Bell und Decathlon. Helfen könnten Reflektorflächen an Helm und Riemen oder ein Rücklicht.
Der Oyo hat noch ein weiteres Problem: Im Bereich der Schadstoffe ist er am schlechtesten bewertet. Während die meisten Helme dort ein „sehr gut“ erzielen konnten, erreicht er nur ein „befriedigend“. Dennoch schützen alle getesteten Helme besser, als wenn Kinder keinen tragen, betont die Stiftung Warentest bei aller Kritik.
Auf Prüfsiegel achten
Vor dem Kauf sollten Kinder den Helm anprobieren. Es gebe unterschiedliche Passformen. Nicht jeder Helm passe auf jeden Kopf, teilt der ADAC mit. Viele Hersteller würden nur einen begrenzten Kopfumfang abdecken. Der kleinste Decathlon-Helm passt etwa erst ab einem Kopf mit 52 Zentimetern Umfang, während der von Giro nur bis zu einem Kopfumfang von 53 Zentimetern erhältlich ist. Lediglich die Marken Puky, Melon, Decathlon, Ked und Fischer haben Helme für Kinder mit großen Köpfen.
Daneben sollten Eltern darauf achten, wie schwer der Helm ist, empfiehlt das Magazin Chip. Auch die Belüftung sei wichtig, damit die Kinder darunter nicht schwitzen und ihn gerne tragen. Außerdem sollten Eltern keine Ware aus zweiter Hand kaufen und auf die CE- und GS-Prüfsiegel sowie Prüfzeichen vom TÜV achten. Wichtig sei daneben, dass die Helme mit einem Hinweis auf die EU-Norm EN 1078 beziehungsweise EN 1080 gekennzeichnet sind. All das steht im Helminneren.
Bei günstigen Modellen würden die Siegel oft fehlen, weil sie nicht nach den Anforderungen der DIN-Norm geprüft seien. Deswegen rät das Magazin von Helmen von Supermärkten und Discountern ab. „Wirklich gute Helme kosten mehr als 70 Euro“, steht im Chip-Artikel. Damit fallen die drei raus, die der ADAC und die Stiftung Warentest am besten bewertet haben. Von ihnen kostet keiner mehr als 50 Euro. Sie sind aber eben auch nur „befriedigend“.
Wie ein Helm richtig sitzt
Eltern sollten den Kopfumfang ihres Kindes laut Stiftung Warentest und ADAC etwa einen Zentimeter über den Augenbrauen ausmessen. Das dient als grobe Orientierung, aber es kommt auch auf die Passform an. Beim Anprobieren ist wichtig, dass der Helm waagerecht auf dem Kopf sitzt und Stirn, Schläfen und Hinterkopf abdeckt. Die Vorderkante sollte etwa zwei Fingerbreit über den Augenbrauen enden.
Häufig ist die Weite anpassbar. Die seitlichen Gurtbänder sollten fingerbreit unter den Ohren als Dreieck zusammenlaufen. Zwischen Kinnriemen und Hals sollten zwei Finger passen. Auch wichtig: Das Kind sollte den Helm beim Anprobieren selbst öffnen und schließen.
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