Kommentar Helmut Schneider zum Aufstieg von Wirecard in den Dax Kein Beleg für Irrsinn

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Frankfurt / Helmut Schneider 07.09.2018

Im deutschen Leitindex Dax geht es zu wie im echten Leben: Neues und Unbekanntes verdrängt Altes und Gewohntes. Dass ein bislang nur Eingeweihten bekanntes Unternehmen mit nicht mal 5000 Mitarbeitern mehr wert ist als die Deutsche Bank, die vor einem Jahrzehnt noch zu den weltgrößten Geldhäusern zählte, ist kein Beleg für Irrsinn.

Es zeigt lediglich, dass in die Bewertung von Unternehmen neben Größe, Marktanteil, Umsatz oder Gewinn etwas ganz Entscheidendes einfließt: die Einschätzung der Zukunft. Es liegt in der Natur von Prognosen, dass sie sich im Nachhinein als grotesk falsch erweisen können. Die Geschichte der Börse und der Wirtschaft ist voll von solchen Fehlurteilen.

Das beste Beispiel dafür war die  geplatze Internet-Blase. Unvorstellbare Börsenwerte lösten sich in nichts auf. War deshalb die Vorhersage der Experten, mit dem Internet ziehe ein neues Zeitalter ein, falsch? Überhaupt nicht. Die Börse hatte den richtigen Riecher – aber der Herdentrieb führte zu absurden Übertreibungen.

Ähnliches ist jetzt zu beo­bachten. Wirecard steht für die Digitalisierung – einen ähnlichen Megatrend wie das Internet. Dass er die Bankenbranche neu formen wird, ist klar. Die Börse glaubt, dass Wirecard hierbei ein Trendsetter und die Commerzbank ein Verlierer ist. Heute stimmt das, aber morgen kann es schon anders aussehen.

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