Iran-Krieg
: Trump versetzt Märkte in Aufruhr und verursacht gefährliche Instabilität

Der US-Präsident hat einmal mehr Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst. Als er seine Drohung, Irans Kraftwerke anzugreifen,  am Montagmittag zurücknahm, erholten sich die Börsen, der Ölpreis sank kräftig. Doch der Dieselpreis steht vor einem Allzeithoch.
Von
Alexander Bögelein
Frankfurt/Berlin
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Frankfurter Börse: ARCHIV - 25.01.2022, Hessen, Frankfurt/Main: Auf der Anzeigetafel der Frankfurter Wertpapierbörse wird die Tagesentwicklung des Deutschen Aktienindex Dax dargestellt (Aufnahme mit Zoom-Effekt). (zu dpa: «Dax drohen Schwankungen wegen US-Wahlen») Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Aussichten an den Börsen sind düster: Die Eskalation im Irankrieg treibt Öl- und Spritpreise, schürt Inflationssorgen und lässt die Aktienkurse einbrechen.

Arne Dedert/dpa
  • Trumps Drohung gegen iranische Kraftwerke lässt Börsen weltweit wanken.
  • Ölpreis steigt: Brent +1 % auf 113,45 Dollar; seit Kriegsbeginn +57 %.
  • Aktien fallen in Asien stark; DAX zeitweise −2 %.
  • Gold −18 % seit Iran-Krieg; Silber halbiert sich seit Jahresbeginn.
  • Diesel bei 2,306 Euro/L, 1,5 Cent unter Allzeithoch von März 2022.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Dieselpreis ist nur noch etwas mehr als einen Cent von seinem Allzeithoch entfernt. Sollte der Trend der vergangenen Tage anhalten, könnte der Rekord bald gebrochen werden. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags hatte ein Liter Diesel 2,306 Euro gekostet, wie der ADAC mitteilte. Das waren 0,5 Cent mehr als am Samstag. Zum Allzeithoch aus dem März 2022 fehlen damit nur noch 1,5 Cent.

Superbenzin der Sorte E10 verteuerte sich von Samstag auf Sonntag ebenfalls leicht: um 0,2 Cent auf 2,085 Euro. Zum Allzeithoch aus dem März 2022 fehlen hier aber noch fast 12 Cent. Seit Kriegsbeginn sind die Spritpreise stark gestiegen – auch weil der Ölpreis kräftig angezogen hat. Super ist mehr als 30 Cent teurer als vor Kriegsbeginn, Diesel 56 Cent.

Am Montagmorgen war zunächst der Ölpreis weiter gestiegen. Die Sorge vor einer Eskalation des Iran-Kriegs hatte Analysten und Anleger weltweit in Sorge versetzt. Am Samstag hatte US-Präsident Donald Trump dem Iran gedroht, die USA würden sämtliche Kraftwerke im Iran zerstören, sollte der Iran die Straße von Hormus nicht freigeben. Das Mullah-Regime drohte daraufhin, die Schifffahrtsstraße für den weltweiten Öl- und Flüssiggashandel vollständig zu sperren und  US-Energieanlagen in der Golfregion anzugreifen.

Asiatische Volkswirtschaften stark betroffen

Die drohende Eskalation löste in Asien starke Kursrutsche aus. In Japan betrug das Minus 3,5 Prozent, in Südkorea 6,7 Prozent. Der Hintergrund: Während die USA und Israel Gasexporteure sind, und die USA zudem der weltgrößte Ölproduzent, trifft die De-facto-Blockade des wichtigen Seewegs vor allem Volkswirtschaften in Asien, die auf Öl und Gas aus der Golfregion angewiesen sind.

Auch der Deutsche Aktienindex startete am Montag zu Handelsbeginn schwach und lag zeitweise zwei Prozent im Minus. Gleichzeitig legten die Preise für Rohöl der Sorte Brent mit Lieferung im Mai um ein Prozent auf 113,45 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) zu. Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran hat sich Rohöl aus der Nordsee um 57 Prozent verteuert. Sollte Trump seine Drohung wahrmachen, werden die Ölpreise nach Einschätzung von Analysten massiv steigen und die Aktienkurse abstürzen. Manche Händler sahen bereits die große Gefahr eines Börsencrashs.

Trumps Post lässt Dax um 1300 Punkte steigen

Doch es kam anders. Über seine Social-Media-Plattform „Truth Social“ vermeldete Trump, dass er alle Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur für fünf Tage aussetzen werde und er in guten Verhandlungen mit dem Iran stehe, was der wiederum dementierte. Der Post reichte aus, um den Dax binnen weniger Minuten um rund 1300 Punkte nach oben schnellen zu lassen, von minus zwei auf plus zwei Prozent. Der Preis für ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent fiel binnen weniger Minuten von mehr als 114 auf bis zu 96 Dollar. Der Referenzpreis für Erdgas in Europa (TTF) sank von rund 63 Euro auf rund 53 Euro je Megawattstunde.

Auch die Lage am Anleihemarkt entspannte sich. Dort herrscht aber schon länger Sorge vor einer längeren Energiekrise und einer steigenden Inflation im Zuge des Iran-Kriegs. Diese Sorge hatte etwa die Rendite zehnjähriger Anleihen des Bundes schon am Freitag auf mehr als drei Prozent getrieben. Hinter diesem Anstieg steckt die Erwartung vieler Analysten, dass bei steigenden Preisen für Energie die Notenbanken die Leitzinsen anheben werden.

Höhere Zinsen belasten tendenziell Edelmetalle, da diese keine Zinsen abwerfen. So ist der Goldpreis seit Beginn des Iran-Kriegs um 18 Prozent gesunken. Eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold kostete am Montag im frühen Handel nur rund 4300 Dollar. Auch hier ließ Trumps Kehrtwende den Preis leicht nach oben gehen. Noch drastischer als bei Gold ist die Entwicklung bei Silber. Hier hat sich der Preis für eine Feinunze seit Jahresbeginn nahezu halbiert auf rund 64,25 Dollar, allein am Montagmorgen rutschte er um fünf Prozent ab.

Besorgniserregend sei der gleichzeitige Rutsch von Aktien, Anleihen und sogar des Goldpreises, sagte Marktstratege Stephen Innes von SPI Asset Management. Das Geld rotiere nicht, sondern werde schlicht abgezogen. Er spricht von einer Instabilität, die sich langsam aufbaue. Inzwischen gehe es weniger um Einzelereignisse als um die schiere Länge des Iran-Konflikts.

Darum steigt der Dollar-Kurs

Der US-Dollar hat in den vergangenen Tagen an Wert gewonnen. Das hat nach Einschätzung von Finanzmarktexperten aber nichts damit zu tun, dass Anlegerinnen und Anleger die US-Währung als sicheren Hafen in Krisenzeiten sehen. Der Grund, so Stefan Kemper von der BNP Paribas, sei vielmehr, dass die USA selbst Öl exportieren, und das zu deutlich gestiegenen Preisen. Da mit dem US-Dollar als Weltleitwährung auch Öl- und Gasgeschäfte bezahlt werden, wächst mit jedem Ölkauf von Staaten und Unternehmen die Nachfrage nach dem Dollar, was dessen Kurs steigen lässt. Für deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet ein gegenüber dem Euro steigender Dollar automatisch, dass sie mehr für Heizöl und Sprit bezahlen müssen.