Meilenstein für Branche: Millionen für Ulm: Nokia investiert in Deutschland 360 Millionen in Chipfertigung

Mitarbeiterinnen eines Chipkonzerns. Hier: Infineon in Dresden.
Robert Michael/dpaNokia will insgesamt 360 Millionen Euro an den Standorten Ulm und Nürnberg vor allem in Chip–Design investieren. Das kündigte der finnische Mobilfunkausrüster an. Die Großinvestition findet über einen Zeitraum von vier Jahren im Rahmen des europäischen IPCEI–Programms (Important Projects of Common European Interest) statt, das vom Bund sowie Baden–Württemberg und Bayern gefördert wird.
Chips für den Mobilfunk
Bei dem Projekt sollen vor allem Chips für Funk– und Optikprodukte entwickelt werden, die in künftigen Mobilfunksystemen (5G–Advanced und 6G) zum Einsatz kommen sollen. Die neuen Mikroprozessoren sollen auch möglichst wenig Strom verbrauchen, um die europäischen Klimaziele einhalten zu können. Zu diesem Zweck arbeite man eng mit Forschungsinstituten und Universitäten zusammen, erklärte Nokia. Diese Zusammenarbeit werde durch die langfristige IPCEI–Investition und -Finanzierung gestärkt.
Deutschlandchef Eleftherios Papadopoulos sagte, das Projekt sei ein Meilenstein für Nokia und die Zukunft der Telekommunikationsbranche in Deutschland und Europa. „Es wird die Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft Europas speziell im Bereich Mikroelektronik für Zukunftstechnologien wie 6G und Künstliche Intelligenz (AI) stärken, komplexe Anwendungen etwa für das Metaverse ermöglichen und die Digitalisierung voranbringen.“ Deutschland habe im Hinblick auf Forschung, Entwicklung sowie als Absatzmarkt für Nokia einen hohen Stellenwert.
Deutschland erhält die Hälfte
Das Förderprogramm IPCEI wurde im Frühjahr 2023 von der EU–Kommission genehmigt und verteilt Beihilfen von bis zu 8,1 Milliarden Euro an Projekte mit Schwerpunkt auf Mikroelektronik und Kommunikationstechnologie von 14 EU–Staaten, darunter Deutschland. Alleine Deutschland erhält mit rund vier Milliarden etwa die Hälfte dieser Beihilfen.
Nokia ist neben den chinesischen Wettbewerbern Huawei und ZTE sowie dem europäischen Rivalen Ericsson einer der führenden Anbieter von Mobilfunk–Infrastruktur weltweit.
Der Bund und das Land Baden–Württemberg wollen sieben Projekte von Unternehmen an den Standorten Ulm, Reutlingen, Bruchsal und Oberkochen in den Bereichen Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien mit bis zu 1,026 Milliarden Euro fördern. Die sieben Projekte sollen inklusive der Eigenanteile der Firmen Investitionen von bis zu 2,764 Milliarden Euro auslösen. Konkret geht es um Vorhaben der Robert Bosch GmbH und der Bosch Sensortec GmbH in Reutlingen, der Carl Zeiss SMT GmbH in Oberkochen, von Nokia Solutions and Networks GmbH & Co. KG, Trumpf Photonic Components GmbH und United Monolithic Semiconductors GmbH (alle Ulm) sowie Elmos Semiconductor SE in Bruchsal.
„Die Förderung ist von enormer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Baden–Württemberg“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Unternehmer BW, Oliver Barta. „Hier ist es gelungen, im bestehenden europäischen Beihilferecht eine Förderung von innovativen Industrien auch in wirtschaftlich starken Regionen zu ermöglichen. Dies stärkt unsere Unternehmen im immer härter werdenden Wettbewerb.“
