ING, Sparda-Bank, Sparkasse: Vorsicht Kreditbetrug! Dieser offiziell wirkende Brief kann teuer werden

Die Schreiben von den Banken oder der BaFin sehen teils sehr echt aus. Diese würden aber nie eine Verifzitierung auf diesem Wege fordern und Druck ausüben, wie sie erklären.
Christin Klose/dpa- Betrüger missbrauchen Postident, um Konten zu eröffnen oder Kredite abzuschließen.
- Bafin, ING, Sparkassen und Sparda-Bank warnen: keine Postident-Aufforderungen per Brief.
- Maschen: falsche Bankschreiben, angebliche Sicherheits-Updates, Wohnungs- und Verkaufsfälle.
- Opfer scannen QR-Codes und legitimieren unbemerkt Konten oder Kredite – teils über 20.000 Euro.
- Schutz: Auftraggebernamen prüfen, Vorgang sofort stoppen, Bank kontaktieren und Anzeige erstatten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Diese Warnung kommt nicht nur von der Verbraucherzentrale, mehrere Institutionen haben sich zu Wort gemeldet, um über die Betrugsmaschen rund um das Postident-Verfahren aufzuklären. So erklärt unter anderem die Finanzaufsicht Bafin, dass sie keine Dokumente zu Postident-Verfahren verschicke. Der Hinweis auf ihrer Homepage sei nötig, denn: „Der Bafin sind mehrere Fälle bekannt, in denen Betrügerinnen und Betrüger gefälschte Briefe im Namen der Aufsicht verschicken.“
Auch die Direktbank ING und die Sparkassen warnen vor solchen Schreiben oder E-Mails, ebenso wie die Sparda-Bank Hessen. Die erklärt: „Kundinnen und Kunden unserer Bank haben ein Schreiben erhalten, wonach sie sich per Postident erneut legitimieren sollen.“
Dafür setzten die Verfasser der Briefe eine Frist von einer knappen Woche mit der Drohung, dass sonst das Konto aufgelöst werde. „Dieses Schreiben stammt nicht von der Sparda-Bank Hessen. Es besteht der Verdacht, dass mit dieser Art Betrug Konten bei einer Fremdbank eröffnet werden sollten.“
Kredite über 20.000 Euro
Doch was ist das Postident-Verfahren überhaupt? Anbieter ist, wie schon der Name verrät, die Deutsche Post. Es gilt als sicheres und vertrauenswürdiges Verfahren, um die Identität von Personen rechtskonform zu überprüfen. Die Identität muss man zum Beispiel nachweisen, wenn man im Internet ein Bankkonto eröffnen oder einen Zugang zu einem nicht jugendfreien Portal abschließen will. Identifikationen sind persönlich in einer Postfiliale, per Videochat, via App oder Online-Ausweisfunktion möglich. Im Normalfall ist das für Verbraucher kostenlos.
Gerade die anerkannte Seriosität dieses Verfahrens nutzen Betrüger aus. Dabei werden nicht nur Konten auf diese Weise ungewollt eröffnet, mithilfe der Betrugsmasche werden laut Verbraucherzentrale auch Kredite abgeschlossen.
Die Verbraucherschützer erklären, dass sich diese Fälle aktuell häufen. Wie das geht? „Betrügende Personen bringen Verbraucherinnen und Verbraucher durch Manipulation dazu, unbewusst Kreditverträge zu legitimieren. Die Täter tarnen diese Identifizierung als harmlose Kontoprüfung, Sicherheits-Update oder notwendigen Freischaltcode für Verkäufe.“
Oft läuft das über gefälschte Bankschreiben. Durch die Bestätigung über das Postident-Verfahren legitimiert man einen hohen Kredit bei einer anderen Bank. Eine weitere Masche betrifft eine angebliche Verkaufs-Gewährleistung. Wer privat Dinge verkauft, wird von angeblichen Käufern gedrängt, sich per Postident zu identifizieren – angeblich für eine „Sicherheitsgarantie“.
„Die Opfer erhalten einen QR-Code, den sie bei der Post einscannen lassen. Tatsächlich autorisieren sie damit jedoch die Eröffnung eines neuen Kontos oder die Kreditaufnahme“, beschreibt Thomas Feil, Fachanwalt für IT-Recht, die Betrugsmasche auf seiner Homepage. „Dieses Verfahren erfolgt so geschickt, dass es weder den Betroffenen noch den Mitarbeitern der Post auffällt.“
In Wahrheit werde die Identität genutzt, um einen Kreditantrag im Namen der verkaufenden Person abzuschließen. „Das Tückische: Die Betroffenen glauben, im eigenen Interesse zu handeln, während im Hintergrund Summen von 20.000 Euro oder mehr auf ihren Namen aufgenommen werden“, erklären die Verbraucherschützer.
Wie man sich schützt
Mit einem weiteren Beispiel für die Vorgehensweise der Betrüger warnt die Direktbank ING ihre Kundinnen und Kunden. So werden Wohnungssuchende ausgetrickst. Nach Anfragen zur Besichtigung einer Immobilie werden sie aufgefordert, sich vorab über ein Legitimationsverfahren wie Postident zu verifizieren.
„Anstatt sich für einen Besichtigungstermin zu verifizieren, eröffnen die Wohnungssuchenden irrtümlich ein Girokonto, auf das nur die betrügenden Personen Zugriff haben“, erklärt die Bank. Besonders glaubwürdig wirkten diese Nachrichten vor allem durch eine persönliche Vorgangsnummer und den Verweis auf die Deutsche Post als Partnerunternehmen. Die Post sei ja auch tatsächlich involviert, wenn auch unfreiwillig, erklärt die ING.
Doch wie kann man sich davor schützen? „Geben Sie Ihre Daten nur mit Vorsicht weiter, hinterfragen Sie jedes Angebot kritisch und seien Sie sich bewusst, welche Konsequenzen die Weitergabe Ihrer persönlichen Informationen haben kann“, erklärt Rechtsanwalt Feil.
Die Verbraucherzentrale rät, die Auftraggeber genau zu überprüfen. Denn bei jedem Postident-Vorgang werde der Name des Unternehmens genannt – sowohl auf dem Papier-Coupon als auch digital auf dem Sign-Pad in der Postfiliale oder in der App. Sollte dort ein unbekannter Name oder eine fremde Bank erscheinen, sollte man sofort abbrechen. Außerdem sollte man sich nicht unter Druck setzen lassen und misstrauisch sein, wenn jemand unaufgefordert Links, Coupons oder Vorgangsnummern zuschickt.
Bank, Polizei, Rechtsanwalt kontaktieren
Die Verbraucherzentrale empfiehlt dringend, im Verdachtsfall die Identifizierung sofort zu stoppen, die eigene Bank über eine offizielle Telefonnummer zu kontaktieren und bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Laut Rechtsanwalt Feil bestehen gute Chancen, sich gegen anschließende Forderungen der Banken zu wehren, weil man keine Zustimmung gegeben hat und das Postident-Verfahren unter falschen Voraussetzungen durchgeführt wurde. Er empfiehlt, sich rechtlichen Rat einzuholen. In den meisten Fällen reiche es, die Bank darauf hinzuweisen, dass der Vertrag durch Identitätsdiebstahl zustande gekommen ist. „Die Bank muss nachweisen, dass Sie der Vertragspartner sind, was ihr in der Regel nicht gelingt, wenn Sie sich frühzeitig zur Wehr setzen.“



