Preiserhöhungen auf immer breiterer Front setzen Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland zu. Im Oktober 2022 kletterte die Jahresinflationsrate auf 10,4 Prozent. Das Statistische Bundesamt bestätigte eine erste Schätzung. Es war der stärkste Anstieg seit etwa 70 Jahren. „Hauptursachen für die hohe Inflation sind nach wie vor enorme Preiserhöhungen bei den Energieprodukten. Aber wir beobachten zunehmend auch Preisanstiege bei vielen anderen Waren und Dienstleistungen“, erläuterte Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes, am Freitag.
Doch für viele Produkte liegt der Preiszuwachs deutlich über der Inflationsquote. Auf Platz 1 rangieren wie bereits in den vergangenen Monaten die Energiepreise, die infolge des Ukrainekriegs und dem damit einhergehenden eingeschränkten Angebot deutlich gestiegen sind. Im Vorjahresvergleich mussten Verbraucherinnen und Verbraucher im Oktober 43 Prozent mehr für Energie bezahlen. Die Preise für Erdgas haben sich mit 109,8 Prozent mehr als verdoppelt. Fernwärme wurde 35,6 Prozent teurer. Die Preise für Brennholz, Holzpellets und andere Brennstoffe verdoppelten sich ebenfalls, Heizöl lag 82,8 Prozent über dem Vorjahresmonat, Strom 26 Prozent und Kraftstoff 22,3 Prozent.

Senkung der Umsatzsteuer zeigt Wirkung

Die Teuerung bei den Energieprodukten wäre wohl noch höher ausgefallen, wenn nicht im Oktober 2022 die Umsatzsteuer für Erdgaslieferungen und Fernwärme gesenkt worden wäre. Sie beträgt nun sieben statt 19 Prozent, was sich dämpfend auswirkte. Da die Versorger die gestiegenen Gaspreise jetzt zunehmend an die Haushalte weiterreichen, sei die Entlastung „aufgefressen“ worden, erklärte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung.
Die Statistiker in Wiesbaden beobachteten aber auch in allen Nahrungsmittelgruppen Preiserhöhungen. Die steigenden Preise in dieser Sparte seien mittlerweile für die Privathaushalte „besonders spürbar“. Im Schnitt mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher im Oktober 20,3 Prozent mehr für Lebensmittel ausgeben. Besonders zugelegt haben die Preise für Speisefette und Speiseöle (plus 49,7 Prozent). Sehr stark war der Preissprung dabei bei pflanzlichen Speiseölen, abgesehen von Olivenöl: Der Anstieg betrug hier 80,8 Prozent. Olivenöl verteuerte sich um 12,4 Prozent. Der Preis für Zucker stieg im Oktober im Vorjahresvergleich um 42,4 Prozent. Auch Molkereiprodukte und Eier (plus 28,9 Prozent), Gemüse (plus 23,1 Prozent) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (plus 19,8 Prozent) wurden spürbar teurer.

Auch Dienstleistungen wurden teurer

Dagegen verteuerten sich tiefgefrorene Meeresfrüchte lediglich um 5,2 Prozent, Süßwaren um 4,7 Prozent und Tee um 4,1 Prozent. Einen Preisrückgang hat das Statistische Bundesamt im Oktober bei keiner der gelisteten Lebensmittelgruppen festgestellt.
Auch Dienstleistungen kosteten im vergangenen Monat mehr: insgesamt 4 Prozent. Darunter fallen etwa auch Nettokaltmieten, die um 1,8 Prozent zulegten. Deutlicher erhöhten sich auch die Preise für Wartung und Reparatur von Wohnungen (plus 14,8 Prozent), Pauschalreisen (plus 12,3 Prozent) und auch Besuche in Gaststätten kosteten 8,8 Prozent mehr.
Wie stark gerade die Energie- und Nahrungsmittelpreise die Gesamtteuerungsrate beeinflussen, zeigt die Kerninflation. Bei dieser Zahl werden diese beiden Bereich herausgerechnet. Diese lag laut dem Statistischen Bundesamt im Oktober lediglich bei 5 Prozent.