Industrie schlägt Alarm
: „Aggressive Stimmung“ in Firmen gegen Regierung

Die Industrie warnt vor massiver Unzufriedenheit in Unternehmen. Das Reformtempo der Bundesregierung sei zu langsam – und die Wirtschaft verliere rasant an Vertrauen.
Von
dpa
Berlin
Jetzt in der App anhören
(FILES) Peter Leibinger, President of the Federation of German Industries (BDI), attends the "Day of German Industry" conference for economic policy in Berlin on June 23, 2025. Germany's economy is suffering its "deepest crisis" since World War II, an industry group warned on December 2, 2025, calling on Chancellor Friedrich Merz's government to take urgent action to spark a revival. Europe's biggest economy "is in free fall, but the federal government is not responding decisively enough," said Peter Leibinger, president of the Federation of German Industries (BDI). (Photo by Tobias SCHWARZ / AFP)

Viele Menschen in den Unternehmen seien „so maßlos enttäuscht, wie ich es noch nie erlebt habe“, sagt Peter Leibinger, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI).

Tobias Schwarz/afp
  • BDI-Präsident Leibinger warnt vor wachsender Unzufriedenheit in der Wirtschaft mit der Regierung.
  • Unternehmen kritisieren langsames Reformtempo und beklagen eine „extrem negative“ Stimmung.
  • Probleme: Längste Rezession, Produktionsschwund seit 2018, geringes Produktivitätswachstum.
  • Sorge um den industriellen Kern: China kopiert deutsche Geschäftsmodelle günstiger und schneller.
  • Kernproblem laut BDI: Bürokratie, mangelnde Flexibilität und geringe Arbeitszeiten bremsen Tempo.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das aus Sicht vieler Experten mangelnde Reformtempo der Bundesregierung löst laut Industriepräsident Peter Leibinger zunehmend Wut in der Wirtschaft aus. Die Stimmung in den Unternehmen sei „extrem negativ, teils regelrecht aggressiv“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

„Beim Start der Regierung im Mai war die Lage der Wirtschaft kritisch, die Stimmung aber hoffnungsvoll,“ sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Die Bundesregierung sei gut gestartet, habe allerdings im Laufe des Sommers etwas den Faden verloren.

Gesellschaftsmodell droht zu zerrinnen

„Jetzt sind die Probleme immer noch da, viele in den Unternehmen sind aber so maßlos enttäuscht, wie ich es noch nie erlebt habe“, sagte Leibinger. „Wir stecken in der schwersten Wirtschaftskrise seit Gründung der Bundesrepublik: längste Rezession, Produktionsschwund seit 2018, geringes Produktivitätswachstum, Letzter im Wachstum unter den großen Volkswirtschaften. Unser Gesellschaftsmodell droht uns zwischen den Fingern zu zerrinnen.“

Leibinger räumte ein, dass die Erwartungen der Wirtschaft an Union und SPD teilweise überzogen gewesen seien. „Aber: Die Regierung müsste den Menschen besser das Gefühl vermitteln, dass es in die richtige Richtung geht.“

Sorgen bereiten dem BDI-Chef die Attacken chinesischer Unternehmen auf deutsche Vorzeigebranchen wie die Auto- und Chemieindustrie sowie Maschinenbau. „Unser industrieller Kern ist in der Tat in Gefahr, weil China unser Geschäftsmodell nachbaut, dabei aber günstiger und vor allem viel schneller ist als wir“, sagte Leibinger.

Kernproblem Geschwindigkeit

„Bürokratie, geringe Arbeitszeiten, mangelnde Flexibilität - das sind alles Dinge, die uns Geschwindigkeit kosten. Mit Zöllen und weniger offenen Weltmärkten werden wir fertig. Unser Kernproblem ist die Geschwindigkeit. Wir sind schlicht viel zu langsam.“

Das deutsche Geschäftsmodell sei aber nicht am Ende, sagte Leibinger. „Wir sind unverändert Weltmeister in der Herstellung komplexer Produkte mit Technologiefokus - Komponenten, Subsysteme, Maschinen, Anlagen und andere Güter, die tiefes Wissen benötigen. Diese hochtechnischen Produkte wird die Welt weiter brauchen.“

Die Politik verhake sich zu oft in Einzeldebatten, etwa über das Heizungsgesetz oder die Erhöhung der Pendlerpauschale. „Die Pendlerpauschale entscheidet aber nicht über die Rettung des Standorts.“