In einem Jahr 50.000 Stellen weg
: Autoindustrie schrumpft auf Stand von 2011

Deutschlands Industrie schrumpft: Über 120.000 Jobs sind binnen eines Jahres verloren gegangen. Besonders dramatisch ist der Einbruch in der Autobranche.
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dpa/afp
Wiesbaden
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Autofabrik: ARCHIV - 11.03.2024, Sachsen, Leipzig: Mitarbeiter in der Autoindustrie (zu dpa: «Beschäftigung in der Autobranche fällt auf Tief seit 2011») Foto: Jan Woitas/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die vom Stellenabbau besonders betroffenen Branchen leiden unter drei massiven Belastungen.

Jan Woitas/dpa
  • In der deutschen Industrie gingen binnen eines Jahres über 120.000 Jobs verloren.
  • Besonders betroffen: Autoindustrie mit 48.700 Stellenabbau bis Ende des 3. Quartals (-6,3 %).
  • Tiefstand in der Autoindustrie: 721.400 Beschäftigte – niedrigster Stand seit Mitte 2011.
  • Zulieferer verzeichneten stärkeren Stellenabbau (-11 %) als Hersteller (-3,8 %).
  • Gründe: Geopolitik, hohe Energiepreise, Umstellung auf E-Mobilität und Kaufzurückhaltung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die anhaltende Wirtschaftskrise kostet Zehntausende Beschäftigte in der deutschen Industrie den Job. Allein in der kriselnden Autobranche arbeiteten zum Ende des dritten Quartals gut 48.700 weniger Menschen als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Das sei ein Rückgang von 6,3 Prozent - so hoch wie in keiner anderen großen Industriebranche mit mehr als 200.000 Beschäftigten. Mit 721.400 Menschen habe die Beschäftigung in der Autoindustrie einen Tiefstand seit Mitte 2011 erreicht.

Zulieferer besonders betroffen

Zulieferer bauten dabei deutlich stärker Stellen ab als Hersteller: In Unternehmen, die Teile und Zubehör für Autos produzieren, wurden in den zwölf Monaten bis Ende September rund elf Prozent der Stellen abgebaut; in der Produktion von Karosserien, Aufbauten und Anhängern vier Prozent der Stellen, wie das Statistikamt weiter mitteilte. Im Bereich der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenmotoren dagegen betrug der Beschäftigtenrückgang 3,8 Prozent.

In der gesamten Industrie waren zum Ende des dritten Quartals rund 5,43 Millionen Menschen beschäftigt - ein Rückgang von 120.300 oder 2,2 Prozent in einem Jahr. Die einzige große Industriebranche mit Beschäftigungswachstum war demnach die Nahrungsmittelindustrie mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 510.500 Menschen.

Die vom Stellenabbau besonders betroffenen Branchen „leiden unter drei massiven Belastungen“, erklärte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien: „Dem sich verschiebenden geopolitischen Umfeld, das die Märkte in den USA und China für deutsche Exporteure zunehmend unzugänglicher macht, unter den durch die russische Ukraine-Invasion deutlich gestiegenen Energiepreisen und unter der anstehenden Umstellung auf E-Mobilität mit Verschiebung von Lieferketten und Verunsicherung der Verbraucher, die sich derzeit mit dem Kauf von Kraftfahrzeugen insgesamt zurückhalten.“

Stellenabbau in vielen Branchen

Gemessen am Rückgang von Produktion und Aufträgen sei der Beschäftigungsabbau aber moderat, so Dullien. „Es ist noch nicht zu spät, den Großteil der Jobs in der Industrie zu retten.“

Auch in anderen Industriezweigen gingen viele Stellen verloren, wie die Statistiker berichteten. Im Maschinenbau sank die Beschäftigung zum Ende des dritten Quartals um 2,2 Prozent auf rund 934.200 Menschen. In der Chemie gab es binnen eines Jahres einen leichten Rückgang um 1,2 Prozent auf 323.600 Menschen und bei der Herstellung von elektrischer Ausrüstung um 0,4 Prozent auf 387.500.

Besonders stark fiel der Stellenabbau in der Metallerzeugung und -bearbeitung mit minus 5,4 Prozent aus sowie in der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen mit 3,0 Prozent.

Deutschland brauche angesichts der aggressiven Wirtschaftspolitik der USA und von China eine ganzheitliche Industriepolitik, sagt Ökonom Dullien. „Deutschland sollte die EU dazu anregen, selber Schlüsselbranchen zu definieren und den Binnenmarkt zu nutzen, um europäische Produktion in diesen Branchen zu fördern.“