IHK-Präsident Jan Stefan Roell: Was er heute anders machen würde und welchen Lebenstraum er noch hat

IHK-Präsident Jan Stefan Roell würde gerne einen Teil dieser Welt, in der noch Wildnis herrscht, auf dem Rücken eines Pferdes kennenlernen.
Armin Buhl- IHK-Präsident Roell betont: Unternehmen müssen in allen Bereichen widerstandsfähig sein.
- Sein Betrieb profitiert von hoher Wertschöpfung und eigengefertigten Teilen in Krisen.
- Gesundheitsprogramm bleibt zentral: Vorsorge, medizinische Tage, Vorschläge aus Belegschaft.
- Größte Veränderung ist die Energiewende – sie ist teuer und betrifft Kunden wie Prozesse.
- Er bereut, die Internationalisierung und Innovation nicht früher stärker vorangetrieben zu haben.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Große Interviews mit Entscheiderinnen und Entscheidern sind das Markenzeichen des regionalen Wirtschaftsmagazins der SÜDWEST PRESSE – und das seit 100 Ausgaben beziehungsweise seit November 2007. Die Redaktion hat das Jubiläum zum Anlass genommen, um einige der Interviewten aktuell wieder zu besuchen, auch Jan Stefan Roell. Das Titelinterview mit ihm fand im Frühjahr 2020 als Videokonferenz statt – inmitten der Coronazeit. Für den Unternehmer und Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Ulm war das eine durchaus lehrreiche Zeit.
Herr Roell, das Gespräch im Jahr 2020 wurde mitten in der Corona-Krise geführt. Was haben die Unternehmen aus Sicht der IHK aus der Pandemie gelernt?
Ich glaube, dass uns allen klar geworden ist, dass wir widerstandsfähig sein müssen. Und das gilt für alle Unternehmensbereiche. Das fängt bei den Lieferketten an und erstreckt sich bis zu den Arbeitsbeziehungen. Auch der richtige Umgang miteinander hilft dabei, eine Krise zu bestehen. In unserem Unternehmen kam uns die hohe Wertschöpfung zugute, denn dadurch, dass wir sehr viele Teile selbst herstellen, machen wir uns in vielen Punkten unabhängig.
Als Unternehmer sagten Sie damals, dass die Gesundheit Ihrer Belegschaft an oberster Stelle steht. Gibt es heute Maßnahmen, die aus dieser Zeit greifen?
Ich kann jetzt nicht mit Bestimmtheit sagen, welche Maßnahmen wir bereits vor unserem Gespräch und Corona ins Leben gerufen hatten. Tatsache ist, dass wir unseren Mitarbeitenden ein umfassendes Gesundheitsprogramm anbieten. Dazu zählen unter anderem verschiedene Formen der Krebsvorsorge oder die Durchführung von medizinischen Tagen, an denen verschiedene Tests vor Ort im Unternehmen gemacht werden können. Das alles ist uns nach wie vor sehr wichtig. Unsere Personalabteilung nimmt auch gerne Vorschläge aus der Belegschaft auf, da wir mögliche Erkrankungen unserer Mitarbeitenden frühzeitig erkennen möchten.
„Ich bin stolz darauf, dass ...“
Was waren für Sie – unabhängig von Corona – die prägendsten Veränderungen in Ihrem Unternehmen seit unserem Gespräch?
Aus meiner Sicht ist das ganz eindeutig die Transformation, die mit der Energiewende auf uns zugekommen ist und die wir ja noch immer nicht bewältigt haben. Es ist eine sehr kostspielige Veränderung, die nicht nur unsere internen Prozesse betrifft, sondern auch unsere Kunden und Kundinnen.
Auf welche Leistung sind Sie stolz?
Darauf, dass wir auf knapp 30 Ausbildungsplätze und Stellen für duale Studiengänge jedes Jahr etwa 400 Bewerbungen bekommen. Im Übrigen absolvieren alle unsere Auszubildenden im zweiten Lehrjahr ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung, zum Beispiel in der Bahnhofsmission, in der Seniorenpflege, Behinderteneinrichtungen oder manchmal auch in einem Kinderhospiz.
Was würden Sie rückblickend heute anders machen?
Bekäme ich heute noch einmal die Möglichkeit, so hätte ich bereits vor zehn Jahren die Internationalisierung meines Unternehmens noch vehementer vorangetrieben und noch mehr meiner Energie in Innovationen gesteckt.
Haben Sie einen persönlichen Traum, den Sie verwirklichen wollen?
Ich würde gerne einen Teil dieser Welt, in der noch Wildnis herrscht, auf dem Rücken eines Pferdes kennenlernen. Mein Problem: Ich kann nicht gut reiten!
Gibt es ein Motto oder Zitat, das Sie begleitet?
Für mich galt lange Zeit das Motto „Geht nicht, gibt`s nicht“. Heute interessiert mich mehr die Frage, welchen anderen Blickwinkel es noch auf ein Thema gibt, das mich aktuell beschäftigt.
Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?
„Wertvolle Fehler. Die praktische Wissenschaft des klugen Scheiterns“. Darin beschreibt die Psychologin Amy Edmondson, wie man auch durch Misserfolge wachsen kann.
Dieser Artikel ist zuerst im Wirtschaftsmagazin unternehmen[!] erschienen. Zu der vollständigen Ausgabe geht es über diesen Link.
Zur Ausgabe mit dem ursprünglichen Interview im Jahr 2020 geht es hier.
