Hohe Spritpreise in Deutschland: Nur zwei EU-Länder tanken noch teurer

Deutschland gehört im EU-Vergleich zu den teuersten Ländern, wenn es um Kraftstoffe geht.
Bodo Marks/dpaNach den jüngsten auf fuel-prices.eu veröffentlichten Daten des EU-Ölbulletins kostete ein Liter Euro 95 in Deutschland in der Woche vom 7. September 2026 durchschnittlich 2,331 Euro. Für Diesel wurden 2,328 Euro je Liter fällig. Der EU-Durchschnitt lag dagegen bei rund 1,91 Euro für Benzin und 2,03 Euro für Diesel. Damit war Benzin in Deutschland etwa 42 Cent beziehungsweise 22 Prozent teurer als im EU-Mittel. Beim Diesel betrug der Aufschlag knapp 30 Cent beziehungsweise rund 15 Prozent.
Nur Dänemark und die Niederlande liegen beim Benzin vor Deutschland
Beim Benzin landet Deutschland damit auf Platz 25 von 27, wenn die Länder vom günstigsten zum teuersten sortiert werden. Anders ausgedrückt: Nur die Niederlande und Dänemark verlangen noch höhere Preise.
In den Niederlanden kostete Euro 95 im Schnitt 2,466 Euro je Liter, in Dänemark sogar 2,632 Euro. Deutschland folgte mit 2,331 Euro. Knapp dahinter lag Finnland mit 2,323 Euro.
Beim Diesel ist das Bild ähnlich, allerdings trifft die Aussage „nur zwei Länder sind teurer“ hier nicht ganz zu. Deutschland lag mit 2,328 Euro auf dem vierten Platz der teuersten EU-Staaten. Mehr kostete Diesel in Dänemark mit 2,435 Euro, den Niederlanden mit 2,442 Euro und Finnland mit 2,478 Euro je Liter.
Auch der Vergleich mit deutschen Nachbarstaaten zeigt, wie hoch das Preisniveau ist. In Frankreich lag Benzin bei 2,115 Euro, in Österreich bei 1,912 Euro und in Tschechien bei 1,806 Euro je Liter. Wer grenznah wohnt, kann dadurch beim Tanken erhebliche Unterschiede feststellen.
Hoher Steueranteil treibt den Preis
Warum ist Kraftstoff in Deutschland so teuer? Ein wichtiger Teil der Antwort steckt in den Steuern und staatlich veranlassten Abgaben.
Nach Angaben des ADAC machten Steuern und Abgaben im Juli 2026 bei Benzin im Durchschnitt rund 57 Prozent des Tankstellenpreises aus. Beim Diesel waren es rund 47 Prozent. Damit entfiel beim Benzin mehr als jeder zweite für Kraftstoff ausgegebene Euro auf staatliche Belastungen.
Besonders ins Gewicht fällt die Energiesteuer. Seit dem 1. Juli 2026 beträgt sie wieder:
65,45 Cent je Liter Benzin 47,04 Cent je Liter Diesel
Bei einer Tankfüllung von 50 Litern sind damit allein 32,73 Euro Energiesteuer bei Benzin beziehungsweise 23,52 Euro bei Diesel enthalten.
Dabei handelt es sich um einen festen Betrag pro Liter. Ob Benzin an der Tankstelle 1,80 Euro oder 2,30 Euro kostet, ändert an der Energiesteuer zunächst nichts.
CO₂-Abgabe verteuert Benzin um bis zu knapp 19 Cent
Zur Energiesteuer kommt seit 2021 die nationale CO₂-Bepreisung hinzu. Im Jahr 2026 werden die dafür notwendigen Emissionszertifikate innerhalb eines Korridors von 55 bis 65 Euro je Tonne CO₂ versteigert.
Nach Berechnungen des ADAC verteuert die CO₂-Bepreisung Benzin 2026 gegenüber einem Preis ohne diese Abgabe um 15,7 bis 18,6 Cent je Liter. Beim Diesel sind es 17,3 bis 20,5 Cent je Liter. Die Werte sind bereits als Bruttoeffekt angegeben.
Bei einer 50-Liter-Tankfüllung entspricht allein der CO₂-Preis damit einem Aufschlag von bis zu rund 9,30 Euro beim Benzin und gut 10 Euro beim Diesel gegenüber einem Preis ohne CO₂-Bepreisung.
Und anschließend kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer
Die dritte große staatliche Komponente ist die Mehrwertsteuer. Auf Kraftstoff werden in Deutschland 19 Prozent Umsatzsteuer erhoben. Sie fällt auf den gesamten Nettopreis einschließlich der darin enthaltenen steuer- und abgabenbedingten Preisbestandteile an.
Bei einem Endpreis von 2,331 Euro pro Liter Benzin stecken rechnerisch rund 37 Cent Mehrwertsteuer im Verkaufspreis. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern sind das etwa 18,60 Euro.
Energiesteuer, CO₂-Bepreisung und Mehrwertsteuer erklären damit einen erheblichen Teil der deutschen Tankrechnung. Die einzelnen Beträge dürfen allerdings nicht einfach vollständig addiert werden, weil etwa die vom ADAC ausgewiesene Wirkung des CO₂-Preises bereits als Bruttobetrag angegeben wird.
Tankrabatt ist seit Juli wieder Geschichte
Wie stark die Energiesteuer den Endpreis beeinflusst, zeigte sich im Frühjahr 2026. Wegen der stark gestiegenen Kraftstoffkosten senkte die Bundesregierung die Energiesteuer vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 um 14,04 Cent je Liter bei Benzin und Diesel. Da dadurch zugleich weniger Mehrwertsteuer anfiel, bezifferte das Bundesfinanzministerium die gesamte steuerliche Entlastung auf etwa 17 Cent pro Liter.
Seit dem 1. Juli gelten wieder die regulären Steuersätze. Die Energiesteuer beträgt damit erneut 65,45 Cent für Benzin und 47,04 Cent für Diesel.
Steuern sind aber nicht der einzige Grund für hohe Preise
Die hohen deutschen Abgaben erklären allerdings nicht den gesamten Preis an der Zapfsäule. Hinzu kommen die Kosten für Rohöl beziehungsweise fertige Mineralölprodukte, Raffinerien, Transport, Lagerung und Vertrieb sowie die Margen der Unternehmen.
Auch der Wechselkurs spielt eine Rolle, weil Öl international überwiegend in US-Dollar gehandelt wird. Ein schwächerer Euro kann den Einkauf verteuern. Politische Krisen, Ausfälle von Raffinerien oder Engpässe beim Transport wirken sich ebenfalls auf die Kraftstoffpreise aus. Der ADAC nennt für den Sommer 2026 beispielsweise niedrige Flusspegel als zusätzlichen Kostenfaktor, weil Tankschiffe weniger Kraftstoff transportieren konnten.
Wie schnell sich solche Faktoren auswirken können, zeigen die jüngsten Zahlen: Zwischen dem 31. August und dem 7. September stieg der deutsche Durchschnittspreis sowohl für Benzin als auch für Diesel um mehr als vier Prozent. Diesel überschritt dabei die Marke von 2,30 Euro je Liter.
