Preiserhöhung: Tchibo-Kaffee wird deutlich teurer

Tchibo erhöht nun erneut die Preise für Kaffee.
Oliver Berg/dpa- Tchibo erhöht ab Februar 2024 erneut die Kaffeepreise um 50 Cent bis 1 Euro pro Pfund.
- Gründe: Knappheit von Rohkaffee und schlechte Ernten, besonders in Brasilien.
- Tchibo ist ein Trendsetter im Kaffeemarkt und verkauft direkt an Endverbraucher.
- Aldi Süd durfte Kaffee günstiger verkaufen; Tchibo will das Urteil anfechten.
- Rohkaffeepreise sind 2024 um 70% gestiegen, weitere Preiserhöhungen erwartet.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Kaffeehändler Tchibo erhöht erneut seine Preise. Kunden müssen von Mitte Februar an je nach Sorte zwischen 50 Cent und 1 Euro pro Pfund mehr bezahlen, wie das Unternehmen in Hamburg mitteilte. Rohkaffee sei deutlich knapper geworden, das Wetter habe für schwächere Ernten und höhere Preise gesorgt, sagte ein Sprecher von Tchibo. Um den Kunden weiterhin die gewohnte Qualität zu bieten, müsse man handeln. Im April 2024 hatte Tchibo schon einmal die Kaffeepreise erhöht.
Ein Preisanstieg für Kaffee hatte sich bereits Ende des vergangenen Jahres abgezeichnet. Der an der Rohstoffbörse ICE in New York gehandelte Preis für Arabica-Bohnen kletterte im November auf den höchsten Wert seit Jahrzehnten. Allein im Jahr 2024 sind die Rohkaffeepreise um rund 70 Prozent gestiegen.
Tchibo äußert sich offener über seine Preise als andere Anbieter. Das Unternehmen verkauft seine Produkte im Gegensatz zu vielen anderen Kaffeeröstern in seinen Filialen direkt an Endverbraucher und kann deshalb auch seine Preise festlegen. Viele andere Kaffeehändler liefern ihre Produkte an den Lebensmittel-Einzelhandel, der die Endpreise festlegt. Deshalb gilt Tchibo auch als Trendsetter für die Kaffeepreise hierzulande, es muss also auch mit Erhöhungen bei anderen Anbietern gerechnet werden.
Erst kürzlich hatte Tchibo in einem Rechtsstreit um Kaffeepreise mit Aldi Süd eine Niederlage kassiert. Das Landgericht Düsseldorf wies eine Unterlassungsklage des Unternehmens gegen den Discounter ab (Az.: 14 d O 14/24). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Discounter lässt Kaffee selbst produzieren
Der Kaffeeröster hatte Aldi Süd vorgeworfen, seit Ende 2023 regelmäßig Kaffees seiner Eigenmarke Barissimo unter Einstandspreis und damit zu billig angeboten zu haben. Dies schade dem Wettbewerb und den Verbrauchern, Aldi verstoße gegen das Gesetz, hieß es. Tchibo wollte dem Discounter gerichtlich verbieten lassen, den Kaffee so günstig so verkaufen.
Aus Sicht der Richter war die Klage nicht begründet. Das Vorgehen von Aldi Süd sei kaufmännisch vertretbar, sagte eine Gerichtssprecherin. In dem Fall liege keine Gefahr vor, dass der Wettbewerb beeinträchtigt werde. Auch sei keine Absicht erkennbar, andere Unternehmen vom Markt zu verdrängen. Aldi Süd begrüßte die Entscheidung. Tchibo will das Urteil prüfen. „Wir werden unsere Position im Zweifelsfall durch mehrere Instanzen verteidigen“, sagte ein Sprecher.
Der Einstandspreis umfasst den Einkaufspreis einer Ware sowie alle Nebenkosten wie Verpackung, Versicherung und Fracht. Aldi Süd hatte die 1-Kilo-Packung zwischenzeitlich für weniger als vier Euro verkauft. Der Discounter lässt seinen Kaffee von seinem Tochterunternehmen New Coffee produzieren. Die Kaffeesteuer beträgt für Röstkaffee 2,19 Euro je Kilogramm.
Händler im Lebensmitteleinzelhandel arbeiten mit Mischkalkulationen. Bei einigen Artikeln sind die Margen höher, andere sind gering kalkuliert. Dies dient dem Zweck, mehr Kunden in die Märkte zu locken und die Verkaufsmenge zu erhöhen. Sogenannte Eckpreisartikel wie Kaffee, Milch oder Butter haben eine besondere Zugkraft, weil Kunden bei ihnen besonders auf die Preise achten.
Preisanstieg beim Kaffee erwartet
Der Düsseldorfer Kartellrechtler Johann Brück findet es „seltsam“, dass Rohkaffee auf dem Weltmarkt teurer ist als die Bohnen von Aldi. Der Discounter nehme offensichtlich Verluste in Kauf, das sei nicht grundsätzlich verboten. „Einen Einstandspreis hat Aldi bei seinen Eigenmarken gar nicht, weil Aldi diese selbst herstellt oder für sich in Lohnproduktion herstellen lässt“. Die Geschädigten seien die Erzeuger. Bei derartigen Preisen sei es nicht möglich, faire Anbaubedingungen und Löhne in den Herkunftsländern sicherzustellen.
Kaffeehändler und -röster erleben herausfordernde Zeiten. Im vergangenen Jahr sind die Rohkaffeepreise um rund 70 Prozent gestiegen. Hauptgrund dafür sind Experten zufolge unter anderem schlechte Ernten im wichtigsten Erzeugerland Brasilien. Erwartet wird, dass Verbraucher für Kaffee bald tiefer in die Tasche greifen müssen. Das hat sich bei Tchibo schon bewahrheitet.

