Während der Lockdowns in Corona-Zeiten haben Sabine Schön, ihr Mann und ihr Sohn sehr genossen, dass sie über viel Platz verfügen können. Ihr Haus in Göppingen hat einen schönen großen Garten und 240 Quadratmeter Wohnfläche. Jetzt allerdings wird die Größe der Räume zum Problem. Musste die Familie Schön, die ihren richtigen Namen nicht nennen will, bisher 238 Euro Abschlag für Gas bezahlen, sind es nach zwei Erhöhungen inzwischen 605 Euro.
„Unser Haus ist zwar Baujahr 1968, aber energetisch saniert und hat eine relativ neue Gasheizung“, sagt Schön. Ihr Mann und sie sind berufstätig, verdienen eigentlich gut. Aber sie müssen noch das Haus abbezahlen. Einkaufen werde immer teurer – und nun noch diese Gasrechnung, jeden Monat. „Wir haben immer gedacht, wir können uns das gut leisten, aber jetzt müssen auch wir schauen, wie wir über den Winter kommen“, sagt Schön.

Vierstellige Abschlagszahlungen für die Mietwohnung

Die hohen Energiepreise treffen derzeit auch die Mittelschicht hart. Familie Schön ist nur ein Beispiel, andere zeugen von noch heftigeren Forderungen. So sollen Bewohner von Mietwohnungen pro Monat teilweise einen vierstelligen Betrag für Energiekosten aufbringen – für viele Familien schlicht unmöglich: „Immer mehr Menschen können ihre hohen Gasabschläge und Energierechnungen nicht mehr zahlen“, fasst VdK-Präsidentin Verena Bentele die Lage zusammen. Wenn eine vierköpfige Familie plötzlich zusätzlich 1000 Euro im Monat für Gas aufbringen solle, reiche ein mittleres Einkommen nicht mehr aus. Solche Familien blieben oft komplett auf ihren Kosten sitzen, weil sie in der Regel keinen Anspruch auf Grundsicherung oder Wohngeld haben. „Vielen Betroffenen droht dann über kurz oder lang eine Privatinsolvenz.“
Das Vergleichsportal Verivox hat aktuell berechnet, dass die Heizkosten für den Monat September im Vergleich zum Vorjahr um 505 Prozent gestiegen sind. Gemäß Verivox-Verbraucherpreisindex kostete eine Kilowattstunde Gas im September 2022 durchschnittlich 21,75 Cent. Im September 2021 belief sich der Preis noch auf 6,49 Cent. Damit hat sich Gas innerhalb eines Jahres um rund 235 Prozent verteuert. „Heizkunden stehen angesichts explodierender Beschaffungskosten vor einem sehr teuren Winter“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Fast 300 Prozent mehr auch bei Ölkunden

Auch Ölkunden bleiben von Preissteigerungen nicht verschont. Im Vergleich zum September des Vorjahres stiegen die Kosten für ein warmes Zuhause um 288 Prozent. Auch Strom wurde deutlich teurer. Laut dem Vergleichsportal Check24 lagen die Kosten für Strom im September 40 Prozent über dem Vorjahresmonat
Wie soll das nur weitergehen? Die letzte Preiserhöhungsrunde wurde von den Energieanbietern vor allem mit der Gasumlage begründet. Die jedoch wurde vergangene Woche noch vor Einführung wieder abgeschafft. Und einen Gas- und Strompreisdeckel soll es auch geben und die Mehrwertsteuer auf Gas wird gesenkt. Nur weiß niemand so genau, wie sich diese Maßnahmen konkret auf Preis und Kosten für Privathaushalte auswirken.
Angesichts der Rechnungen und Abschlagsankündigungen sind viele Menschen verzweifelt – und sparen. So heizt die Familie Schön derzeit das obere Stockwerk noch gar nicht, hat die Wassertemperatur- und Raumtemperatur deutlich gesenkt. Andere schieben die Heizsaison so weit es geht hinaus und bewegen sich Zuhause in dicken Pullis oder sogar Jacken.

Mit uns Energie sparen

Denn fest steht, Energiesparen hat sich noch nie so sehr gelohnt und war so wichtig wie derzeit. „Das Thema Energiesparen wird die Menschen in diesem Winter so sehr beschäftigen wie noch nie zuvor. Die SÜDWEST PRESSE will helfen, Ihre Fragen zu beantworten und praktische Lebenshilfe zu geben“, erklärt Chefredakteur Ulrich Becker das Ziel des Themenschwerpunkts „Energiesparen“. Wir bieten Tipps zum Heizen, Duschen, Lüften und zum Stromsparen sowie Hinweise, welche Ratschläge man gleich wieder vergessen sollte, weil sie sinnlos und gefährlich sind. Wir werden aber auch Geschichten von Menschen aus ihrer Nachbarschaft, ihrer Region erzählen, die Lösungen suchen und finden. Auch politische Entscheidungen zu diesem Thema werden wir verständlich erklären, um gemeinsam dazu beizutragen, gut über diesen Winter zu kommen.

Wir beantworten Ihre Fragen zum Thema Energiesparen

Darf ich selbst an der Gasheizung Entstellungen verändern? Sind Teelicht-Öfen gefährlich? Wie kann ich beim Duschen sparen? Wieviel Strom verbrauchen Heizlüfter? Soll ich Luftpolsterfolie zur Isolierung an die Fenster kleben? Was soll die Gaspreisbremse bewirken? Wann sollte ich mit meinem Energieversorger Kontakt aufnehmen? Keine Fragen ist zu klein, keine zu groß: Wir machen es uns zur Aufgabe, Ihre Fragen rund um das Thema Energiesparen zu beantworten. Die Wirtschaftsredakteurin Caroline Strang nimmt unter der eigens eingerichteten E-Mail-Adresse energiesparen@swp.de oder der Postanschrift Caroline Strang, Wirtschaftsredaktion, Frauenstraße 77, 89073 Ulm Fragen entgegen und leitet sie an Experten weiter. Dazu arbeitet die SÜDWEST PRESSE unter anderem mit Fachleuten der SWU (Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm) zusammen, die sich beispielsweise mit den Themen Heizen, Stromsparen oder Fotovoltaik besonders gut auskennen. Die Antworten werden anonymisiert nach und nach veröffentlicht, weil viele Menschen derzeit ähnliche Probleme und Fragen haben und davon profitieren können. Einige unserer bisherigen und alle neuen Beiträge werden auf der Internetseite swp.de/energie-sparen gesammelt. Wir freuen uns auf viele Kontakte und Anfragen.