Hitzewelle und Arbeit
: Schwitzend im Büro – was Arbeitgeber tun sollten und müssen

Die Außentemperaturen steigen derzeit auf über 30 Grad. Wenn der Arbeitsplatz keine Klimaanlage hat, kann es dort auch brütend warm werden. Was helfen kann.
Von
Caroline Strang
Ulm
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Ein Ventilator steht in einem Büro

Ein Ventilator kann wenigstens ein bisschen helfen in einem überhitzten Büro.

Wolfram Kastl/dpa-tmn/dpa
  • Ab 26°C müssen Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen; über 35°C kann ein Raum ungeeignet werden.
  • Vorschläge: Lüften, Ventilatoren, mobile Klimageräte, Sonnenschutz, gelockerte Kleidungsvorschriften.
  • Kostenloses Wasser wichtig; Hitze kann gesundheitliche Probleme wie Kollaps verursachen.
  • Linke fordert kürzere Arbeitszeiten ab 26°C, ab 30°C nur halbtags arbeiten.
  • Mehr Hitzeschutz wird allgemein diskutiert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Luft im Büro oder in der Werkshalle ist warm und feucht, das Hemd oder T-Shirt klebt an der Brust und unter den Achseln wird es immer noch nasser: Wenn die Außentemperaturen auf solche Höhen klettern wie in der Hitzewelle derzeit, wird es auch in viele Büros ohne Klimaanlage sehr, sehr warm. Das macht so manchen Kopf sehr, sehr träge und senkt die Motivation. Aber nicht nur das: Ab einem gewissen Grad kann auch Hitze am Arbeitsplatz gesundheitlich gefährlich werden. Deshalb müssen Arbeitgeber bestimmte Maßnahmen ergreifen.

Als erste Information vorab: Hitzefrei gibt es für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Normalfall nicht, zumindest ist es nicht rechtlich geregelt. In der Arbeitsstättenverordnung sind für Arbeitsräume allerdings „gesundheitlich zuträgliche Raumtemperaturen und den Schutz gegen übermäßige Sonneneinstrahlung“ vorgeschrieben, wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) erklärt. In einer zugehörigen Arbeitsstättenregel sind dann auch tatsächlich konkrete Temperaturen angeben, so sollen 26 Grad eigentlich nicht überschritten werden.

Wobei die Beschäftigten laut Regelung bei Lufttemperaturen in Arbeitsräumen in den Stufen bis 30 Grad, bis 35 Grad und darüber weiter tätig sein könnten, vorausgesetzt, der Arbeitgeber ergreife geeignete Schutzmaßnahmen.

Drucker aus, Ventilator an

„Trotz dieser Regelungen gibt es für Beschäftigte keinen direkten Rechtsanspruch auf zum Beispiel klimatisierte Räume oder hitzefrei“, erklären die Experten. Der Arbeitgeber sei aber verpflichtet, „die Arbeit so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden wird und verbleibende Gefährdungen gering gehalten werden“.

Geschieht dies nicht, könne es sein, dass ein Raum schließlich auch gar nicht mehr als Arbeitsraum geeignet ist, erklärt die Gewerkschaft Verdi. „Das heißt aber nicht automatisch, dass der Arbeitnehmer nach Hause gehen kann, sondern nur, dass in bestimmten Räumen nicht gearbeitet werden darf.“

Welche Maßnahmen der Arbeitgeber bei der Kühlung von Räumen helfen können:

  • Nachts oder morgens lüften: Querlüften in der Nacht oder am frühen Morgen kann die Temperatur in den Räumen zumindest zeitweise senken.
  • Innere Wärmequellen reduzieren: Elektrische Geräte wie Drucker, Lampen oder Kopierer erzeugen Wärme. Sie sollten nur bei Bedarf in Betrieb genommen werden.
  • Ventilatoren aufstellen: Die Geräte fördern die Kühlung durch Schweißverdunstung, aber nicht jeder verträgt die dabei mögliche Zugluft. Zu bedenken ist allerdings, dass der Arbeitgeber den Strom für solche Elektrogeräte zahlt und eine eigenmächtige Inanspruchnahme für Irritationen sorgen kann, sofern es nicht seit langem stillschweigend geduldet wird.
  • Mobile Klimageräte aufstellen: Fehlt eine Klimaanlage, kann sie durch die mobilen Geräte ersetzt werden. Allerdings warnt das BAUA, dass die damit verbundenen Anschaffungs- und Betriebskosten zu beachten seien. „Geräuschbelästigungen können entstehen und an den Luftauslässen besteht die Gefahr von Zugluft.“
  • Schutz vor Sonneneinstrahlung: Sehr wirkungsvoll sind beispielsweise außenliegende Jalousien oder Markisen.
  • Bekleidungsvorschriften lockern: Anzugspflicht oder ähnliches kann bei großer Hitze ausgesetzt werden. Dienst- oder Sicherheitskleidung lässt sich aber nicht einfach eigenmächtig weglassen. „Sicherheitsschuhe, Kittel, Helme und ähnliches sind keine Frage der Mode, sondern der Arbeitssicherheit“, betont Verdi. Kurze Hosen oder Hawaii-Hemden spielten auch immer wieder eine Rolle bei Kündigungsprozessen.
  • Geeignete Getränke bereitstellen: Genug Flüssigkeit ist an heißen Tagen überlebenswichtig. Da können Arbeitgeber mit kostenlosen Getränkestationen oder Flaschen helfen.

Werden diese Maßnahmen nicht getroffen, kann es laut BAUA auch in einem überwärmten Büroraum zu gesundheitliche Störungen kommen, wie Hitzeerschöpfung oder Hitzekollaps. Hitzeerschöpfung ist dabei die Reaktion des Körpers auf einen übermäßigen Verlust von Wasser und Salzen, die im Schweiß enthalten sind. „Werden diese Verluste nicht ausgeglichen, so kann es zu Symptomen wie Schwäche, blassgrauer feuchtwarmer Haut, Muskelkrämpfen, Übelkeit und Schwindel, Verwirrtheit, Fieber, Kreislaufkollaps oder Bewusstlosigkeit kommen“, erklären die Experten. Bei einem Hitzekollaps werde die Hirndurchblutung so vermindert, dass es zu kurzfristiger Bewusstlosigkeit und zum Kollaps kommen könne.

Betroffene Kolleginnen und Kollegen sollten sofort an einen schattigen, kühlen Ort gebracht werden. Portionsweise kühle, elektrolythaltige, nichtalkoholische Getränke, kühlende Umschläge und Frischluft helfen. Verschlimmern sich die Symptome, muss der Notarzt gerufen werden.

Linke fordert mehr Hitzeschutz

Die Linkspartei hat jüngst besseren Hitzeschutz am Arbeitsplatz gefordert. Schon ab 26 Grad Celsius am Arbeitsplatz solle die tägliche Arbeitszeit um ein Viertel verkürzt werden, verlangte Parteichef Jan van Aken in einem Positionspapier, das dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorlag. „Die Klimakrise ist längst auch eine soziale Krise – wer unter sengender Sonne schuftet oder im überhitzten Büro sitzt, bezahlt oft mit der eigenen Gesundheit“, sagte van Aken. Ab 30 Grad soll nur noch halb so viel gearbeitet werden. Zudem fordert der Linken-Vorsitzende kostenlose Sonnencremespender an Stränden und mehr Wasserspender in Städten.