Handwerkskammer Ulm: Ehemaliger Präsident sorgt sich um Nachwuchs im Handwerk

Joachim Krimmer, ehemaliger Präsident der Handwerkskammer Ulm, freut sich, dass er seinen Tagesablauf ohne Hektik und Termine gestalten kann. „Zudem freue ich mich darauf zu reisen und Bücher in aller Ruhe lesen zu können“, sagt der gebürtige Allgäuer.
Marc HörgerJoachim Krimmer war und ist ein leidenschaftlicher Kämpfer fürs Handwerk. Einer, der sich mit Missständen und Ungerechtigkeiten nicht abgibt und sie in erfrischend offener und direkter Art anspricht. Im Herbst endete seine Zeit als Präsident der Handwerkskammer Ulm. Welche Frage er sich wünschen würde, war Krimmer in einem Interview vor vier Jahren in seiner aktiven Zeit als Handwerkskammerpräsident gefragt worden. Seine Antwort: Was ist am Handwerk so schön? Und was so schön ist, beschrieb er so: „Jeder Mitarbeiter kann frei bestimmt und kreativ arbeiten. Natürlich gibt es Aufträge, die erfüllt werden müssen. Aber die Herangehensweise liegt in der Hand eines jeden Handwerkers selbst. Für mich ist das das Allerschönste am Handwerk. Sie sehen nach ihrer Arbeit ihr Werk und auch die Freude des Kunden. Das ist sehr erfüllend und sinnstiftend.“
Ein Gespräch mit Joachim Krimmer (68) übers Loslassen, den Blick zurück und wie er seine gewonnene Freiheit nutzt.
Herr Krimmer, wie schwer hat das Loslassen gefallen?
Es ist ein Abschied mit Wehmut, denn ich war immer gerne Präsident der Handwerkskammer und ich wäre auch gerne in diesem schönen Amt geblieben. Doch die Altersbeschränkung ist in der Satzung der Handwerkskammer festgeschrieben. Seit ich 17 Jahre alt war, also seit über 50 Jahren, war ich eingespannt in Beruf und in verschiedenen Ämtern, sodass ich mich nun auch auf eine neue Freizeit freue, die ich so noch nie gehabt habe.
Was ist die wichtigste Lehre aus Ihrer Zeit als Ulmer Handwerkspräsident?
Die Erkenntnis, wie wichtig es für die verschiedenen Berufsgruppen ist, durch Kammern vertreten zu werden. Nur so können die Anliegen der Handwerkerschaft bei den Politikern Gehör finden. Diese strukturelle Verbundenheit ist wichtig und ich hoffe, dass dies auch in Zukunft von der Kollegenschaft erkannt und gelebt wird.
Ungerechte Behandlung von Handwerkern gegenüber Akademikern
Was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen?
Die Ausweitung der Bürokratie ist ein richtiges Problem, das ich wohl noch offensiver und drängender in der Politik anmahnen würde. Hier muss sich unbedingt etwas ändern. Auch die Gleichwertigkeit in der beruflichen Bildung muss noch stärker angegangen werden. Denn zwischen der finanziellen Förderung von Akademikern und der im Rahmen der beruflichen Bildung im Handwerk besteht noch immer ein himmelweiter Unterschied. Auch hierfür würde ich mich in Zukunft stärker einsetzen.
Welche Ehrenämter üben Sie weiter aus?
Ich bin noch im Gutachterausschuss der Stadt Leutkirch tätig, bin im Vorstand der Stiftung „Fokus Gesundheit“ und im Aufsichtsrat der Inter-Versicherung. Zudem bin ich seit kurzem Vorsitzender der CDU-Senioren-Union Leutkirch.
Was machen Sie als stellvertretender Komtur im Deutschen Orden?
Diese 1198 ursprünglich als Lazarett gegründete römisch-katholische Ordensgemeinschaft widmet sich karitativen Aufgaben. Neben Priestern und Glaubensschwestern engagieren sich hier auch Laienmitglieder, sogenannte Familiare. In dieser Tätigkeit bin ich der stellvertretende Vorsitzende der Komturei, sprich der Ordensniederlassung auf dem Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
„Ohne genügend Fachkräfte wird der Lebensstandard in der Bevölkerung gewaltig sinken“
Welche Entscheidungen machen Sie stolz?
Dass wir in meiner Amtszeit die Beiträge für unsere Pflichtmitglieder senken konnten. Darüber hinaus habe ich bei der Einführung der Meister- und Gründerprämien mitgewirkt. Diese Zuschüsse vom Land, tragen dazu bei, dass man nach bestandener Meisterprüfung oder einer Firmengründung in die eigene Fortbildung investieren kann.
Welche Ihrer Entscheidungen sehen Sie kritisch?
Beschlüsse werden ja immer im Einvernehmen mit der Vorstandschaft oder mit der Vollversammlung gefasst. Und diese haben aus unserer Sicht alle die richtigen Wege gefunden.
Was beschäftigt Sie im Moment am meisten?
Im Handwerk ist das ganz klar der Fachkräftebedarf. Zwar haben wir seit Corona wieder steigende Zahlen, doch macht mir der fehlende Nachwuchs weiterhin große Sorgen. Denn ohne genügend Fachkräfte wird der Lebensstandard in der Bevölkerung gewaltig sinken. Das wird das Thema der Zukunft sein.
Wie unterstützen Sie Ihren Sohn, der Ihren Betrieb in Leutkirch übernommen hat?
Ich bin nach wie vor im Unternehmen tätig, kümmere mich um Rechnungen und führe auch noch kleinere Reparaturen aus. Größere Aufträge konnte ich aus Zeitgründen auch schon während meiner Präsidentschaft nicht mehr erledigen.
Wie halten Sie sich fit?
Mit Schwimmen und Skifahren. Sport mache ich jedoch ausschließlich zum eigenen Vergnügen, nie im Wettkampf.
Woraus schöpfen Sie Freude im Ruhestand?
Dass ich meinen Tagesablauf fortan ohne Hektik und Termine gestalten kann. Zudem freue ich mich darauf zu reisen und Bücher in aller Ruhe lesen zu können.
Auf wie viel Zeit mit dem Opa dürfen sich Ihre Enkel freuen?
Hier gilt ganz klar: Wenn sie mich brauchen, bin ich für sie da.
Und was steht da auf dem Programm?
Da muss ich mir im Vorfeld keine Gedanken machen. Meine Enkel sind fünf und neun Jahre alt und stecken voller Ideen.
Sie sind Schlossherr, wie kam es dazu?
Als mein Vater in Rente ging, hat er unser Wohngebäude, in dem auch das Büro untergebracht ist, über viele Jahre hinweg im gotischen Stil umgebaut. Aber es ist eben kein Schloss oder ein ehemaliges Kloster, wie viele Spaziergänger vermuten, sondern gerade einmal 40 Jahre alt.
Wie viel Arbeit wartet da in Sachen Instandhaltung auf Sie?
Nicht viel, da es eben noch so jung ist. Aber wir haben noch Wohngebäude, in denen früher Monteure unterbracht waren und heute privat genutzt werden. Hier sind Renovierungen eine Aufgabe ohne Ende. Aber es macht Spaß, wenn man sieht, dass man Dinge verbessern und schöner machen kann.
Was ist Ihr Lieblingsgericht?
Wiener Schnitzel mit Pommes Frites. Schon allein deshalb, weil bei diesem Gericht nicht die Gefahr besteht, dass man Sauce auf Hemd oder Krawatte schmiert.
Wo ist Ihr Lieblingsplatz im Allgäu?
Das ist die Terrasse auf der Weltcuphütte am Ofterschwanger Horn. Ein ruhiger Ort, von dem aus man einen wundervollen Blick auf das umliegende Allgäu hat.
Zur Person
Joachim Krimmer wurde im Mai 1956 in Leutkirch geboren. Der verheiratete Familienvater von drei Kindern ist gelernter Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister. 1982 übernahm er in seiner Heimatstadt von seinem Vater die Geschäftsführung der Otto Krimmer OHG, die nun sein Sohn in vierter Generation leitet.
Der Allgäuer war von 2002 bis 2014 Obermeister der Sanitär-Zentralheizungsbauer-Innung Ravensburg und von 2011 bis 2016 Meister der Kreishandwerkerschaft Ravensburg. Seit 2012 ist der Träger des Handwerkszeichens in Gold Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Ulm und seit 2014 deren Präsident.



