Geschenke
: Wie uns Weihnachten zum schnellen Kauf verführt

Gehören Sie zu den Menschen, die im Advent zu Konsumopfern werden und mehr Geld schneller ausgeben als sonst? Welche psychologischen und wirtschaftlichen Gründe dahinterstecken und was man dagegen tun.
Von
Christoph Jänsch
Mannheim
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Eine Frau öffnet ein Weihnachtsgeschenk: ILLUSTRATION - Auch allein kann man die Feiertage gut verbringen - und sich auch beschenken, etwa mit Dingen, die einem guttun. (zu dpa: «Feiertage allein? Wie Sie Weihnachten zu Ihrem Fest machen») Foto: Christin Klose/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Geschenke bereiten Freude. Studien belegen, dass die durchschnittliche Zahlungsbereitschaft von Verbraucherinnen und Verbrauchern in der Weihnachtszeit höher ist als im restlichen Jahr.

Christin Klose/dpa
  • Studien zeigen: Konsum und Zahlungsbereitschaft steigen zur Weihnachtszeit, selbst in Krisenzeiten.
  • Bonuszahlungen wie Weihnachtsgeld fördern großzügige Ausgaben, besonders für Geschenke.
  • Wunsch nach Inszenierung, z. B. auf Social Media, beeinflusst Kaufverhalten erheblich.
  • Rabatte und weihnachtliche Dekorationen verführen zu Spontankäufen.
  • Tipps gegen Kaufdruck: Preise vergleichen, Budget setzen, Käufe überdenken, bar zahlen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Rund um Weihnachten scheint in vielen Haushalten eine besondere Großzügigkeit Einzug zu halten: Geschenke, Reisen, Unternehmungen, Festessen – und oft das Gefühl, dass man beim Bezahlen weniger zögert als sonst. Aber stimmt das wirklich – und woran könnte es liegen? Wir gehen den Fragen auf den Grund.

Sitzt das Geld bei Verbraucherinnen und Verbrauchern rund um die Weihnachtszeit tatsächlich tendenziell lockerer als unter dem Jahr?
„Ja, tendenziell ist die Aussage richtig“, sagt Marketingprofessor Sven Henkel von der EBS Universität für Wirtschaft und Recht. Studien belegten, dass die durchschnittliche Zahlungsbereitschaft von Verbraucherinnen und Verbrauchern in der Weihnachtszeit höher ist als im restlichen Jahr – und zwar selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Vor allem im Handel macht sich das bemerkbar. Dort sind die Monate November und Dezember traditionell die umsatzstärksten – so prognostiziert es der Handelsverband Deutschland grundsätzlich auch für dieses Jahr.

Woran liegt das?
Auf der einen Seite gibt es Wunschzettel – insbesondere bei Familien mit Kindern. „Und die wollen bedient werden“, sagt Michaela Wänke, Professorin für Konsumentenpsychologie an der Universität Mannheim. Hierzulande sei es schließlich langjähriger Brauch, sich zum Weihnachtsfest zu beschenken – oder sich auch selbst etwas zu gönnen. Und zu Weihnachten darf es Wänke zufolge dann eben auch mal etwas Besonderes sein – der teurere Wein oder die hochwertigere Schokolade etwa. Denn: Zu solchen Anlässen gelten plötzlich lockerere Finanzregeln, stellt Jan Michael Rasimus von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe fest. Der Gedanke, der dahintersteckt: „Es ist ja nur einmal im Jahr.“

Welche psychologische Rolle spielt das Weihnachtsgeld für den Geschenkekauf?
Vor allem Ausgaben für Geschenke fühlen sich Rasimus zufolge weniger schmerzhaft für Konsumentinnen und Konsumenten an. Immerhin macht man anderen damit eine Freude. Hinzukomme, dass viele Beschäftigte zum Jahresende einen Bonus oder Weihnachtsgeld vom Arbeitgeber erhalten. Ein solches Extra zum Gehalt gibt sich dem Experten zufolge leichter aus. „Nicht zu unterschätzen ist aber auch der Wunsch nach Inszenierung, der sich insbesondere durch die massive Nutzung sozialer Medien ergibt“, sagt Sven Henkel. „Ein reich gedeckter Gabentisch macht Eindruck auf Instagram.“

Welchen Einfluss hat Social Media auf das Kaufverhalten?
Wer für seine geteilten Fotos oder Erlebnisse Anerkennung bekommt, erfahre so eine Stärkung des eigenen Selbstvertrauens. Verlocken auch teils üppige Rabatte sowie weihnachtliche Dekoration oder Aufmachung im Netz eher zum Kauf? „Natürlich verführen weihnachtliche Deko und Rabatte auch zum Kauf“, sagt Jan Michael Rasimus, der das Kaufverhalten von Kundinnen und Kunden regelmäßig mittels sogenannter Eye-Tracking-Analysen untersucht. In einem Labor der Dualen Hochschule kann er das Blickverhalten von Probandinnen und Probanden erfassen, was zum Beispiel Aufschluss über Werbewirkungen geben kann.

Was lässt Verbraucher online und im Laden schwach werden?
„Gerade die emotionale Ansprache triggert unser Belohnungssystem und lässt uns regelmäßig zu Schnäppchenjägerinnen und -jägern werden“, so Rasimus. Das wisse natürlich auch die Werbeindustrie, die solche Festtage gezielt für ihr Marketing nutze. Längst kein Zufall also, dass die Rabatt-Tage rund um Black Friday und Cyber Monday genau ins Weihnachtsgeschäft fallen. Auch Michaela Wänke schätzt, dass weihnachtliche Dekoration zumindest dazu einladen kann, in die Stadt zu gehen, um die Stimmung zu erleben – und dort am Ende womöglich auch etwas kauft. Denn was Untersuchungen belegen, ist: „Je länger man sich an einem Ort oder in einem Geschäft aufhält, umso eher kauft man auch etwas“, so die Expertin.

So vermeiden Sie es, zum Konsumopfer zu werden

Nach Weihnachten ist vor Weihnachten. Unter dem Christbaum liegen viele Gutscheine und Umschläge mit Bargeld unter dem Christbaum. Wer mit schnellen Käufen nicht zum Konsumopfer werden will, sollte auf diese Punkte achten:

1. Die Preisentwicklung von Produkten, die man kaufen will, sollte man über einen längeren Zeitraum beobachten, rät Claas Christian Germelmann, Leiter des Lehrstuhls für Marketing & Konsumentenverhalten an der Universität Bayreuth. „So kann man die richtigen Schnäppchen identifizieren und vermeidet, etwas zu kaufen, nur weil es so stark reduziert ist.“

2. Vor einer Kaufentscheidung sollte man immer eine Nacht darüber schlafen und sich nicht durch vermeintlichen Zeitdruck, Blitzangebote oder knappe Verfügbarkeiten zu Kurzschlusskäufen hinreißen zu lassen. Eine bewusste Pause führe zu einer rationaleren Entscheidung, sagt Germelmann.

3. Jan Michael Rasimus von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe empfiehlt zudem, selbst ein Budget für ein bestimmtes Produkt festzulegen und sich daran zu halten: „Eine selbst gesetzte Obergrenze schützt vor dem schleichenden Überkauf durch viele kleine Einzelentscheidungen.“ Außerdem könne es helfen, geplante Käufe mit anderen zu besprechen, um diese bewusster zu reflektieren. Und, was zumindest im Handel geht: sofort und bar bezahlen – nicht mit Karte oder auf Raten. Wenn das Geld physisch aus den Händen gegeben wird, liegt die Hürde für den Kauf höher.